Der 50-Jährige ist Gründer und Chef des Hemdenlabels „Ign. Joseph“
Der Mann mit den roten Schuhen

Es soll Frauen geben, die Männern zuerst auf die Schuhe sehen. Ist das Schuhwerk elegant und gepflegt, dann ist es meist auch das, was weiter oben kommt am Mann. Wer Ignatious Joseph vor dem angesagten Düsseldorfer Coffee-Shop "Bazaar" in der Sonne sitzen sieht, der oder die sieht Rot. Der Mann fällt einfach auf, sogar in der Modestadt, wo es bekanntlich von Selbstdarstellern wimmelt - wegen seiner roten Schuhe. Die sind sein Markenzeichen, mehr noch: sein MarketingInstrument. "Egal, wo ich bin, die Leute fragen sich sofort, wer ist dieser Typ mit den roten Schuhen", lacht er und nippt an seinem Kaffee.

Ignatious Joseph (natürlich auch weiter oben elegant und gepflegt) hat gut lachen. Er ist erfolgreich in der Männermode, einer Branche, in der manche Firma seit Jahren ein dickes Minus macht. Ein Artikel boomt aber: das farbige Herrenhemd. Und damit ist Joseph im Geschäft, mit feinen Pastelltönen, mit farbenfreudigen Karos oder in aktuellem Streifen-Design - durchaus seriös, aber nie langweilig. Seit einem Jahr gibt es auch Blusen.

Hemden seien sein "Hobby", sagt der Mann aus Sri Lanka, der in Deutschland aufgewachsen ist und 1997 seine Firma in Düsseldorf gründete, unter der Marke "Ign. Joseph". Da hatte der Sohn eines Beamten der britischen Regierung und einer Lehrerin seine erste Karriere schon hinter sich. Nach dem BWL-Studium arbeitete er zwanzig Jahre als Hotelmanager. Sicher auch ein farbiges Leben, doch mit dem war er "irgendwann nicht mehr zufrieden".

Was dann? Hemden! - Hemden? Da zweifelte nicht nur seine deutsche Frau, da winkten auch die Banken ab. Das spornte Joseph erst recht an. Er startete als Selfmademan mit Anfangskapital von Freunden und Familie. Damit stieg er gleich oben im High-Class-Bereich ein, reiste als Nobody mit einem Koffer durch die Lande und verkaufte im ersten Jahr 148 Hemden.

Nur verkaufen? "Ich verkaufe nicht nur Hemden, dann wäre ich morgen schon pleite. Ich verkaufe eine Philosophie", macht der eloquente Modemacher klar, der einfach nicht still sitzen will, sondern temperamentvoll seine eigenen Worte mit den Händen dirigiert: "Ich entwerfe für Männer und Frauen, die wissen, dass feine Kleidung ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ist." Und liefert die Begründung für seinen Erfolg gleich mit. Es sei die Mischung aus asiatischer Freundlichkeit und Gelassenheit mit deutscher Disziplin. Vor allem die preußische Zuverlässigkeit imponiert dem Macher aus Fernost.

Aber es ist auch die Optik, die eines Paradiesvogels in einer oft (zu) eintönigen Branche und die seines Produkts, das er in kanariengelbe Glanzkartons verpackt. Auch das ist ein unverwechselbares Markenzeichen: "Die Farbe der Sonne, die Farbe meiner Heimat." Farbe spielt überhaupt eine große Rolle bei ihm. Aber sie müsse eine besondere Qualität haben, "sonst wirkt sie leicht billig".

Billig sind seine Hemden mit 149 bis 159 Euro pro Stück nicht gerade. In der heißen Phase des Börsenbooms griffen die Yuppies gern zu, jetzt etwas seltener. Für Ignatious Joseph kein Grund zum Jammern. Bisher habe er seinen Absatz pro Saison um 25 Prozent gesteigert, sagt er - über Umsatz möchte er nicht sprechen. Heute verkauft er 15 000 Hemden im Jahr und 5 000 Damenblusen. Fertigen lässt Joseph in Italien. Am Firmensitz in Düsseldorf hat er nur eine Hand voll Mitarbeiter.

Den Verkauf steuert er über Agenturen und liefert nur an ausgewählte Adressen (45 Geschäfte in Deutschland, 90 in Europa). Und die können sich in einer Stadt schon mal schnell ändern. Auch deshalb sind seine Produkte manchmal schwer zu finden.

Das ist Strategie. "Ignatious Joseph muss gesucht werden", sagt der Nischennutzer mit stolzgeschwellter Hemdbrust - und wie bestellt klingelt das Handy in der Brusttasche. Eine feine Frau sucht nach seinen feinen Blusen. Charmant antwortet der Produzent höchstselbst und hat sich und seine Marke mal wieder elegant verkauft.

Das liegt wohl nicht nur daran, dass er damals beim Betriebswirtschaftsstudium in Dortmund bei Kapiteln wie "Customer Relations" und "Künstliche Verknappung" gut hingehört hat. Das muss Talent, Intuition sein. "Leidenschaft", nennt er es selbst. Und deshalb ist Australien für ihn kein Land, in dem er "einen Markt erobern" will, sondern in dem es "Männer zu kultivieren" gilt.

Seine Firma hat inzwischen eine Größe erreicht, wo weiteres Wachstum Unterstützung braucht. Kaufangebote gab und gibt es immer wieder. Doch der clevere Einzelkämpfer hat es nicht so eilig. Er sei aber offen, sagt er, für einen strategischen Investor, "der für meine roten Schuhe einen roten Teppich ausrollt" - und wippt in der Sonne mit dem Schuh dazu.

Ignatious Joseph

  • 1953: Er wird am 6. April in Sri Lanka geboren. Nach Abitur und College folgt ein BWL-Studium in Dortmund.
  • 1970: startet er in der Touristikbranche, arbeitet später in leitenden Positionen im internationalen Hotelmanagement, unter anderem in Asien, den Golf-Staaten und in Europa.
  • 1997: macht er "aus Leidenschaft" sein Hobby zum Beruf und sich selbst zum Markenzeichen für Herrenhemden: Er gründet als Ein-Mann-Betrieb die Firma "Ign. Joseph".


    Seitdem arbeitet er in einem kleinen Atelier in der Modestadt Düsseldorf, produziert in Italien und wirbt weltweit für sich und seine "Mode mit Persönlichkeit".
  • 2003: bringt er eine Damenblusenkollektion heraus.
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