Der 50-jährige Ökonom leitet zwei Institute gleichzeitig
DIW-Chef Klaus F. Zimmermann : Der gefragte Mann

DIW-Chef Klaus F. Zimmermann sammelt Ämter und Aufgaben wie andere Leute Briefmarken - sein Lebenslauf ist inzwischen 40 Seiten lang.

HB DÜSSELDORF. Sich selbst um einen Job bewerben? Das hat Klaus F. Zimmermann schon lange nicht mehr nötig. Der Ökonom lässt sich bitten. 1998 bekam Zimmermann das Angebot, das Ifo-Institut in München zu leiten - und hat abgelehnt. Auch den Präsidenten-Posten beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wollte er eigentlich gar nicht haben; nur mit viel Mühe ließ er sich am Ende doch überreden. "Als alle Seiten zu mir kamen, die Bundes- und Landesregierungen, auch die Mitarbeiter des DIW, die Vertreter der Arbeitgeber und der Gewerkschaften, habe ich es mir doch noch überlegt." Nun ist er schon seit zwei Jahren Chef des größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts.

Endgültig "Ja" gesagt hat Zimmermann, als fest stand, dass er Direktor des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn bleiben darf. Denn das von der Deutschen Post AG gesponserte Institut liegt ihm sehr am Herzen: "Da konnte ich etwas neu aufbauen." Am IZA zerbrechen sich internationale Wissenschaftler über neue Arbeitsmarkttheorien den Kopf - zudem berät das Institut Politiker.

Arbeitsökonomik als Steckenpferd

Die Arbeitsökonomik ist Zimmermanns Steckenpferd - so wie die Bevölkerungsökonomik, die Industrieökonomik, die Ökonometrie und die Migrationsforschung. Viele seiner Kollegen sind mit einem Forschungsgebiet ausgelastet, Zimmermann ist auf fünf Feldern aktiv - der Mann ist ein Arbeitstier.

Ämter und Aufgaben sammelt der 50-Jährige wie andere Leute Briefmarken. Sein Lebenslauf ist im Internet knapp 40 Seiten lang. Allein 20 Bücher hat Zimmermann geschrieben, dazu noch gut 150 Aufsätze. Etliche davon sind in angelsächsischen Publikationen erschienen, zum Beispiel in der "American Economic Review" und "Econometrica" - international renommierte Journale, in denen deutsche Wissenschaftler eher selten zu Gast sind.

"Bevor man mich in Deutschland kannte, wusste die internationale Wissenschaft etwas mit meiner Arbeit anzufangen", ist Zimmermann überzeugt und genießt den Spaß am Erfolg. Das ist wohl auch der Grund, wieso er gerne auf seinen Posten als erster deutscher Programmdirektor des Centre for Economic Policy Research (CEPR) in London von 1991 bis 2001 zurückblickt. "Dort konnte ich beeinflussen, wer wo welche Artikel publiziert und wer auf welcher Tagung vorträgt."

Kaum Platz für andere Hobbys

Für Hobbys oder Sport ist kein Platz in so einem Leben. Der schlanke Vater von zwei Kindern steht ständig unter Strom, spricht schnell, seine Augen wandern wachsam durch den Raum. Kein Wunder, jettet er doch jede Woche zwischen Bonn, IZA, und Berlin, DIW, hin und her.

Diese "Gesamtoperation", wie Zimmermann es formuliert, funktioniere nur, weil seine Frau ihn unterstützt. "Ohne ihr Verständnis würde es nicht gehen", ist sich Zimmermann bewusst. Die promovierte Ökonomin ist seine Beraterin, nicht zuletzt bei der Auswahl der Bilder, die sein Berliner Büro schmücken. An den Namen des Künstlers kann er sich allerdings nicht mehr erinnern. "Ich bin irgendwie noch nicht richtig hier angekommen", entschuldigt er sich.

Woher zieht der Mann bloß seine Energie? "Ich habe mich schon immer für Politik interessiert", sagt Zimmermann. Schon als Gymnasiast, als er Redakteur der Schülerzeitung war. "Fragen, die den Menschen betreffen, die gesellschaftliche Relevanz haben" - das ist seine Welt. Obwohl er das Auswahlverfahren der renommierten Deutschen Journalistenschule in München bestanden hatte, studierte er in Mannheim Volkswirtschaft und Statistik.

Forscher und Manager in einer Person

Heute versteht er sich selbst längst nicht mehr nur als Forscher, sondern auch als Manager - als "Geschäftsführer zweier mittelständischer Unternehmen", wie Zimmermann selbst gerne sagt. Zu Pressekonferenzen erscheint er auch schon einmal im feinen Nadelstreifenanzug, der jeden Bankdirektor schmücken würde. In erster Line sieht sich Zimmermann aber bis heute als Wissenschaftler. Als DIW-Chef will er die "wissenschaftliche Durchdringung, die Vernetzung mit den Universitäten" fördern. Das muss er auch, schließlich hatte dies der Wissenschaftsrat bei der letzten Überprüfung des Instituts 1996 angemahnt. 2004 steht die nächste Evaluierung an.

Bis dahin wird noch viel geforscht am DIW: 112 der insgesamt 200 Mitarbeiter sind Wissenschaftler. Herzstück der Grundlagenforschung ist das Sozio-Oekonomische- Panel (SOEP) - eine jährliche Befragung von über 12 000 Haushalten unter anderem zu Einkommensentwicklung, Gesundheit und beruflicher Mobilität.

Mit 20 Mill. Euro steht den Berlinern deutlich mehr Geld zur Verfügung als anderen Instituten. Die Hälfte des Etats erarbeitet das Institut selbst - mit Projekten für Regierung, EU-Kommission, das Land Berlin oder für Banken. Es könnte alles so schön sein, hätte das DIW nicht ein hartnäckiges Image-Problem. "Wir werden gerne als SPD-nah und gewerkschaftsfreundlich beschrieben", weiß Zimmermann - "aber das Urteil ist unberechtigt. Wir sind ein unabhängiges Institut". Sicherlich, da gab es "einige der SPD-nahe stehende Exponenten", spielt er auf Heiner Flassbeck an, der einst Konjunkturchef im DIW war und dann Staatssekretär unter Finanzminister Oskar Lafontaine wurde. "Es gab im DIW aber auch einen Abteilungsleiter, der Staatssekretär der Berliner CDU-Regierung wurde." Von den sieben Forschungsabteilungen des DIW habe allein die Konjunkturabteilung einen eher keynesianischen Anspruch - womit Zimmermann überhaupt kein Problem hat. Schließlich ist er selbst "im Herzen keynesianisch angehaucht".

Das neoklassische Modell aber bleibt für ihn "trotz seiner Fehler" das Referenzmodell. Mit einer guten Portion Skepsis betrachtet er dagegen die ordoliberalen Ökonomen. Der an Werturteilen orientierten Denkrichtung erteilt er eine klare Absage: "Ich glaube an die Empirie."

VITA:

Klaus F. Zimmermann wurde am 2. Dezember 1952 in Göppingen geboren. An der Universität in Mannheim studierte, promovierte und habilitierte er in Volkswirtschaftslehre und Statistik. Von 1989 bis 1998 war er Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Universität in München. Seit 1998 ist Zimmermann Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Uni Bonn und Direktor des Instituts Zukunft der Arbeit in Bonn. Seit 2000 ist er zudem Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin und seit 2001 Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der FU Berlin. Außerdem ist Zimmermann Mitglied in der Beratergruppe des Präsidenten der EU- Kommission.

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