Der 50-Jährige wird Chef der DWS
Ein Mannschaftsspieler und „gerader Typ“

Die Stabübergabe an der Spitze der größten europäischen Fondsfirma DWS findet zum Jahreswechsel statt. Der Neue, Axel-Günter Benkner, gibt sich ehrgeizig aber bescheiden.

MAILAND. Er ist ein gerader Typ, ehrgeizig bei dem, was er anpackt, tritt bescheiden auf, vielleicht etwas trocken. So beschreiben viele seiner Freunde und Kollegen den designierten Sprecher der DWS-Geschäftsführung. Zur Jahreswende wird Axel-Günter Benkner den 60-jährigen Udo Behrenwaldt an der Spitze des DWS ablösen.

Einem Chef-Wechsel beim größten deutschen und europäischen Fondsgesellschaft (DWS) ist in Fachkreisen immer Aufmerksamkeit gewiss. Diesmal kommt allerdings hinzu, dass mit der Stabübergabe eine Neuverteilung von Einfluss- und Machtverhältnissen verbunden ist.

Der neue Chef findet ein wohlbestelltes Haus vor. Denn: Die zur Deutsche-Bank-Gruppe gehörende Gesellschaft kann relativ gelassen nach vorne blicken. Zwar belastet der Börsenabsturz den Verkauf der Aktienfonds. Verglichen mit den Konkurrenten steht der Marktführer allerdings glänzend da. Er verwaltet mehr als ein Viertel des gesamten deutschen Wertpapierfonds-Vermögens und hat den Vorsprung vor seinen Wettbewerbern in der jüngerern Vergangenheit sogar noch vergrößert.

Ob und wo der 50-Jährige Benkner neue Akzente setzen möchte, will er erst im Dezember verraten. Schließlich ist Behrenwaldt noch bis Jahresende im Amt. Dessen Doppelfunktion wird der Nachfolger aber nicht mehr wahrnehmen. Behrenwaldt ist Chef der DWS und der Deutsche Asset Management Europe in Personalunion. Er verantwortet neben dem deutschen Publikumsfondsbereich das gesamte europäische Vermögensverwaltungsgeschäft der Deutsche-Bank-Gruppe, das in der Deutsche Asset Management gebündelt ist. Hierzu zählen auch die institutionellen Kunden. Diese zweite Position und übergeordnete Verantwortung wird Behrenwaldt nicht an Benkner, sondern an den bisherigen Chef der Vermögensverwaltungssparte des traditionsreichen Londoner Hauses Rothschild abgeben: Paul Manduca. Benkner soll außerdem die Verantwortung für das für das institutionelle Anlagegeschäft in Deutschland übernehmen.

Rein optisch lässt sich der Behrenwaldt-Nachfolger auf eine Verkleinerung des Aktionsspielraums ein. Faktisch dürfte er bei der Steuerung der DWS-Geschicke aber freie Hand haben. Die DWS in Frankfurt kann große Erfolge verbuchen. Auch das Geschäft mir Privatkunden in anderen europäischen Ländern geht sie engagierter an die heimischen Konkurrenten.

"Die DWS ist der große Ertragsbringer für die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, da wird sicherlich niemand eine neue Baustelle aufmachen wollen", meint ein Kenner. Er weiß, dass es gerade im Londoner Stützpunkt der Deutsche Asset Management viel zu tun gibt - dort wurde jeder zehnte Beschäftigte entlassen. Das schwierige Geschäft mit institutionellen britischen Kunden fordert seinen Tribut.

Benkner findet gute Voraussetzungen vor, um an den Erfolg seines Vorgängers anknüpfen zu können. Denn der DWS-Erfolg hat mehrere Gründe. Dazu zählen die relative Unabhängigkeit von der Deutschen Bank und die Innovationslust bei der Fondsauflage. Auch die Kontinuität des Personalstamms dürfte eine wichtige Rolle spielen. "Wenn die Mutter laufend neue Leute zu uns schicken würde, hätten wir nur Durcheinander. Und genau so ist bei einigen Konkurrenten", sagt ein DWS-Mann, der nicht genannt werden möchte. Benkner selber arbeitet seit über 20 Jahren für die Gesellschaft.

Er sieht sich als Mannschaftsspieler: "Ich traue mir zu, durch mein eigenes Tun, Teams zu motivieren." Diese Eigenschaft hält er gleichzeitig für seine größte Schwäche. "Deshalb wird mir ein hartes Vorgehen schwerfallen, falls übergeordnete Ziele es notwendig machen sollten", sagt er.

In seiner neuen Verantwortung werden ihm einige Charaktereigenschaften zugute kommen, die er während seiner Studienzeit als Sportler beweisen musste - vor allem Ausdauer ist gefragt. Wie sich die Arbeitsverhältnisse seit seinem Eintritt geändert haben, erlebt er jeden Tag: "Im Gegensatz zu früher sehe ich heute im Fondsmanagement noch um acht Uhr abends die Lichter brennen."

Benkner spielte während seines Studiums Klavier, Gitarre, Fussball, Schach und Tischtennis. Im Schach und Tischtennis attestieren ihm seine Gegner eine beachtliche Stärke. Dem Fussball ist er auch beruflich verbunden geblieben. Er kickt nicht nur des Öfteren mit der hauseigenen Mannschaft. Die DWS sponsort jetzt auch den VFL Bochum. Ein Training mit der Bundesliga-Mannschaft überstand er kürzlich schadlos.

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