Der 51-Jährige ist Chef des Remscheider Automobilzulieferes Edscha
Horst Kuschetzki: Mittelständler aus Überzeugung

In fünf Jahren hat Horst Kuschetzki das einstige Familienunternehmen saniert, neu ausgerichtet und profitabel gemacht. Nur mit dem Aktienkurs ist er noch nicht zufrieden.

Eigentlich könnte Edscha-Chef Horst Kuschetzki rundum zufrieden sein. Wirtschaftlich befindet sich der börsennotierte Automobilzulieferer in guter Verfassung. Während die Stimmung bei vielen Konkurrenten wegen des schleppenden Geschäfts in den USA und in Deutschland derzeit eher gedrückt ist, kommen von der Remscheider Edscha AG (800 Millionen Euro Umsatz, 5 000 Mitarbeiter weltweit) fast nur positive Nachrichten.

Vor wenigen Jahren war das noch anders. Als Horst Kuschetzki 1996 als kaufmännischer Geschäftsführer bei dem Autospezialisten begann, steckte das Unternehmen in einer tiefen Krise. "Bis auf eine Geschäftseinheit schrieb Edscha zu dieser Zeit tiefrot", sagt der heutige Vorstandschef im Rückblick.

Edscha hatte sich völlig verzettelt, klare Führungsstrukturen fehlten. Die letzte größere Absatzkrise auf den Automärkten Mitte der neunziger Jahre hätte beinah das Aus für das mittelständische Unternehmen aus der Nähe von Köln bedeutet.

Aber nur beinah, denn mit Horst Kuschetzki kam die Wende. Der heute 51-Jährige krempelt die Firma völlig um und verpasst ihr eine moderne Struktur.

"Schon damals war erkennbar, dass die Globalisierung unaufhaltsam auf uns zurollte", erinnert er sich . Also gliedert Kuschetzki das Unternehmen in drei Kernbereiche - Cabrio-Dächer, Lkw-Verdecke sowie Scharniersysteme für Pkw - und kauft im Ausland zu. Von Aktivitäten, die nicht eindeutig mit der Fahrzeug-Fertigung zu tun haben, trennt er sich.

Klar definierte Unternehmensziele, eine überzeugende Strategie - nach diesem Muster arbeitet Kuschetzki, der in Niedersachsen geboren wurde und später an der Uni Göttingen Betriebswirtschaft studierte, bei der Edscha AG.

Bevor es ihn vor fünf Jahren ins Bergische Land zog, hatte Kuschetzki schon an anderer Stelle Erfahrungen mit Familienunternehmen gemacht - und beileibe nicht immer die besten. So arbeitete er für das Nürnberger Wehrtechnik-Unternehmen Diehl und den hessischen Batteriehersteller Sonnenschein.

Das Fehlen einer klaren Linie, immer wieder Eingriffe der Eigentümer ins Tagesgeschäft - so etwas sollte Kuschetzki bei Edscha nicht noch einmal passieren. Zumal er die kürzeren Entscheidungswege und die flachen Hierarchien im Mittelstand durchaus zu schätzen weiß. "Ich bin kein Konzernmensch", bekennt der 1,85-Mann mit dem lichten Haupthaar freimütig.

Fast hätten ihm die Firmeninhaber dann aber doch noch einen Strich durch die Rechnung gemacht: Weil sein Sanierungskurs bereits nach einem knappen Jahr Wirkung zeigt und Edscha wieder schwarze Zahlen schreibt, wollen die Inhaberfamilien plötzlich ihre Anteile verkaufen. Das passt Kuschetzki überhaupt nicht ins Konzept: Wieder hätte es Unruhe im Unternehmen gegeben, "wieder hätten sich die Bedingungen fundamental geändert". Quasi über Nacht steht Horst Kuschetzki vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens: dem Wechsel vom angestellten Manager zum Unternehmer. Er schlägt der Familie vor, die Aktien an das Edscha-Management und nicht an einen externen Interessenten zu verkaufen. Seine Argumente sind offenbar so überzeugend, dass die Edscha-Eigentümer schließlich einwilligen. Allerdings zahlt Kuschetzki für die eigene Selbstständigkeit einen hohen Preis: Auf einen Schlag ist der Jungunternehmer mit zehn Millionen Mark verschuldet.

Um diese Last zu schultern, holt er zusätzlich Finanzinvestoren an Bord und bereitet den Börsengang vor, der im Frühjahr 1999 auch vollzogen wird. Miteigentümer und nicht mehr bloß leitender Angestellter zu sein bereut Kuschetzki bis heute nicht: "Für mich bedeutete das überhaupt keine Veränderung, ich war von meinem Weg überzeugt." Kuschetzki ist kein Freund großer Worte, er selbst würde es so nie sagen, dennoch "ist der Turnaround bei Edscha vor allem sein Werk", bestätigt Rolf Woller, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank.

Und obwohl er "sicherlich die höchste Stufe auf der Karriereleiter" erreicht hat, will Kuschetzki sich jetzt nicht zurücklehnen, denn eine Sache stört ihn gewaltig: dass der Aktienkurs trotz eines Plus von bis zu 30 Prozent in 2001 bei weitem nicht so stark gestiegen ist wie der Unternehmenswert. Der hat sich, rechnet der Edscha-Chef vor, seit 1999 "um 150 Prozent" erhöht.

Horst Kuschetzki wird wohl erst dann rundum zufrieden sein, wenn die Anleger diese Tatsache angemessen honorieren. Schließlich hält er noch 23 Prozent der Edscha-Aktien.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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