Der 51-Jährige ist Chef von British Airways
Rod Eddington: Der australische Sisyphos

Für das geliebte Cricket-Spiel hat er keine Zeit mehr. Rod Eddington muss alle Kräfte mobilisieren, um das Überleben der britischen Fluggesellschaft zu sichern.

In stillen Stunden dürfte Rod Eddington sein Schicksal mit Sisyphos vergleichen. So vergeblich wie der griechische Sagenheld versuchte, seinen Felsblock auf den Berg zu wuchten, so vergeblich versucht der Chief Executive Officer (CEO) von British Airways (BA) bisher, seine Airline wieder auf Kurs zu bringen. Gleichwohl ist der Stern des 51-Jährigen in der Londoner City noch nicht gesunken - wohl auch, weil besondere Umstände maßgeblich zum Sturzflug der Aktie beigetragen haben.

Noch bei Eddingtons Amtsantritt im Mai vergangenen Jahres standen die Zeichen nicht schlecht. Der Australier trat die Nachfolge von Bob Ayling an, der gehen musste, als die Airline nach der Privatisierung zum ersten Mal in die roten Zahlen rutschte. Eddington hielt an der Strategie seines Vorgängers fest. Er kürzte die Kapazität und konzentrierte sich auf die lukrativen Business- und First-Class-Kunden - mit ersten Erfolgen.

KLM bescherte ihm die erste Niederlage

Doch im September vergangenen Jahres erlebte der in Oxford promovierte Manager seine erste Niederlage. Er scheiterte beim Versuch, die niederländische Fluggesellschaft KLM zu übernehmen. Zuvor hatte der Ex-Chef der australischen Fluggesellschaft Ansett noch angekündigt, dass BA bei der Konsolidierung der europäischen Luftfahrt eine aktive Rolle spielen werde.

Dann belastete die Maul- und Klauenseuche in Großbritannien das Tourismusgeschäft. Zudem sah sich BA gezwungen, den Flugbetrieb der Concorde-Flotte nach dem Unfall eines Überschallflugzeugs von Air France befristet einzustellen. Schließlich bekam die größte europäische Airline den weltweiten Abschwung zu spüren. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres halbierte sich der Gewinn.

Unverdrossen bemüht sich Eddington, eine transatlantische Partnerschaft mit American Airlines zu zementieren. Immerhin erzielt BA ein Drittel des Konzernumsatzes und einen noch größeren Teil des Gewinns auf diesen Strecken. Doch gerade diese Abhängigkeit vom nordamerikanischen Markt macht Eddington seit den Terror-Attacken am 11. September schwer zu schaffen. Im September ging der Passagierverkehr insgesamt um 22 Prozent zurück. Im Oktober wird sogar ein Rückgang von 25 bis 30 Prozent erwartet.

Keine Angst vor Staatshilfen

Mit Turbulenzen hat der studierte Nuklearphysiker inzwischen zu leben gelernt. Gleichwohl hat er neue Erfahrungen gesammelt. "Was in den vergangenen Wochen passiert ist, stellt alles, was ich bislang erlebt habe, in den Schatten", ist er überzeugt. "Wahrscheinlich erleben wir derzeit die schlimmste Krise der Branche."

Deshalb schreckt Eddington auch nicht davor zurück, den Staat um Hilfe zu bitten. "Wir müssen für Wettbewerbsfähigkeit sorgen", begründet er seinen Vorstoß. So übernahm die britische Regierung ein Haftungsrisiko gegenüber Versicherungsschäden.

Dennoch muss Eddington seinen Sanierungskurs verschärfen. Statt bislang 1 800 Arbeitsplätze muss er insgesamt 7 000 streichen. Außerdem will er keine Halbjahresdividende ausschütten, um die Liquidität zu schonen.

British Airways hat noch Reserven

Die Anleger sind nervös. Die Airline habe keine Probleme, ihren Schuldendienst aufrechtzuhalten, versucht er, sie zu beruhigen. Notfalls könnte BA durch den Verkauf von Immobilien zwei Milliarden Pfund erlösen, argumentiert er. Doch Investoren, durch einige Airline-Zusammenbrüche in Europa geschockt, wollen auch bei BA das Unmögliche nicht mehr ausschließen. Immerhin ist der Kurs der Aktie seit Anfang dieses Jahres von 463 auf mittlerweile rund 160 Pence abgestürzt.

Der verheiratete Vater zweier Kinder und Fan des australischen Nationalsports Cricket kann den Anlegern zurzeit wenig Hoffnung machen: "Wir wissen nicht, welche Ausmaße die Krise noch annehmen wird." Die Sisyphos-Arbeit bleibt ihm also erhalten.

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