Der 52-Jährige ist Mitinhaber und Chef des Europaparks
Roland Mack: Der verhinderte Pfarrer

Jedes Jahr eine neue Achterbahn: Roland Mack will mit seinem Europapark den Spitzenplatz unter den deutschen Freizeitparks verteidigen - auch in der neuen Saison.

"Er wäre ein guter Pfarrer geworden", sagt Artisten-Seelsorger Ernst Heller und meint es trotz seines Lachens ernst. Roland Mack, gelernter Maschinenbauingenieur, hört die Worte des Geistlichen gerne. "Wenn ich nach der Winterpause meine Leute wieder motivieren muss, dann fühle ich mich wirklich mehr als Pfarrer denn als Ingenieur", bestätigt der Chef und Mitinhaber der Europapark KG.

In der Tat: Roland Mack redet gerne und vermag die Leute für sich einzunehmen. Immer wieder gelingt es dem Spross einer alten badischen Karussellbauer-Firma, Prominente für Deutschlands größten Freizeitpark im kleinen Örtchen Rust bei Freiburg einzuspannen. Zu Dutzenden hängen Fotos in der parkeigenen Hotelbar "El Circo", auf denen sich Mack mit Politikgrößen, Showstars und Managern werbewirksam zeigt.

"Ich habe eine innere Unruhe", beschreibt Mack sein umtriebiges Wesen, das ihm kaum Ruhe lässt. Jedes Jahr baut er neue Attraktionen, immer noch größer und noch schöner. Jetzt hat der Freizeitmanager im Europapark die größte Achterbahn Europas eröffnet. "Wir haben noch nie etwas ausgesessen", beschreibt Mack die Firmenphilosophie. "Wir haben uns immer selbst unter Druck gesetzt."

Das erklärt die stetige Expansion des Parks, die Mack "mehr als Lebensaufgabe denn als betriebswirtschaftliches Engagement" sieht. Rund 20 Millionen Euro steckt die Inhaber-Familie Jahr für Jahr in die größte Touristenattraktion in Südbaden. "Als deutscher Marktführer fällt es uns nicht leicht, uns unterzuordnen", gibt Mack das Ziel vor, Konkurrenten wie Phantasialand in Brühl und Hansa-Park an der Ostsee einen Schritt voraus zu sein.

Dass eines Tages mehr als drei Millionen Besucher jedes Jahr die Drehkreuze ihres Parks passieren würden, hatten die Macks Mitte der siebziger Jahre bestimmt nicht im Sinn. Damals übernahm die Familie einen kleinen Märchenpark in Rust. Das Gelände sollte nur als Ausstellungsfläche für die Fahrgeschäfte aus der eigenen Produktion dienen. Daraus entstand der Europapark. Inzwischen verdient die Familie damit mehr Geld als mit ihrem ursprünglichen Stammgeschäft, der Achterbahn-Fabrik im nahen Waldkirch.

Dennoch: Roland Mack reist regelmäßig durch die ganze Welt, um die Fahrgeschäfte seiner Firma an andere Freizeitparks zu verkaufen. Auch der dänische Spielwaren-Riese Lego kommt in seinem neuen Legoland im bayerischen Günzburg nicht ohne Achterbahnen aus dem Hause Mack aus.

Dass sich mit der Fertigung keine Reichtümer verdienen lassen, bestreitet Mack nicht. Die über 200-jährige Tradition als Hersteller von Fahrgeschäften sterben zu lassen, kommt für ihn aber nicht in Frage. Eher wird er sein Engagement verdoppeln, als - wie der Rest der Branche hier zu Lande - den Betrieb dichtzumachen.

Er ist ohnehin niemand, der seine Hände gerne in den Schoß legt. Im Gegenteil: "Der Sonntag ist für mich ein normaler Arbeitstag", sagt der Workaholic. "Wenn ich mal in der Freizeit lese, dann Literatur, die meine Mitarbeiter normalerweise im Büro studieren: Statistiken und Studien", merkt er ironisch an. Sein hohes Arbeitspensum - es ist ihm nicht zu viel: "Ich fahre im Dienst Achterbahn, das ist doch was."

Wenn der Vater von drei Kindern sein Haus verlässt, steht er praktisch schon in seinem Freizeitpark. Früher wohnte er sogar innerhalb der Parkmauern. Für Gäste mit weitem Anfahrtsweg hat Mack zwei Hotels gebaut. Die Marketingabteilung schwärmt von 99 Prozent Auslastung. Schon ist ein drittes Haus in Planung, das 2004 öffnen soll.

Damit Mack seine Hotels nicht den ganzen Winter schließen muss, hatte er den Park im vergangenen Jahr erstmals in der Weihnachtszeit geöffnet. "Ein Volltreffer", versichert Mack, "wir hatten 200 000 Besucher." Seine Fähigkeiten als verhinderter Pfarrer musste er gar nicht erst einsetzen: Die Leute sind trotz eisiger Temperaturen, ganz ohne besondere Überzeugungsarbeit im Freien Achterbahn gefahren.

Der 52-jährige Europapark-Chef hat bereits dafür gesorgt, dass die Firma weiter in Familienhand bleibt. Seine Söhne, 21 und 23 Jahre alt, bereiten sich zielstrebig auf ihre künftigen Aufgaben vor: Der eine macht eine Hotellerie-Ausbildung, der andere studiert Betriebswirtschaft. Um die Nachfolge im Produktionsbetrieb macht sich Mack aber noch Sorgen. Bleibt nur die heute zwölfjährige Tochter. Ob die sich einmal mit Maschinenbau beschäftigen wird, ist jedoch völlig offen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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