Der 52-Jährige ist Präsident von Daimler-Chrysler Italia
Wolfgang Schrempp: Mehr als nur der kleine Bruder

Der Name Schrempp fällt häufig bei Daimler-Chrysler - nicht nur weil Jürgen Schrempp Konzernchef ist. Der jüngere Bruder Wolfgang leitet die Vertretung in Italien.

Äußere Ähnlichkeiten sind kaum zu erkennen. Verglichen mit seinem berühmten Bruder Jürgen hat Wolfgang Schrempp viel weniger Haare auf dem Kopf - obwohl er fünf Jahre jünger ist als der Vorstandsvorsitzende der Daimler-Chrysler AG. Auch vom Wuchs her ist der kleinere Bruder um einige Zentimeter kürzer geraten als die hünenhafte Nummer eins des Konzerns.

Aber auch Wolfgang Schrempp hat es bei Daimler-Chrysler zu etwas gebracht. Seit Frühjahr 2000 leitet er von Rom aus die Konzernniederlassung für Italien, ein Unternehmen von durchaus stattlicher Größe. Daimler Italia verkauft aktuell 130 000 Fahrzeuge und erwirtschaftet einen Umsatz von 4,5 Mrd. Euro. Italien ist einer der wichtigsten Auslandsmärkte für den Stuttgarter Automobilkonzern.

Wolfgang Schrempp empfindet es "bestimmt nicht" als Last, den berühmten Bruder zum Chef zu haben. Er werde im Konzern wegen seiner Leistungen Ernst genommen und nicht wegen der Verwandtschaft zum Vorstandsvorsitzenden. "Ich bin akzeptiert und habe mein eigenes Netzwerk im Unternehmen", betont der jüngere Schrempp.

Karriere auf Umwegen

Anders als sein Bruder Jürgen, der schon seine Lehre bei Daimler machte, kam Wolfgang erst im reifen Alter von 39 Jahren in Stuttgart unter. Nach seinem Studium hatte er zunächst elf Jahre als Berufsschullehrer in seiner Geburtsstadt Freiburg gearbeitet - gegen Ende jedoch mit wachsender Unzufriedenheit. Als Schulleiter sah er sich einer immer wilder wuchernden Bürokratie ausgesetzt. "Und das war nicht so ganz interessant für mich", erzählt er heute im Rückblick.

Also schaute sich Schrempp nach Alternativen um, wird im Daimler-Konzern fündig und gibt seinen sicheren Beamtenposten auf. Der Fahrzeughersteller sucht damals jemanden, der sich um das Produkt- und Verkaufstraining im Unternehmen kümmert. Genau das Richtige für den Pädagogen Schrempp, der gleichzeitig als Ingenieur an der TU Berlin ausgebildet worden war. Bruder Jürgen hatte damals seine Hände nicht mit im Spiel. "Der war noch weit weg bei Daimler Südafrika", beteuert Wolfgang.

Gleichwohl kommt es danach zu einer auffälligen Parallele zwischen beiden Schrempps: Wie sein älterer Bruder Jürgen erklimmt auch Wolfgang die Karrierleiter schnell. Vier Jahre nach seinem Wechsel zu Daimler wird er Leiter der Freiburger Niederlassung, weitere zwei Jahre später übernimmt er die wichtige Münchner Filiale, danach folgt der Job Italien.

Nase für Trends

Schrempps eigene Erklärung dafür, dass er als Manager bislang immer Erfolg gehabt hat, ist simpel: "Ich glaube, ich habe eine Nase für Trends." Zweifellos ist er ein guter Verkäufer. Dabei hilft ihm seine Ausbildung als Pädagoge, die eine Portion Psychologie einschloss. Dass er sowohl in München als auch in Italien die Absatzzahlen deutlich nach oben gehievt hat, führt der kleine Schrempp auf sein Einfühlungsvermögen zurück: "Die Kunden müssen einem abnehmen, dass man es ehrlich meint", betont er.

Natürlich versteht auch er es, sich persönlich gut in Szene zu setzen. Trifft er sich mit seinen zumeist elegant gekleideten italienischen Geschäftspartnern, bleiben seine in Rom wenig angesehenen Anzüge von deutschen Herrenschneidern im Schrank. Wie Bundeskanzler Gerhard Schröder trägt er jetzt Brioni.

Mit 52 kann Wolfgang Schrempp sich sehr gut vorstellen, dass Rom sein letzter Posten im Konzern ist. Er genießt das Leben in Italien, eine andere Aufgabe an einem anderen Ort reizt ihn wenig. Allerdings leben seine Frau und seine 15-jährige Tochter noch in der Nähe von München - vielleicht zieht ihn das eines Tages wieder zurück in die Heimat nach Deutschland.

Es hapert allein an der Sprache

Besonders die italienische Küche hat Schrempp zu schätzen gelernt. Seit seiner Ankunft in Italien vor 18 Monaten hat er acht Kilo Gewicht verloren. In München gab es zu oft mächtige Saucen und dicke Würste; leichte italienische Kost bekommt dem Daimler-Chrysler-Statthalter in Rom viel besser.

Es hapert einzig an der Sprache. Schrempp behauptet von sich, dass er inzwischen 80 Prozent versteht. Selbst Italienisch zu sprechen ist jedoch eine andere Sache. "Ich traue mich manchmal nicht", sagt er. Zum Glück ist die Konzernsprache Englisch, worauf sich Schrempp im Umgang mit seinen Mitarbeitern im Zweifel auch verlässt. Kein Wunder also, dass er die Fusion mit Chrysler ohne Wenn und Aber verteidigt.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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