Der 52-Jährige ist Präsident von Endemol Deutschland
Chef-Entertainer in Nöten

Er kämpft derzeit um neue Aufträge. Aber die Kassen der TV-Sender sind leer. Deshalb will Werner Schwaderlapp Endemol mit Firmenbeteiligungen auf Wachstumskurs halten.

Von Glamour und Show keine Spur: Deutschlands Chef-Fernsehunterhalter liebt es, in Ruhe Zeitung zu lesen. Wenn Werner Schwaderlapp sein Büro in Köln verlässt, kann ihn kein Fernsehprogramm mehr locken. Dabei lebt sein Unternehmen von TV-Shows wie "Wer wird Millionär?" und "Nur die Liebe zählt".

Aber die Zeitungslektüre ist für den Präsidenten der Endemol Deutschland Holding, Statthalter des holländischen Show-Entwicklers John de Mol, ein willkommenes Kontrastprogramm: denn die deutsche Entertainment-Industrie steckt in einer tiefen Krise - und mit ihr eine der schillerndsten Firmen der Branche.

Endemol, der Erfinder der einst spektakulären Reality-Show "Big Brother", hat in diesem Jahr Mühe, neue Show-Formate unterzubringen. Dagegen konnte der RTL-Group-Ableger Fremantle Media ein großes Pop-Show-Projekt, "Pop Idols", an RTL verkaufen. "Die Konkurrenz liegt beim Format-Verkauf vor uns", räumt Schwaderlapp ein. Laut Branchen-Insidern lehnte Sat 1 jetzt ab, eine neue Pop-Show mit Endemol zu produzieren.

Die Kunden müssen sparen

"Die Erholung im Werbemarkt lässt viel länger auf sich warten als erhofft. Das merken wir auch in der Produktionslandschaft", begründet Schwaderlapp, der seit 1998 für das Tochterunternehmen des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica arbeitet, die schwierige Lage. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind die Werbeeinnahmen der deutschen TV-Sender noch einmal um sieben Prozent gesunken. Fast alle Kanäle müssen sparen, auch der größte Endemol-Kunde, die RTL-Senderfamilie. Auf dem jüngsten Branchentreff, der Kölner Telemesse, waren kaum neue Shows und Serien zu entdecken.

Der Druck auf die Produktionsfirmen wächst. Das bekommt auch Schwaderlapp zu spüren. Zwar wird Endemol nach Angaben des 52-Jährigen auch in diesem Jahr in Deutschland mit einem Gewinn abschließen. Doch er weiß: "Wir müssen von Anfang an noch stärker auf die Kosten einer neuen Show achten."

Mit anderen Worten: Der Mann mit 20 Jahren ZDF-Erfahrung muss der deutschen Endemol-Tochter neue Wachstumschancen in anderen Feldern erschließen, soll das Unternehmen nicht in absehbarer Zeit in die roten Zahlen abgleiten. Bislang führen die öffentlich-rechtlichen Sender mit Endemol nur Gespräche über Shows und Serien. Aber bis auf "Risiko", das seit vier Jahren im ZDF läuft, sind keine weiteren Aufträge zu erwarten.

Branche ist reif für Konsolidierung

Da hilft auch Schwaderlapps private Nähe zum Mainzer Lerchenberg wenig. An den Wochenenden verlässt der gebürtige Westerwälder die Medienstadt Köln und fährt zu seiner Frau in seine alte Villa nach Wiesbaden. Dann trennt ihn nur der Rhein noch von der ZDF-Zentrale. Die nordrhein-westfälische Staatskanzlei hatte den Ex-ZDF-Manager im Winter sogar als heißen Kandidaten für die Intendantenwahl des Senders ins Spiel gebracht.

Doch der kleine, schlanke Mann, der jedes Wort mit Bedacht wählt, hatte keine Chance. Er muss weiter mit dem hohen Erwartungsdruck der Endemol-Zentrale in Hilversum leben: In der ersten Hälfte vergangenen Jahres habe Deutschland mit den Endemol-Töchtern in Italien und Frankreich noch den höchsten Gewinnbeitrag geleistet, wissen Medienanalysten.

Doch woher soll neues Wachstum kommen? "Die Expansionsmöglichkeiten im Show- und Unterhaltungs-Markt sind für uns nicht mehr so groß, weil kaum noch Firmen zu kaufen sind." Schwaderlapp sucht deshalb händeringend nach Mehrheitsbeteiligungen an TV-Produktionsfirmen im Bereich Fernsehfilm und Serien. Die sehr zersplitterte Branche sei reif für eine Konsolidierung, da ist sich der Endemol-Chef mit anderen Branchenkennern wie dem Kirch-Manager Fred Kogel einig.

Boomzeit ist lange vorbei

Allerdings liegt das Geld auch dort nicht auf der Straße, denn ein Boommarkt ist der Bereich Fernsehfilm und Serien nicht. "Es sind in Deutschland mehr Produktionsfirmen tätig, als dauerhaft existieren können", merkt Schwaderlapp kritisch an. "Einige haben Wachstumspotenzial. An denen sind wir interessiert."

Aber das soll noch nicht alles sein: Noch eine Internetfirma steht auf seiner Einkaufsliste. Das Zusammenspiel von Fernsehen, Internet und Mobilfunk sei für Endemol in Zukunft besonders wichtig, findet Schwaderlapp, der seit diesem Jahr sogar an einer Fachhochschule Medienmanagement lehrt. Ob er dann künftig auch nach Dienstschluss häufiger fernsehen wird?

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VITA

Werner Schwaderlapp wird am 24. Februar 1950 in Ransbach/Westerwald geboren. Er studiert Philosophie, Publizistik und Volkswirtschaft in Frankfurt, Tübingen und Mainz, wo er anschließend promoviert. 1978 startet er seine Karriere beim ZDF. Dort leitet er später die Programmplanung. Schließlich wird er 1993 Geschäftsführer der Programmeinkaufs-Tochter ZDF Enterprises. Zwischendurch absolviert er noch ein Advanced Management Program an der Harvard Business School, Boston. 1998 wechselt er als Unternehmensstratege zur deutschen Tochter des niederländischen Produzenten von Unterhaltungssendungen und interaktiven Inhalten, Endemol. Zwei Jahre später wird er Vorsitzender der Geschäftsführung der Endemol Entertainment Productions GmbH in Köln. Seit 2001 ist er Präsident der Endemol Deutschland Holding GmbH. Zusätzlich ist Schwaderlapp seit diesem Jahr Professor für Medienmanagement an der Europa-Fachhochschule Fresenius in Idstein/Taunus.

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