Der 52-Jährige ist Vorstandschef des Windkraftanlagenbauers Repower Systems AG
Fritz Vahrenholt: Am liebsten Kapitän

Der Ex-Politiker und frühere Ölmanager muss sich nichts mehr beweisen. Trotzdem wagt der Repower-Chef den Börsengang - um das Eis am Neuen Markt zu brechen.

Die Stimme schreit gegen die aufheulenden Flugzeugmotoren an. "Wir rechnen damit, dass uns durch den Börsengang rund 100 Millionen Euro zufließen. Damit wollen wir im ersten Schritt die 5-Megawatt-Windenergieanlage bauen." Dann unterbricht der Start der Maschine das Telefonat.

Fritz Vahrenholt, seit April 2001 Vorstandschef des Windkraftanlagenbauers Repower Systems AG, fliegt von Paris nach Mailand. Eine der vielen Stationen auf seiner 14-tägigen Road-Show zu den weltweit 70 wichtigsten Investoren. Das Hamburger Unternehmen wagt als erste Firma seit neun Monaten den Gang an den Neuen Markt und will das Eis brechen. Am morgigen Dienstag (26. März) sollen die Papiere erstmals gehandelt werden.

Vahrenholt, Repower, da war doch was? Richtig. Vor allem in Hamburg ist der 52-Jährige aus seiner Zeit als SPD-Politiker und Manager des Ölmultis Shell bekannt. Bundesweit für Aufsehen sorgte der promovierte Chemiker mit seinem 1978 erschienen Bestseller "Seveso ist überall" - ein Buch, das sich kritisch mit den Gefahren der Chemieproduktion auseinander setzt.

Mit dem Namen Vahrenholt verbindet sich Wirtschafts- und Umweltkompetenz gleichermaßen. Das dürfte auch der Grund sein, warum sein Konterfei im Zentrum der Werbekampagne für die Zeichnung der 2,3 Millionen Repower-Aktien stand.

Vahrenholt verkauft zwar grüne Technik, ein Turnschuh-Manager ist er aber nicht. Der Mann mit dem Oberlippenbart strahlt vielmehr diskrete Eleganz aus. Schnittig in der Erscheinung, leise, aber energisch im Gespräch. Er ist jemand, der zuhören kann, auf seine innere Stimme hört und deshalb oft gegen den Strom schwimmt.

Vor 17 Jahren etwa, als Staatsrat der Hamburger Umweltbehörde, verhindert Vahrenholt nach einem Umweltskandal die von den Grünen geforderte Schließung einer Kupferhütte mit ihren 3 000 Arbeitsplätzen. Stattdessen holt er Senat und Unternehmen an einen Tisch, gemeinsam beschließt man Maßnahmen, um den Arsenausstoß zu halbieren. "Und dann haben wir gemerkt, dass wir noch mehr erreichen können", erinnert er sich. Heute zählt die Norddeutsche Affinerie zu den umweltfreundlichsten Kupferhütten der Welt.

1991 steigt Vahrenholt, der zum Mitte-rechts-Lager der SPD zählt, zum Umweltsenator der Hansestadt auf. Sogar die damalige CDU-Opposition bescheinigt ihm "qualifizierte Arbeit". Doch sechs Jahre später wollen seine Genossen mit den Grünen koalieren und küren Ortwin Runde zum Kandidaten für das Amt des Ersten Bürgermeisters in Hamburg. Verärgert zieht sich Vahrenholt 1997 aus der Politik zurück.

Da ruft Shell an. Der Ölmulti hat nach der Brent-Spar-Affäre mit erheblichen Imageproblemen zu kämpfen. 1998 tritt Vahrenholt als Vorstand für Chemie, regenerative Energien und Umweltschutz bei der Deutschen Shell AG in Hamburg an. Wenig später legt er in Gelsenkirchen den Grundstein für eine der größten und modernsten Solarzellenfabriken in Europa.

Am liebsten auf der Kommandobrücke

Aber Vahrenholt bleibt ein Außenseiter, Konzernräson ist ihm fremd. Aus der Entmachtung der Deutschen Shell im Sommer 2000 - die Zentrale in London wandelt die AG in eine GmbH um - zieht er die Konsequenz und scheidet aus dem Vorstand aus. "Ich wollte Teil des Entscheidungsprozesses sein und nicht Befehlsempfänger."

Vahrenholt steht am liebsten selbst auf der Kommandobrücke - wie jetzt bei Repower. Der Mittelständler, ein Zusammenschluss von fünf Unternehmen aus der Branche, ist unabhängig. Seine Kollegen schätzen vor allem die wertvollen Kontakte. "Vahrenholt kann dank seiner Verbindungen in Politik und Industrie Türen öffnen, die wir nicht einmal als Türen erkennen", sagt Repower-Vorstand Hugo Denker.

90 Minuten später. Der Lärm der Flugmotoren schwillt noch ab, als Vahrenholt das Telefonat in Mailand fortsetzt. "Wir wollen mit dem Emissionserlös vor allem in Südeuropa stark zulegen." Der Umsatz soll in den nächsten Jahren um 50 Prozent wachsen. Mit einer Erfolgsstory könnte Kanzlerberater Vahrenholt sogar Rückenwind erzeugen - für Gerhard Schröder bei der Bundestagswahl im September.

Beim Fußball klappt die Unterstützung schon recht gut. Bei jedem Heimspiel ist Vahrenholt, Vize-Aufsichtsratschef des Hamburger Sport-Vereins, im Stadion und treibt die Spieler an.

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