Der 53-Jährige ist Chef der SGL Carbon AG
Robert Koehler: Der Unermüdliche

Trotz einer Durststrecke - den Gedanken des Shareholder-Values hat Koehler nie aufgegeben. Jetzt durchkreuzen Berichte über neue Kartellstrafen seine Strategie.

WIESBADEN. Im Grunde ist Robert J. Koehler ein ausgeglichener Mensch. Kritiker überzeugt er gewöhnlich mit ruhig und sachlich vorgetragenen Argumenten; wenn es sein muss, auch über Stunden. Nur manchmal, wenn dem Vorstandschef des Graphitspezialisten SGL Carbon etwas arg gegen den Strich geht, stellen enge Vertraute zuweilen leicht cholerische Züge bei ihm fest.

Etwa Ende September, als diese Zeitung über drohende neue Kartellstrafen der EU-Kommission berichtete und die SGL-Aktie in den Keller rauschte. Es bleibt zwar abzuwarten, ob die in Brüssel kolportierte Strafe am Ende fällig und wie hoch sie sein wird. Fest steht indes: Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Aktie von diesem Schock wieder erholt. Auf den 53-Jährigen warten schwierige Wochen und Monate. Allerdings nicht die ersten in seinem Manager-Leben.

Koehler übernahm 1992 die Leitung der vom Hoechst-Konzern abgespaltenen Carbon-Graphit-Sparte, die zur SGL Carbon wurde. Innerhalb kurzer Zeit wandelte er den damals angeschlagenen Anbieter zu einem globalen Spezialisten für Graphit - verbunden mit Werksschließungen und einem kräftigen Stellenabbau.

Für ihn waren das schmerzliche, aber unvermeidbare Schritte. Koehler, den Mitarbeiter vor allem als fairen Gesprächspartner charakterisieren, ist ein Verfechter moderner Strategien. Nicht nur Opern - vorzugsweise von Verdi - im beschaulichen britischen Glyndebourne südlich von London schätzt der gebürtige Münchener. Auch an Management-Ideen aus dem angelsächsischen Raum findet der mit einer Engländerin Verheiratete großen Gefallen; etwa am Gedanken des Shareholder- Values. Konsequent richtete er als einer der ersten deutschen Manager die SGL auf den Mehrwert für Aktionäre und Investoren aus.

Die Rechnung ging zunächst auf: Mit einem kontinuierlichen Wachstum, einem modernen Führungsstil mit bis dato in Deutschland unbekannten Beteiligungsmodellen für das Management sowie gezielten Akquisitionen machte er aus der ehemaligen Hoechst-Tochter einen Liebling der Investoren - und sich selbst zu einem der bekanntesten deutschen Manager.

Doch dann kam der Absturz. Die Strafen für Kartellverfahren in den USA und Europa zehrten an der Substanz. Investoren kehrten dem ehemaligen Vorzeigeunternehmen, aber auch dessen Lenker den Rücken.

Aber der Manager, der schon mit Jürgen Dormann den Hoechst-Konzern zerlegte, ließ sich nicht beirren. Obwohl die Kartellstrafen die Bilanz mit rund 400 Millionen Euro belasteten, war er bereit, 600 Millionen Euro in die Entwicklung neuer Geschäftsfelder zu investieren. Dazu mussten die SGL-Entwickler bei ihrem Chef kaum große Überzeugungsarbeit leisten. "Er ist neuen Ideen und Technologien gegenüber sehr aufgeschlossen", berichtet ein enger Vertrauter.

So schnell Koehler zu begeistern ist, so offen zeigt er seine Enttäuschung, wenn etwas nicht so funktioniert wie geplant. Etwa bei der Brennstoffzelle, die immer noch auf ihren Durchbruch wartet. Dagegen sind die neuen Hochleistungs-Bremsscheiben längst in der Serienproduktion.

Gerade wegen der Erfolge in den Zukunftssparten trifft Koehler der Absturz der SGL-Aktie hart. Hatte er doch gerade erst die Analysten davon überzeugt, dass der Konzern wieder auf dem Weg nach oben ist. Nun ist viel Überzeugungsarbeit gefragt. Die Golfschläger, die er gerne im spanischen Sotogrande schwingt, bleiben in der Ecke. Doch bei SGL ist sich jeder sicher: "Er wird auch diese Krise meistern. Er hat enorme Nehmerqualitäten." Ein Ziel hat er immer noch vor Augen. Er möchte aktiv an der nächsten Konsolidierung der Branche teilnehmen.

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VITA

Geboren 1949 in München, heuert Robert J. Koehler nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Mainz und Frankfurt bei Hoechst an. Vom Produktmanager schafft er es bis in die Konzernplanung. Dort baut Koehler zusammen mit seinem damaligen Chef Jürgen Dormann den Chemiekonzern um. Das Ende ist die Aufteilung des Traditionsunternehmens und ein neuer Job für Koehler. Er übernimmt 1992 das Ruder bei SGL.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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