Der 53-Jährige ist Chef des Mobilfunkanbieters Quam
Ernst Folgmann: Der unerschütterliche Optimist

Sein Job gleicht der Quadratur des Kreises. Im gesättigten Mobilfunkmarkt Deutschlands soll der Ingenieur Quam als fünften Netzbetreiber bis 2006 zu Gewinnen führen.

Am liebsten wäre Ernst-Eckehard Folgmann nach seinem Ausstieg bei dem Richtfunker Firstmark in Berlin geblieben. Dem 53-jährigen Ingenieur und Kaufmann gefällt die Hauptstadt mit ihrer lebendigen Kunstszene, den kleinen Galerien und den schrägen Cafés. Genau die richtige Umgebung für ein Mobilfunk-Unternehmen, das auf die allerneueste Technik UMTS setzt, findet er.

Doch seine Großaktionäre, Telefónica und Sonera, entschieden anders, und so entsteht der fünfte Mobilfunknetzbetreiber Deutschlands, Quam, seit Anfang des Jahres in München. Folgmann begründet dies heute mit der Nähe zu den Telefónica-Töchtern in Österreich und Italien.

Etwas anders hätte sich der frühere Bosch-Ingenieur auch den Marktstart von Quam gewünscht. Nie habe er gedacht, dass die großen Mobilfunker einen Newcomer so behindern würden wie es T-Mobile und D2-Vodafone getan haben, sagt er. Der sonst eher bedächtige, leicht schlaksige Schnauzbartträger redet sich in Rage, wenn er begründet, warum er die Werbung drei Wochen nach dem Marktstart abrupt zurückfährt: Die beiden deutschen Platzhirsche (zusammen 80 Prozent Marktanteil) seien weltweit die einzigen Mobilfunker, die keine Verbindung zum Quam-Netz geschaltet hätten. Dabei habe es Terminzusagen gegeben, die gebrochen worden seien, ärgert er sich über die Konkurrenten. Die allerdings bestreiten, dass sie Quam das Weihnachtsgeschäft vermasseln wollten, und werfen dem Newcomer eine zu späte Bestellung vor.

Kaltstart mit Schuldenberg

Trotz des Image-Schadens für Quam durch den abrupten Stopp des aktiven Verkaufs gibt sich Folgmann optimistisch. Allenfalls beklagt er sich, dass die Erfolge seines Unternehmens nicht angemessen gewürdigt würden. Nur ein Optimist konnte sich auf das Abenteuer einlassen, ohne Kunden für 16 Milliarden Mark eine UMTS-Lizenz zu ersteigern und auf dem Schuldenberg eine neue Firma mit teuren Mobilfunknetzen zu errichten. Doch tatsächlich hat Folgmann viel geschafft: Als UMTS-Konkurrent Gerhard Schmid von Mobilcom noch über Kooperationen mit bestehenden Mobilfunknetzbetreibern redete, unterschrieb Folgmann schon einen Vertrag mit E-Plus-Chef Uwe Bergheim.

Im Rekordtempo baute Folgmanns Truppe ein funktionierendes Mobilfunknetz im E-Plus-Netz auf, schloss Vertriebsverträge mit Debitel und Fachhändlern, eröffnete eigene Shops. Und natürlich werden auch weiter Quam-Handys verkauft, wie Debitel versichert.

Doch die offensive Selbstdarstellung liegt Folgmann nicht. In größerer Runde oder vor Fernsehkameras fühlt er sich sichtlich unwohl, die Augen suchen nach Fluchtwegen. Die meiste Zeit seines Berufslebens, als Satelliten- oder Richtfunkexperte bei Bosch, hatte er mehr mit der Lösung technischer Probleme zu tun, als mit dem großen Marketingauftritt. Im persönlichen Gespräch jedoch gewinnt er seine Gesprächspartner leicht für sich. "Nett und offen", sind die Attribute, die heutigen und früheren Mitarbeitern zuerst einfallen. Manch einer allerdings traut ihm im zweiten Satz dann die notwendige Härte für den Quam-Job nicht zu. Folgmann selbst betont glaubwürdiger als andere Manager, dass er sich als Teamplayer und nicht als einsame Führungskraft sieht.

Qualitäten eines Stehaufmännchens

Sich selbst bezeichnet Folgmann gerne als Pionier. Mit Satelliten, mit Richtfunk, jetzt mit UMTS beschäftigte er sich immer in der Entwicklungsphase der jeweiligen Technik. Dabei hat er die Qualitäten eines Stehaufmännchens gewonnen. Arbeitgeber Bosch stieg irgendwann aus dem Satellitengeschäft aus. Der Richtfunk erweist sich als technische Sackgasse, jedenfalls in Deutschland, wo die Anbieter von Ortsnetzverbindungen auf Richtfunkbasis reihenweise scheitern. Wie die Firstmark, die Folgmann in Berlin aufbaute, allerdings lange vor der Insolvenz verließ.

Demnächst also UMTS. "I have a dream", wirbt Quam. Und Folgmann ist wieder ganz optimistisch, dass Träume der Kommunikation wahr werden.

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V I T A

Ernst Folgmann, 53, wuchs in Stuttgart auf, studierte dort Elektrotechnik und Betriebswirtschaft, arbeitete bei AEG. Ab 1983 baute er bei Bosch die Satelliten-Kommunikation mit auf. Ab 1991 leitete er für Bosch den Richtfunkbereich von Robotron bei Dresden. 1995 kehrte er nach Stuttgart zurück und leitete die Abteilung Richtfunk. 1999 wurde er Chef des Richtfunk-Dienstleiters Firstmark, Berlin. Seit Februar 2001 ist er Quam-Chef in München.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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