Der 53-Jährige ist Chefkoordinator der RTL Group
Hans Mahr: Ein Bertelsmann in Luxemburg

Er hat schon den Pop-Sänger Falco gemanagt. Jetzt soll der Wiener in der RTL Group Synergien fördern und nach dem Kauf den Sender NTV eingliedern.

DÜSSELDORF. Es sollte ein Urlaub auf einer Südsee-Insel sein. Doch er konnte von seiner Leidenschaft nicht lassen: Binnen weniger Stunden verschaffte sich Hans Mahr einen Online-Anschluss und surfte statt auf Südsee-Wellen auf den Internet-Seiten des Kölner Senders RTL. "Wo immer ich bin, baue ich mir ein Informationsnetz auf", beschreibt der 53-Jährige seine Sucht nach Aktualität und Vernetzung.

Sein "Hobby" Informationsbeschaffung ist Synonym für sein Talent, das den Chefredakteur und Informationsdirektor des Privatsenders zum großen Hoffnungsträger für einen voll vernetzten Medienkonzern macht. Besonders, weil in dieser Woche voraussichtlich zwei große Akquisitionen für die Luxemburger RTL Group anstehen, an der Bertelsmann mehrheitlich beteiligt ist. Es geht um die Beteiligungen der Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck am Berliner Nachrichtensender NTV und an 12 privaten Radiosendern. Die Kaufverhandlungen seien auf gutem Wege, bestätigte die RTL Group Ende der Woche.

Nicht zuletzt deshalb berief Didier Bellens Chef der RTL Group, den Nachrichtenmann bereits vor einigen Wochen als zweiten Deutschen neben RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler in seine Führungsriege. Dort bekleidet Mahr den Posten des Chef-Koordinators für Gruppen-Synergien - eine Schlüsselposition, wenn es um die engere Zusammenarbeit mit dem geplanten neuen Familienmitglied NTV geht.

"Ärmel hochkrempeln und machen", ist Mahrs erklärte Devise. Integrieren und die Profitabilität erhöhen, das sind seine Aufgaben in Luxemburg. Dort schätzt man seine "entrepreneurhafte Haltung" und wollte ihn schon länger für die Holding-Arbeit gewinnen, berichten Mitarbeiter der Luxemburger Holding. Mahr war bereits lange vor der Bestätigung der Verkaufsverhandlungen um NTV die Triebfeder für eine technische Zusammenarbeit zwischen dem Nachrichtensender und dem Kölner Sende-Riesen RTL. "Ich habe schon immer gesagt, dass es für RTL sinnvoll ist, auf einen Nachrichtenkanal zu setzen", erklärt Mahr. Künftig wird es für ihn darum gehen, neben dem Austausch von Kamerateams und Sendekapazitäten zwischen RTL und NTV auch die Koordination der Nachrichtenproduktion zu steuern.

Dann ist der gebürtige Wiener in seinem Element: "Ich bezeichne mich noch immer als Journalisten." Wie die meisten Journalisten liebt Mahr die Vielfältigkeit seiner Aufgaben - die stete Rastlosigkeit inbegriffen. "Meine Wochenenden sind bereits zu zwei Dritteln mit Arbeit verplant."

Er ist jemand, der immer auf Reisen ist: Interviews gibt Mahr vom Handy aus. Auch bei Besprechungen hat er meist wenig Zeit. Die nächste Verabredung wartet schon. Der Ehemann und Vater pendelt zwischen seinem Büro in Köln, seinem neuen in Luxemburg und den regelmäßigen Sitzungen in der Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh. Hinzu kommen wöchentliche Besuche in Berlin und Paris, wo er gerne nach der Arbeit die französische Küche genießt.

Diese Ausflüge haben auch einen beruflichen Hintergrund. Zur RTL Group gehört der französische Privatsender M 6, der im vergangenen Jahr allein mit Teleshopping rund 60 Millionen Euro umsetzte, was den S ender zu einem großen Teil von den rückläufigen Einnahmen aus Werbung unabhängig machte. Rezepte, von denen auch die RTL-Group-Töchter in Deutschland lernen können. "Wir müssen eine höhere Profitabilität und Effektivität erreichen", verkündet Mahr in seiner neuen Rolle. Denn die für ihn wichtigste Botschaft kommt ihm in jedem Gespräch bereits nach ein paar einführenden Sätzen über die Lippen: "Wir müssen die Voraussetzungen für den Börsengang von Bertelsmann schaffen." Der war ursprünglich für 2005 geplant.

Auch in Luxemburg weiß man, dass Mahr dem Gütersloher Konzern eng verbunden ist. Bereits letztes Jahr sollte Mahr auf Berufung des Ex-Bertelsmann-Vorstandschefs Thomas Middelhoff eine Koordinationsfunktion für die TV-, Internet-, Verlags- und Musikgeschäfte in der Zentrale übernehmen. Doch aus dem Standort Ost-Westfalen wurde dann das kleine Königreich zwischen Deutschland und Frankreich. "Wir sind darauf gekommen, dass es besser wäre, die Synergie-Themen von der RTL-Group aus zu betreuen", erklärt Mahr.

Doch eines ist dem Ex-Manager des österreichischen Pop-Sängers Falco aber immer klar: "Ich werde nicht vergessen, dass ich auch ein Bertelsmann bin."

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V I T A
Hans Mahr. Der gebürtige Wiener arbeitet schon während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften als Reporter. Später leitet er das Büro des Wiener Bürgermeisters, organisiert von 1979 bis 1983 die Öffentlichkeitsarbeit und den Wahlkampf für den österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky. Anschließend leitet er das Wiener Büro des Magazins "Stern" und wird 1989 Geschäftsführer der "Kronen-Zeitung". Fünf Jahre später kommt er als Direktor für Information und als Chefredakteur zu RTL Television nach Deutschland und wird 1999 stellvertretender Geschäftsführer. Im Sommer dieses Jahres steigt er schließlich zum Chefkoordinator der RTL Group auf.

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