Der 53-Jährige ist Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins
Der engagierte Statthalter

Er will sich einmischen: Zusätzlich zu seinem Logistik-Unternehmen übernahm er die Leitung der Brauerei Veltins. Dies ist bisher allen Beteiligten gut bekommen.

Michael Huber hat das, was man natürliche Autorität nennt. Er ist von stattlicher Statur und zieht mit seiner dominanten Stimmlage in norddeutscher Färbng sofort jede Aufmerksamkeit auf sich. Seine Gesprächspartner, seien es Fernfahrer oder Fußballmanager, können mit der ungeteilten Aufmerksamkeit des 53-Jährigen rechnen - und manchmal auch mit bohrenden Fragen.

Für einen "mittelständischen Spediteur", wie er sich immer wieder nennt, trägt er viel Verantwortung. Rund 4 000 Menschen arbeiten weltweit für ihn, 1,5 Milliarden Euro beträgt der Jahresumsatz, wenn man alle seine Tätigkeitsgebiete zusammenrechnet: die Interspe Hamann Group, ein Logistikunternehmen im westfälischen Unna, sowie die Brauerei Veltins im sauerländischen Grevenstein samt Westdeutschem Getränke-Vertrieb (WGV) in Dortmund.

Bevor er vor fünf Jahren die Leitung der Brauerei übernahm, hätte Huber mit seinem eigenen Logistikunternehmen eigentlich schon genug Beschäftigung für ein ganzes Unternehmerleben gehabt. Doch er sattelte noch eins drauf und übernahm zusätzlich als Generalbevollmächtigter die unternehmerische Führung der Brauerei Veltins. Diesen Auftrag verdanke er seinem Drang, sich einzumischen, seinem stetigen Willen, die Entscheidungen nicht als "Jongleur am grünen Tisch" zu treffen, sagt er. Dabei war er bei Veltins zunächst "nur" als Beiratsmitglied im Gespräch. Doch schnell erkannte Huber, auch Gründungsgeschäftsführer und langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender des Deutschen Paketdienstes (DPD), dass die Brauerei sich nicht allein durch bloße Kontrollaufgaben weiterentwickeln ließ. Veltins benötigte seiner Ansicht nach eine ständige operative Begleitung.

Als Generalbevollmächtigter kann Huber nun in Vertretung und auf gleicher Ebene mit der Erbin des sauerländischen Bier-Imperiums, Susanne Veltins, alle notwendigen unternehmerischen Entscheidungen schnell treffen. Das hatte zu Beginn seiner Tätigkeit ganz anders ausgesehen: Da hatte es einige Male gewaltig gekracht.

Huber, an die rustikalen Verhältnisse eines westfälischen Fuhrunternehmens gewöhnt, hielt eine Restrukturierung der Brauerei für dringend notwendig. Er kappte Privilegien und führte ein effektives Controlling ein. So wurde die Dienstwagenflotte vom 5er-BMW auf die Mercedes-A-Klasse umgestellt. "Das hat man mir nicht verziehen", weiß er und berichtet von anonymen Morddrohungen per Telefon, die ihn damals verfolgten. "Ich war ein unangenehmer und unbequemer Manager", gesteht der Veltins-Chef, der auch gern nachts oder morgens um sechs in der Brauerei auftaucht, um die Stimmung der Belegschaft zu testen. "Man muss dicht genug an dem Laden dranbleiben, um die richtigen Entscheidungen zu treffen", erläutert Huber, der sich auch schon einmal selbst zwischen Getränkepaletten versteckt, um verschwundenem Leergut auf die Spur zu kommen. "Die haben mich für verrückt erklärt", berichtet er augenzwinkernd. Wäre Not am Mann, würde der Chef sich selbst auf den Gabelstapler oder ins Lkw-Cockpit schwingen und die Ladung von rechts nach links bugsieren.

Dieses Engagement kommt auch bei den Veltins-Mitarbeitern an. Inzwischen hat Huber sich durch seine bodenständige und unkomplizierte Wesensart großen Respekt in der Belegschaft erworben. So hat er bei allen Restrukturierungsbemühungen den ungeschriebenen Sozialvertrag zwischen der Unternehmerfamilie und den Mitarbeitern nie angetastet. Ganz im Gegenteil: Die Mitarbeiterzahl der Brauerei stieg unter seiner Leitung um mehr als ein Drittel auf über 500. Die Brauerei Veltins steht trotz großen Verdrängungswettbewerbs in der Branche auf einem soliden Fundament.

"Wir verkaufen unser Unternehmen nicht", sagt Brauerei-Inhaberin Susanne Veltins und zerstreut damit alle Gerüchte über ausländische Brauriesen, die zwecks Übernahme auch schon mal in Grevenstein an die Tür geklopft haben.

Mit Huber hat sie einen charismatischen Statthalter gefunden, der in seiner starken persönlichen Ausstrahlung nahezu an frühere Veltins-Generationen heranreicht. Das zeigt sich auch auf den Belegschaftsversammlungen: Ergreift er dort das Wort, kann er eine Stunde lang vor einem Publikum reden, das gebannt zuhört und danach auch noch unpopuläre Entscheidungen - beispielsweise die Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit - fast ohne Murren mitträgt.

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VITA

Michael Huber wird 1949 geboren und studiert Betriebswirtschaft in Houston und Berlin. 1977 wird er Gründungsgeschäftsführer der Deutschen Paket Dienst (DPD) GmbH. Nach verschiedenen Stationen in der Logistikbranche wird er 1990 geschäftsführender Gesellschafter der Nathe GmbH & Co, der heutigen Holding der Interspe Hamann Group. Seit 1997 ist Huber Aufsichtsratsmitglied und Generalbevollmächtigter der Brauerei C & A Veltins GmbH & Co.

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