Der 53-Jährige Star-Banker verlässt die Dresdner Bank
Bruce Wasserstein: Der Regenmacher

Der amerikanische Investmentbanker will das Traditionshaus Lazard wieder zu altem Glanz führen. Die Branche zweifelt, ob er der Richtige dafür ist.

Als Bruce Wasserstein 1988 seine eigene Investmentbank gründete, hatte er nur ein Vorbild: "Ich wollte sein wie Lazard." Die in Paris, London und New York ansässige Gesellschaft galt damals als eine der besten Adressen in der Königsdisziplin des Bankgeschäfts.

Knapp 14 Jahre später geht Wassersteins Traum in Erfüllung. Ab 2002 wird der heute 53-jährige Amerikaner Chef von Lazard. Seine Aufgabe: den Glanz der Vergangenheit wieder zum Leuchten zu bringen.

Wasserstein gilt als der Investmentbanker par excellence. An der Wall Street ist er bereits zu Lebzeiten eine Legende. "Elefanten-Jäger" und "Regenmacher" wird er dort voller Bewunderung und Nostalgie genannt.

In rund 1 000 Übernahme- und Fusionsverhandlungen hat der unscheinbar, fast wie ein Buchhalter wirkende Mann Unternehmenstransaktionen im Wert von mehr als 250 Milliarden Dollar vermittelt. Zu seinen größten Deals zählen der Zusammenschluss der Banken Dean Witter und Morgan Stanley, der Kauf von Paine Webber durch die Schweizer Großbank UBS und die Fusion von AOL und Time Warner.

In dem Buch "Barbarians at the Gate" - Barbaren vor dem Tor, das die Übernahmeschlacht um den Lebensmittelkonzern RJR Nabisco nachzeichnet, wird Wasserstein als "Wall Streets brillantester Übernahmetaktiker" gerühmt.

Verkauf von Wasserstein Perella brachte ihm 650 Millionen

Auch in eigener Sache hat er dieses Talent genutzt. Im vergangenen Jahr verkaufte Wasserstein die vom ihm mitgegründete Investmentbank Wasserstein Perella für 1,4 Milliarden Dollar an die Dresdner Bank. Rund 650 Millionen Dollar sollen dabei in seine Tasche geflossen sein.

Beruflich war der Verkauf für ihn jedoch eine Sackgasse. Nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz musste Wasserstein seinen Traum von einer von ihm geleiteten, eigenständigen Investmentbank begraben. Der Plan, sie aus dem Allfinanzkonzern herauszulösen und an die Börse zu bringen, zerschlug sich. Unter dem Dach eines deutschen Versicherungskonzerns aber fühlte sich der Investmentbanker kaltgestellt.

Die Offerte von Lazard kam für Wasserstein also gerade recht. Hier sieht der ultimative "Dealmaker" eine neue Plattform für seine Talente. Eine ideale Kombination?

Nicht unbedingt. Lazard wird von den Großen der Branche wie Goldman Sachs und Morgan Stanley mehr und mehr an den Rand gedrängt. Brillante Verhandlungskünste allein reichen im Investmentbanking nicht mehr aus, die Kunden verlangen kapitalkräftige Unterstützung bei ihren Transaktionen. In den USA ist das 153 Jahre alte Traditionshaus in diesem Jahr nur noch auf Platz 11 der erfolgreichsten Investmentbanken im Bereich Merger & Acquisitions zu finden. Vor acht Jahren rangierte Lazard noch unter den ersten drei.

Querelen umd die Macht

Schuld daran ist nicht nur der Wettbewerb, sondern auch interne Probleme. Seit Jahren kämpfen die Partner in London, Paris und New York um die Führung und das Geld der Investmentbank. Der autokratische Chairman und größte Anteilseigner Michel David-Weill hat das interne Ränkespiel trotz einer halbherzigen Fusion der drei Standorte nicht beenden können.

Zwar hat der 69-Jährige zugesagt, die operative Macht an Wasserstein abzugeben. Allein der Glaube fehlt. Bereits im ersten Telefoninterview mit dem "Wall Street Journal" waren sich die beiden Egomanen nicht mehr über die Machtverteilung bei Lazard einig.

Investmentbanker innerhalb und außerhalb von Lazard sind deshalb skeptisch, ob für zwei Alleinherrscher in der Firma genügend Platz ist.

Bei der Dresdner Bank hält sich die Trauer über den Abgang von Wasserstein in Grenzen. Er sei zuletzt mehr an der eigenen Karriere als an der Vermittlung von Megadeals interessiert gewesen, heißt es dort hinter vorgehaltener Hand.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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