Der 53-Jährige wird Bosch-Chef
Franz Fehrenbach: Scholls verblüffender Joker

Eine deutlich verjüngte Führungsequipe wird beim weltweit zweitgrößten Autozulieferer Robert Bosch GmbH Mitte des nächsten Jahres die Leitung übernehmen.

STUTTGART. Am Tag danach gab es auf den langen Fluren der Bosch-Zentrale auf der Schillerhöhe vor den Toren Stuttgarts nur ein einziges Thema: der neue Konzern-Chef. Denn Hermann Scholl hatte am Donnerstag eine Karte gezogen, mit der kaum jemand gerechnet hatte. Der amtierende Chef des Elektronikkonzerns hatte am Nachmittag dem Aufsichtsrat Franz Fehrenbach als Nachfolger präsentiert.

Die Überraschung ist perfekt. Den 53-jährigen Wirtschaftsingenieur hatte fast niemand auf der Rechnung. Fehrenbach galt allenfalls als Außenseitertipp unter den potenziellen Kandidaten. Sein Name fiel bei den vielen Spekulationen der vergangenen Monate kaum einmal.

Doch die ersten Reaktionen sind positiv. "Wir sind überrascht, doch nachdem die Entscheidung gefallen ist, wundert sich niemand", bringt ein Betriebsratsmitglied die Stimmung auf den Punkt. Und in typischem schwäbischem Understatement fügt er hinzu: "Wir sind nicht unzufrieden mit dieser Lösung." Überdies sei im Hause Bosch ein Generationswechsel eingeleitet worden, der dem Konzern eine Perspektive gebe.

Eigentlich war erwartet worden, dass sich der begeisterte Ingenieur Scholl wieder einen echten Techniker an die Spitze des Technologiekonzerns holen würde - obwohl dies bei Bosch kein Gesetz ist. Aber diesem Typ entspricht Fehrenbach nicht, der sein neues Amt am 1. Juli, an seinem 54. Geburtstag, übernehmen wird.

Er versteht zwar als Wirtschaftsingenieur durchaus etwas von Startern, Generatoren und Dieseleinspritzpumpen. Doch es war der kaufmännische Bereich, in dem sich Fehrenbach in seiner langen Karriere bei Bosch Etage für Etage bis in die Geschäftsführung hochgearbeitet hat. Derzeit hat er sein Büro im alten Stammwerk Feuerbach, wo er sich darum kümmert, dass im wichtigsten Bosch-Geschäftsbereich, der Dieselsparte, sowie bei der Tochter Bosch-Rexroth und den Verpackungsmaschinen die Zahlen stimmen.

Mit spektakulären Projekten ist er nicht aufgefallen, das passt sehr gut zur guten Tradition: nach innen erfolgreich, nach außen hin zurückhaltend. So hat er seine Aufgaben erfolgreich und effizient gemanagt - wie zum Beispiel in der Dieselsparte. Ein Glanzstück war die Integration von Mannesmann-Rexroth mit dem Bosch-Geschäftsfeld Automationstechnik. "Eine gelungene Integration", lobt Scholl.

Fehrenbach gehört zur neuen Managergeneration bei Bosch. "Die jungen Wilden" werden sie in dem mehr als 100 Jahre alten Traditionskonzern genannt. Sie müssen zeigen, dass sie sich nicht nur lockerer und offener geben als ihre Vorgänger, sondern dass sie tatsächlich Teamgeist und die Delegation von Verantwortung vorleben. Denn bisher kommt die bereits unter Scholl angestoßene Führungsrevolution, die sich hinter dem Kürzel "Bequik" verbirgt, nur langsam voran.

Das könnte jetzt anders werden. Fehrenbach kann sich auf eine neue Führungsmannschaft stützen. Nicht nur Scholl zieht sich aus der Geschäftsführung zurück. Ende kommenden Jahres scheidet auch sein einflussreicher Vize, Arbeitsdirektor Tilman Todenhöfer, 59, aus. Neuer Vize wird Forschungs- und Entwicklungschef Siegfried Dais, 54. Und Bernd Bohr, bisher für die technische Seite im Dieselgeschäft zuständig, übernimmt den gesamten Bereich Kfz-Ausrüstung, der rund zwei Drittel des Konzernumsatzes von 35 Milliarden Euro erzielt.

Ihre Beförderung ist ein geschickter Schachzug. So kann Fehrenbach seine beiden Konkurrenten um den Chefsessel stärker in die Verantwortung nehmen. Teamarbeit ist in der Geschäftsführung auch vonnöten, um sich gegenüber dem wichtigsten Gesellschafter, der Industrietreuhand KG, zu behaupten. Scholl und Todenhöfer werden als persönlich haftende Gesellschafter der Industrietreuhand weiter großen Einfluss haben. Scholls Vorgänger in der Funktion, Hans Merkle, war als "Gottvater", wie er im Konzern spöttisch-respektvoll genannt wurde, omnipräsent.

Aber Fehrenbach ist ein Anhänger von Teamarbeit. Seine Familie ist sein wichtigster Ausgleich zum stressigen Berufsleben. Mit seinen drei erwachsenen Söhnen spielt er am Wochenende am liebsten Fußball, Basketball oder Tennis. Ansonsten hält sich Fehrenbach mit Joggen und Schwimmen fit. Für solche Freizeitbeschäftigungen dürfte er künftig wenig Zeit haben.

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VITA

Franz Fehrenbach wird am 1. Juli 1949 im badischen Kenzingen geboren und studiert Wirtschaftsingenieurwesen in Karlsruhe. Examen: 1975. Danach startet Fehrenbach gleich bei Bosch. Er beginnt als Fachreferent im Büro der Geschäftsleitung, Geschäftsbereich elektrische und elektronische Motorenausrüstung. Überblick über den Konzern gewinnt er in der wichtigen Zentralabteilung Wirtschaftsplanung und Controlling. Nach mehreren Stationen in den Werken - auch in den USA - wird er 1994 Sprecher der Geschäftsleitung im Bereich Starter und Generatoren. Mitte 1999 folgt der Aufstieg in die Geschäftsführung des Konzerns.

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