Der 55-Jährige soll Joachim Millberg als BMW-Chef ablösen
Helmut Panke: Der natürliche Nachfolger

Typisch BMW: Bis zum allerletzten Moment hat die Geheimhaltung funktioniert. Gestern, bis zur entscheidenden Aufsichtsratssitzung, sickerte an keiner Stelle im Unternehmen der Name des künftigen Vorstandsvorsitzenden durch. Die Verschwiegenheit beim Münchener Automobilhersteller - eine Tugend, mit der Helmut Panke als neuer BMW-Chef keine besonderen Probleme haben wird.

MÜNCHEN. Denn der 55-Jährige kennt das Unternehmen und die Konzernzentrale am Münchener Petuelring in- und auswendig. Seit bald 20 Jahren ist der gebürtige Brandenburger für die weiß-blaue Automarke tätig. Er kam wie manch anderer BMW-Manager von der Unternehmensberatung McKinsey. Viele Jahre arbeitete er in den Bereichen Planung und Organisation des Autokonzerns.

Dass es nun auch der Platz ganz oben bei BMW geworden ist, kommt alles andere als überraschend. Panke, verheiratet und Vater von zwei Kindern, galt schon länger als der natürliche "Kronprinz". Innerhalb des Konzernvorstands hatte er keinen ernst zu nehmenden Konkurrenten, der ihm die Nachfolge von Joachim Milberg streitig machen konnte. Schon in den vergangenen knapp drei Jahren hat sich der amtierende Vorstandschef Milberg stets auf seinen Finanzvorstand verlassen, der offiziell zwar nicht sein Stellvertreter war, de facto im BMW-Alltag aber genau diese Rolle spielte.

Der Durchbruch kam für Panke mit der Führungskrise im Frühjahr 1999. Damals waren Bernd Pischetsrieder und Wolfgang Reitzle nach dem Debakel bei der britischen Konzerntochter Rover an der Vorstandsspitze von BMW ausgeschieden, Milberg rückte auf den Chefsessel vor und beförderte den damaligen Personalvorstand Helmut Panke auf den einflussreichen Posten des Finanzchefs.

Und diese Aufgabe hat Panke nach den Vorstellungen der Familie Quandt (mit 46 Prozent der Aktien BMW-Haupteigner) bestens ausgeführt. "Die BMW-Baureihen haben wahrscheinlich das beste Jahr ihrer Geschichte erreicht" - ein Satz, den Finanzchef Panke gebetsmühlenartig jedes Jahr wiederholen konnte. Der BMW-Absatz wächst unverändert stark. In diesem Jahr werden es erstmals mehr als 900 000 Fahrzeuge sein.

Der groß gewachsene, hagere Automobilmanager hat entscheidend dazu beigetragen, dass der gescheiterte Ausflug zu Rover auf die britische Insel nicht unendlich teuer wurde. Gut vier Milliarden Euro Verlust standen am Ende in den Büchern. Das waren immerhin 500 Millionen Euro weniger als erwartet.

Zu Pankes wichtigsten Karrierestationen zählt seine Zeit in den USA. Als Chef der amerikanischen BMW-Organisation hat der promovierte Physiker am Aufbau des US-Werkes Spartanburg im Bundesstaat South Carolina mitgearbeitet. Noch heute profitiert BMW von dieser Entscheidung: Durch das Werk hat das Kundeninteresse in Nordamerika so stark zugenommen, dass der Münchener Automobilhersteller inzwischen pro Jahr in den USA mehr als 200 000 Autos verkauft. Nach Deutschland haben sich die Vereinigten Staaten zum zweitwichtigsten Absatzmarkt entwickelt. Panke kann sich heute als amtierender Finanzchef zusätzlich über einen festen Dollarkurs und hohe US-Erträge freuen.

Als künftiger Vorstandsvorsitzender kann er das in den USA und andernorts verdiente Geld gut gebrauchen. Wenn er das Steuer nach der Hauptversammlung im Mai nächsten Jahres von Milberg übernimmt, steht BMW vor der größten Produktoffensive seiner Firmengeschichte: Panke muss den Mini zu einer kompletten Modellfamilie ausbauen und bis zum Jahr 2004 die neue kleine 1er-Baureihe auf den Markt bringen. Außerdem will BMW mit sportlichen Geländewagen noch mehr Kunden ansprechen. Geplant ist das Modell X3, ein Ableger der 3er-Baureihe.

Damit nicht genug. Vom Jahr 2003 an betritt der künftige BMW-Vorstandsvorsitzende ein ganz neues Geschäftsfeld: Dann übernimmt der Münchener Konzern die britische Edelmarke Rolls-Royce und wagt den Einstieg in das oberste Luxussegment des Automobilmarktes. Diese Erweiterung des Produktprogramms wird Milliarden verschlingen.

Panke steht insofern vor keiner ganz einfachen Zeit des BMW-Konzerns. Meistert er die geplante Expansion erfolgreich, ist er der gefeierte Mann. Scheitert er, muss er sich womöglich einen neuen Job suchen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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