Der 55-Jährige wird Chef der Hessischen Landesbank
Günther Merl: Der Banker mit Überblick

Er muss die kleinste der großen Landesbanken neu ausrichten. Günther Merl ist zwar kein Visionär. Dafür hat er aber den nötigen Stallgeruch für die sensible Aufgabe.

FRANKFURT/M. Der Schreibtisch von Günther Merl steht in dem ersten öffentlichen Wolkenkratzer Frankfurts. Keiner der anderen Bankentürme öffnet sich wirklich für alle Besucher. Nur der 200 Meter hohe Maintower der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat offene Türen. Für Merl, der Details sehr wichtig nimmt und nichts gern dem Zufall überlässt, spielt dieses Symbol eine große Rolle. Der 55-Jährige, der am 1. Juli den Chefposten der Helaba übernimmt, sucht die Nähe zu den Sparkassen, für deren Betreuung er mehrere Jahre im Vorstand der Landesbank verantwortlich war. Und die Nähe der Sparkassen-Finanzgruppe zu den Privat- und Firmenkunden sieht der gebürtige Franke als Plus gegenüber den Großbanken.

Auf diese kann Merl aus seinem Büro in 190 Metern Höhe zwar lässig herunterblicken. Doch gemessen an der reinen Größe spielt die Helaba nicht auf Wolkenkratzerniveau. Mit rund 150 Milliarden Euro Geschäftsvolumen ist sie die kleinste unter den großen Landesbanken. Für ein Spaltungsmodell à la Westdeutsche Landesbank (WestLB) ist sie zu klein. Aber um die durch Brüssel ausgelösten Veränderungen einfach abzuwarten, dafür ist sie zu gut.

Merl hat deshalb in seinem Job eine Doppelaufgabe zu lösen: Er muss die Stärken der Bank auf dem Kapitalmarkt und im Geschäft mit institutionellen Investoren ausbauen und sie gleichzeitig geschickt und zügig "Brüssel-tauglich" machen. Der "Stallgeruch" als gestandener Manager der Sparkassen-Gruppe wird ihm helfen, seine Ziele in der oftmals sensiblen und komplizierten Sparkassen-Finanzgruppe durchzusetzen.

Merl war der Wunschkandidat für Helaba-Chefsessel

Die Weichen hat bereits sein Vorgänger Walter Schäfer zusammen mit Alfred Lehner, bis Ende Mai Vorstandschef der Bayerischen Landesbank (BayernLB), gestellt: Zwar sind frühere Pläne gescheitert, Helaba und BayernLB zu fusionieren. Es ist aber eine stabile Kooperation entstanden, die beide Banken zielstrebig ausbauen. So haben sie ihre Töchter für das M&A-Geschäft fusioniert und den IT-Betrieb zusammengefasst. Jetzt muss das neue Duo Günther Merl und Werner Schmidt, die Wertpapierabwicklung und das Asset Management beider Institute miteinander verknüpfen. Werner Schmidt, seit Juni Chef der BayernLB, gilt wie Merl als integrative Persönlichkeit mit Blick für das betriebswirtschaftlich Sinnvolle.

Der promovierte Betriebswirt Merl war der Wunschkandidat der Banker und Eigentümer aus dem Sparkassenkreis für den Chefposten der Helaba. Der verheiratete Vater einer Tochter setzte sich gegen den Favoriten der Landespolitiker durch, den damals stellvertretenden Vorstandschef der Helaba, Hans-Jörg Vetter.

Merl kam von der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank über die WestLB 1978 zur Helaba. Er begann als Leiter des Bereichs Wertpapiere, Geld und Devisen und stieg 1991 in den Vorstand auf. Merl gilt nicht als Visionär. Mitarbeiter bescheinigen ihm aber konzeptionelle Gestaltungskraft. Der entscheidungsfreudige Pragmatiker liebt die Jagd und architektonische Details. Jetzt ist er selbst in der Rolle des Baumeisters für die Helaba der "Post-Brüssel"-Epoche.

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