Der 55-Jährige wird Chef der Hypo-Vereinsbank
Dieter Rampl: Der bodenständige Macher

Als Lehrling hat er 1968 im Konzern angefangen, 25 Jahre später wird Rampl Vorstandschef. Bankkrise, rote Zahlen, Personalabbau - auf ihn wartet ein Berg von Problemen.

MÜNCHEN. Er hält sich nicht lange mit Dankesreden auf: Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als frisch gekürter Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB) kommt Dieter Rampl in München sofort zum Punkt. "Wir müssen uns den aktuellen Herausforderungen stellen", meint der 55-Jährige mit ernstem Gesicht und präsentiert die jüngsten Beschlüsse des Vorstands: Aufspaltung der Bank und weitere Sparpläne

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Auch bei der Fragerunde antwortet Rampl gleich als Erster - ein wenig ungewohnt für den noch amtierenden Bankchef Albrecht Schmidt, der auf dem Podium direkt neben ihm sitzt. Der Neue an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Geldinstitut übernimmt das Ruder in rauen Zeiten. Gestern erst musste die Bank einen hohen Quartalsverlust und eine dramatisch gestiegene Risikovorsorge mitteilen. Rampl galt schon länger als einer der möglichen Kandidaten für die Konzernspitze. Den Ausschlag gab jetzt seine Erfahrung. In turbulenten Zeiten sind langgediente Manager eben gefragt.

Die Berufung Rampls, der sein Amt am 1. Januar kommenden Jahres antritt, gilt deshalb als die konservative Lösung. Der gebürtige Münchener, dem man seine Herkunft am bayerischen Tonfall deutlich anmerkt, ist ein alter und loyaler Weggefährte von Albrecht Schmidt, den er jetzt beerben wird. Er verfügt innerhalb der Bank über großen Rückhalt. Der hoch aufgewachsene, schlacksig wirkende Banker ist kein Freund großer Auftritte, er agiert lieber im Hintergrund. Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei. Als neuer Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank muss er gerade in Krisenzeiten aktive Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

Mit seiner Berufung ist die Bank nun zwar von der Unsicherheit in der Führungsetage befreit, die zuletzt über der Konzernzentrale hing. Die Aufgabe ist jedoch groß. Das Geldhaus brauche jetzt jemanden, der eine neue Strategie umsetzt und schnell Gewinn abliefert, fordert etwa ein Aktien-Analyst. Ob der bodenständige Macher aber die Kraft zu tiefen Einschnitten haben wird, muss sich zeigen. "Es gibt Intelligenteres als nur Personalabbau", stellte er gestern bereits fest. Bisher vermied er es, mit den Mitarbeitern auf Konfrontationskurs zu gehen. Er sei jemand, der den Konsens suche, er könne gut zuhören und entscheide immer klar sachorientiert, heißt es. So ist er bei den Arbeitnehmern und ihren Vertretern im Aufsichtsrat beliebt.

Der neue Chef wird aber nicht umhinkommen, weitere Stellen zu streichen, um die Bank aus der Verlustzone herauszuführen. Rampl, ausgewiesener Fan von 1860 München, kennt die Bank wie seine Westentasche. Als 20-Jähriger kam er 1968 zur damaligen Bayerischen Vereinsbank und absolvierte zunächst eine Banklehre. Auch ohne Hochschulstudium macht er schnell Karriere, Betriebswirtschaft lernt er im Abendstudium. Nach einem Intermezzo bei der BHF-Bank holt ihn Schmidt im November 1994 zurück nach München. Bereits im folgenden Jahr wird er Vorstandsmitglied der Vereinsbank.

Seine Meriten verdiente sich Rampl, als er das defizitäre Firmenkundengeschäft in den vergangenen Jahren durchgreifend umbaute und wieder in die Gewinnzone führte. Aber die hohe Zahl fauler Kredite trübt seine Bilanz, letztlich trägt auch er Verantwortung für das Desaster bei Firmenkrediten. Gerade erst musste die Risikovorsorge erneut deutlich angehoben werden. Die Hypo-Vereinsbank ist bei fast allen spektakulären Firmenpleiten im Spiel. Schon jetzt ist Rampl einer der wichtigsten Männer im Konzern, denn er und seine Leute waren bei allen Problemfällen der deutschen Wirtschaft dabei - vom Baukonzern Holzmann bis zum Flugzeugbauer Fairchild Dornier.

Auch bei den schwierigen Verhandlungen für die Rettung etwa der Kirch-Gruppe saß die HVB am Tisch. Ihm wird nicht viel Zeit bleiben, um den Aufstieg an die Bankspitze zu feiern. Rampl, der auch den Rückhalt des Großaktionärs Münchener Rück besitzt, muss sofort loslegen. Mit den beiden unterlegenen Kandidaten bei der Vorstandssprecherwahl, Stefan Jentzsch, 41, und Stephan Bub, 44, will er eng zusammen arbeiten. "Rampl ist ein Teamspieler", heißt es aus seiner Umgebung. Demnach will er die Positionen von Jentzsch und Bub im Vorstand deutlich stärken. Noch jemanden muss der Teamspieler berücksichtigen: Albrecht Schmidt. Er wird als neuer Aufsichtsratschef die Fäden im Hintergrund in der Hand behalten.

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