Der 57-Jährige ist Chef der ungarischen Matav
Elek Straub: Der heimliche Star der Telekom

Zum Glück hat Telekom-Chef Ron Sommer Elek Straub. Der Chef der ungarischen Tochter Matav, an der die Deutsche Telekom AG mit knapp 60 Prozent beteiligt ist, liefert seit Jahren die Überschüsse ab, auf die Sommer bei seinen übrigen ausländischen Akquisitionen bislang vergeblich wartet.

2001 hat Matav, das zweitgrößte Unternehmen Ungarns, bei einem Umsatz von 548 Milliarden Forint (umgerechnet 2,25 Milliarden Euro) einen Gewinn von 82 Milliarden Forint (336 Millionen Euro) gemacht. Schade nur, dass der Glanz der ungarischen Perle im jüngsten Milliarden-Debakel der deutschen Mutter so gut wie gar nicht zur Geltung gekommen ist.

Straub, seit 1995 Matav-Chef, hat sein Unternehmen gut positioniert. Wichtigster Trumpf ist das Mobilfunknetz Westel, mit dem Matav mehr als die Hälfte des ungarischen Handymarkts kontrolliert. Mit Axelero besitzt das Unternehmen zudem den wichtigsten Internet-Service-Provider des Landes.

Der 57-jährige Ingenieur gilt intern längst als unangefochtene Autorität. Seine starke Stellung rührt auch daher, dass ihn politische Pressionen wenig beeindrucken. Einflussnahmen des Staates sind in Ungarn noch immer an der Tagesordnung. So schrieb Istvan Stumpf, die rechte Hand von Ministerpräsident Viktor Orban, im März vorigen Jahres einen Brief an Otto Graf Lambsdorff in dessen Funktion als Berater von Ron Sommer. Darin beschwerte sich der Minister darüber, dass die Geschäftspolitik der Matav nicht den Vorstellungen der amtierenden konservativen Regierung entspreche. Straub, so ein weiterer Vorwurf Stumpfs, pflege zudem nur Kontakte zur sozialistischen Opposition.

Der Matav-Chef überstand diese Anschuldigungen ebenso unbeschadet, wie er wohl auch nach den Parlamentswahlen an diesem Sonntag weiter fest im Sattel sitzen wird. Egal, wie das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Konservativen und Sozialisten um die Macht im Staat enden wird. Vor sieben Jahren hatten übrigens die Liberalen Straub unterstützt, als es um die Besetzung des Matav-Chefpostens ging.

"Matav war die erste echte ausländische Akquisition der Deutschen Telekom überhaupt", erinnert sich Straub. Von einer stärkeren Integration in den Konzernverbund verspricht er sich weitere Synergieeffekte. Gleichwohl weiß er, dass Matav für die deutsche Mutter nicht wegen guter Zahlen wichtig ist, sondern vor allem als Brückenkopf für die Expansion in Südosteuropa. 2004 will Ungarn der EU beitreten.

Die Übernahme der mazedonischen Telekomgesellschaft Maktel, die sich für Matav längst bezahlt gemacht hat, war nur ein erster Schritt. Straub hält weitere Akquisitionen etwa in Bulgarien und Serbien für möglich, wenn die dortigen Privatisierungsbedingungen ein gutes Geschäft erwarten lassen. Zudem will die Deutsche Telekom ein regionales Innovationszentrum in Budapest errichten.

Auch von den im Wahlkampf immer lauter gewordenen nationalistischen Tönen lässt Straub sich nicht beirren. Ausgerechnet die Konservativen haben angekündigt, den Staatsanteil in der Wirtschaft zu erhöhen und bei der Vergabe öffentlicher Aufträge einheimische gegenüber ausländischen Anbietern zu bevorzugen - zum Teil sogar mit unlauteren Methoden.

"Je näher wir der Europäischen Union sind, desto stärker werden solche nicht marktgerechten Praktiken abnehmen", sagt der Ungar Straub, der fließend Deutsch und Englisch spricht, Russisch versteht und sich damit auf internationalem Parkett ausgezeichnet bewegen kann.

Neben den intensiven Geschäftsbeziehungen zur Telekom pflegt der Manager enge persönliche Beziehungen zu Deutschland. Zwei seiner Geschwister leben mit ihren Familien in München. Sein Vater stammt aus einer Familie im heute rumänischen Siebenbürgen, deren Vorfahren wahrscheinlich aus Deutschland eingewandert sind. Bis heute ist Straub seinen Eltern dankbar dafür, dass sie ihn in den 60er- Jahren auf ein deutschsprachiges Gymnasium in Budapest schickten. "Dort habe ich nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die deutsche Geschichte und Literatur kennen gelernt."

Zunächst den amerikanischen, später dann den deutschen Kollegen im Matav-Management ist er dankbar dafür, dass sie geholfen haben, die Entscheidungsprozesse im Unternehmen offener und demokratischer zu gestalten. "Im früheren Staatsunternehmen Matav waren die Hierarchien sehr stark." Doch diese Zeiten sind perdu.

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V I T A

Elek Straub, geboren am 19.11.1944 im ungarischen Balatonfüred am Plattensee, studiert Elektrotechnik und Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure an der TU in Budapest. Von 1970 bis 1980 leitet er das Computerzentrum des Arbeitsministeriums, ein weiteres Jahrzehnt die Informatikabteilung des Zentralen Statistischen Amts. 1990 wechselt er als Geschäftsführer zu IBM Hungary. 1995 wird Straub Vorstandschef der Matav Rt.

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