Der 57-Jährige wird Chef der niederländischen KPN
Ad Scheepbouwer: Der knallharte Postmann

Er will es noch einmal wissen. Nachdem er einen der größten Logistikkonzerne aufgebaut hat, soll der 57-Jährige die Telefongesellschaft KPN fit machen.

Ad Scheepbouwer erwartet ab 1. November harte Arbeit. Dann tritt der Niederländer offiziell den Chefposten beim angeschlagenen niederländischen Telekomkonzern KPN an. Sein Wechsel vom erfolgreichen Post - und Logistikkonzern TNT Post Group (TPG) in den Niederlanden zur hoch verschuldeten KPN ist aus Sicht des 57-Jährigen kein Abstieg. Im Gegenteil. Es sei eine Ehre, mit seinem Wissen und seiner Erfahrung zu helfen, "um aus dem einst so ambitiösen Konzern wieder einen starken Spieler im Telekommarkt zu machen", merkt Scheepbouwer an.

Aber er hat vorgesorgt. Sein Ja zum Spitzenjob bei KPN machte er von einer Finanzspritze abhängig. Acht Banken erklärten sich schließlich bereit, die Finanzierung der kriselnden Telefongesellschaft mit einem Kredit von 2,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2004 sicherzustellen. Damit verschaffte sich Scheepbouwer erst einmal Luft, um KPN zu sanieren.

Scheepbouwer kennt KPN gut

Der Niederländer kennt das Unternehmen gut. Bis 1998, bis zu seinem Wechsel zur TPG, saß er im Vorstand der Koninklijke PTT Nederland (KPN), die damals Post und Telekom vereinte. Scheepbouwer war einer der vier Wegbereiter der Privatisierung von KPN - einer der "Musketiere", wie der damalige KPN-Chef Wim Dik seine Truppe nannte. Scheepbouwer legte mit dem Kauf des australischen Kurierdienstes TNT vor fünf Jahren die Basis dafür, dass TPG zu einem der weltweit führenden Logistikkonzerne aufstieg und als erste Postgesellschaft der Welt an die Börse ging.

Scheepbouwer gehört zu den wenigen Konzernchefs in den Niederlanden, die nicht studiert haben. Er bildete sich nach der Schule und einem Job als Barkeeper auf einem Schiff durch Abendkurse weiter. So arbeitete er sich in der Logistikbranche nach oben, bis ihn die damalige Verkehrsministerin an die Spitze der PTT Post rief. Innerhalb von neun Jahren habe er aus der Verlust bringenden Staatspost einen starken multinationalen Konzern gemacht, wird er in niederländischen Vorstandskreisen gelobt.

Neuer KPN-Chef genießt in Finanzwelt großes Vertrauen

Analysten schätzen sein kühles, strategisches Denken und die Banken sein Geschick als knallharter Verhandlungspartner und Sanierer. Er genießt in der Finanzwelt größeres Vertrauen als sein Vorgänger Paul Smits, obwohl Scheepbouwer schon als Aufsichtsrat von KPN all die Entscheidungen mittrug, mit denen sich der Konzern übernommen hat: den Kauf des deutschen Mobilfunkbetreibers E-Plus, den ausgesetzten Börsengang der Tochter KPN Mobile und die Milliardenausgaben für Lizenzen des UMTS-Mobilfunks. Scheepbouwer steht zu den Beschlüssen: "KPN wird zu Unrecht durch den Dreck gezogen."

Doch der Mann, der spröde wirkt und ungern vor größeren Gruppen spricht, hat kein Geheimrezept zur Rettung von KPN in der Schublade. Bis Januar will er sich Zeit lassen, um eine Strategie auszuarbeiten. Das dauert manchen Analysten zu lange. Die Anleger hingegen vertrauen ihm. Trotz Smits Rücktrittsankündigung am 10. September und trotz der Terroranschläge in den USA legte die KPN-Aktie kräftig zu. Zuvor war der Kurs binnen Jahresfrist um 95 Prozent abgesackt.

Scheepbouwer baut auch auf Vorgänger Smits

Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf Scheepbouwer, der nach Auskunft von Ex-KPN-Chef Dik stark traditionell in Hierarchien denkt. Scheepbouwers erster kluger Schachzug: Er lässt seinen bei der Belegschaft beliebten Vorgänger Smits im Vorstand. Dessen gute Beziehung zu den Gewerkschaften können ihm helfen, drastische Sparmaßnahmen durchzusetzen. Die werden sich nach Ansicht von Analysten nicht vermeiden lassen, wenn er tatsächlich das Telefonfestnetz und E-Plus behalten will.

Einige Beobachter indessen sind skeptisch. Es wäre ein Wunder, wenn ihm in kurzer Zeit gelänge, was seinem Vorgänger nicht glückte, kommentierte die Zeitung "Algmeen Dagblad". Klar ist: Bis er die Zukunft von KPN sichergestellt und das Vertrauen von Anlegern, Banken und Kunden dauerhaft zurückgewonnen hat, steht Scheepbouwer noch viel Arbeit bevor.

Dennoch wird der verheiratete Vater dreier Kinder auf seine Freizeitvergnügen nicht verzichten. Am liebsten steht er samstags oder sonntags morgens bereits um sieben Uhr auf dem Golfplatz (Handicap 21), oder er kurvt mit seinem Jaguar durch die Landschaft.

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