Der 58-Jährige ist Chef der Karlsberg Brauerei
Richard Weber: Der innovative Tatmensch

Richard Weber bricht Tabus: Der saarländische Brauherr mischt Gerstensaft mit süßer Brause und poussiert mit ausländischen Brauereigiganten. Trotzdem wählten ihn die deutschen Brauer einstimmig zu ihrem Präsidenten.

HOMBURG. "Tradition ist ein dynamischer Prozess", sagt Richard Weber. Der Mann muss es wissen. Schließlich hat der geschäftsführende Gesellschafter die Karlsberg Brauerei KG Weber zu einem internationalen Getränkekonzern gewandelt. 1878 hatte sein Urgroßvater im saarländischen Homburg das Unternehmen als "Bayerische Bierbrauerei zum Karlsberg" gegründet. Mit seinem Wahlspruch "Heute tun, was andere morgen denken" hat Weber sich in der Branche allerdings nicht nur Sympathien erworben.

Die Gralshüter des deutschen Reinheitsgebotes reagierten indigniert, als Weber schon vor Jahren begann, Bier mit süßen Limonaden zu mixen. "Mixery", eine Mischung aus Pils, Kräuterextrakten und Cola, wurde rasch zum Kultgetränk der Jugend. Kultstatus und Absatzrekorde erreichte auch "Desperados", eine süße Biermischung, die nach Tequila schmeckt.

Als sich im vorigen Jahr zwei ausländische Biergiganten hier zu Lande engagierten, sprachen Traditionsbrauer schon vom "Ausverkauf der deutschen Brauwirtschaft". Nicht aber Weber: Kurz vor dem Deutschen Brauertag im Juni hätte er das Fass beinah zum Überlaufen gebracht - mit der Nachricht, dass sich die niederländische Heineken zu 45 Prozent an dem deutschen Biergeschäft des Karlsberg-Verbundes beteiligt. Gleichwohl wählten die Delegierten den 58-Jährigen zu ihrem neuen Präsidenten. Selbst Weber war, wie er offen einräumt, ob des einstimmigen Votums überrascht.

Doch man zollt ihm Respekt. Schließlich hat der bekennende Saarpfälzer und begeisterte Europäer beispielhaft vorgeführt, wie man ein Familienunternehmen in einem umkämpften Markt mit großer Innovationskraft fit macht für das 21. Jahrhundert. Den scheinbaren Standortnachteil im strukturschwachen Saarland hat der Karlsberg-Konzern ausgeglichen, indem er sich frühzeitig im benachbarten Frankreich engagierte. An der dortigen Brasserie Karlsberg S.A., der großen Palette alkoholfreier Getränke (Merzinger, Teinacher, Fachinger, Afri-Cola, Bluna) sowie einer Coca-Cola-Konzession hat Weber Heineken im Übrigen nicht beteiligt. Dennoch wird er in der neuen Karlsberg International Brand als Managing Director das Sagen haben.

Liebe zu Zitaten und Sinnsprüchen

Weber, der Satzfetzen seines perfekten Französisch gern auch in die Unterhaltung mit deutschen Gesprächspartnern einbaut, liebt Zitate und Sinnsprüche. Er hält es mit dem französischen Ökonomen Alain Minc, der die fortschreitende Globalisierung der nationalen Volkswirtschaften mit dem Gesetz der Schwerkraft verglichen hat: "Man kann nicht für oder gegen dieses Gesetz sein, sondern man muss mit ihm leben." Und Weber fügt hinzu: "Man muss seine Chancen nutzen."

Aus dem Engagement ausländischer Brauereien in Deutschland folgert Weber zweierlei: Mit deutschem Bier lässt sich Geld verdienen, aber auch, dass es einen Markt für deutsches Bier im Ausland gibt. Im Export sieht der Brauerpräsident die ungenutzte Chance der deutschen Brauwirtschaft und fordert für den Inlandsmarkt: "Wir müssen aufhören, unser Bier zu verramschen."

Hang zur Ungeduld

Daheim, in der Konzernzentrale im beschaulichen Homburg, führt Weber den Karlsberg-Verbund seit 1983 in der vierten Generation - eher als Stratege denn als detailbesessener Patriarch. Von seinen Mitarbeitern erwartet er Selbstständigkeit; rechtzeitige Information über alle relevanten Belange des Konzerns fordert er als "Bring-Schuld"ein. Im Sternzeichen des Widder geboren, kennzeichnet ihn ein energiegeladenes Auftreten mit einem Hang zur Ungeduld. Auch im Sport verlässt ihn der Ehrgeiz nicht: Sein Golf-Handicap von sieben ist kaum noch zu verbessern, und so rackert er nebenbei in einer örtlichen Fußballmannschaft seiner Altersklasse.

An den Tresen seiner Heimatstadt beargwöhnen die Saarpfälzer Webers allzu große Weltoffenheit. Der "Junge", so ist zu hören, kümmere sich ja nur noch ums Geschäft. In Homburg rangiert sein 1994 verstorbener Vater, Paul Weber, in der Gunst der müßigen Zecher ganz oben. Der hatte als Dank für eine Gefälligkeit auch schon mal ein Freibier spendiert.

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