Der 58-Jährige ist Chef der niederländischen KPN
Ad Scheepbouwer: Der Mammutbändiger

Viele zweifelten an seinem Erfolg. Doch die Bilanz von Scheepbouwer nach fast einem Jahr als Chef der niederländischen KPN kann sich sehen lassen - Analysten und Anleger vertrauen dem kühlen Realisten.

DEN HAAG. Aus dem "Nichts" der Verlust bringenden niederländischen Staatspost machte Ad Scheepbouwer einen der weltweit erfolgreichsten Logistikkonzerne, TPG. Vor einem Jahr knöpfte er sich dann den nächsten Schwächling vor: den damals mit 23 Milliarden Euro verschuldeten Telekomanbieter KPN. Die Bilanz nach fast einem Jahr im Amt könnte kaum besser ausfallen. "Er war der richtige Mann für diese Mammutaufgabe", loben Analysten.

Scheepbouwer griff rasch durch und trat auf die Kostenbremse: Tausende von Arbeitsplätzen fielen weg, die Reorganisation verlief zügig, zahlreiche Beteiligungen wurden verkauft. So steuerte er den Konzern deutlich in die schwarzen Zahlen und senkte die Schulden stärker als erwartet. Dass ihm so schnell gelingen könne, was Vorgänger Paul Smits trotz drastischen Sparens misslungen war, glaubten vor Jahresfrist nur wenige. Heute dagegen lobt die Mehrheit der Analysten, dass der neue KPN-Chef hält, was er verspricht.

Scheepbouwer hob sogar die diesjährigen Gewinnerwartungen an, während Konkurrenten wie Deutsche Telekom und France Télécom tiefrote Zahlen schreiben. KPN ist wieder ein ernst zu nehmender Spieler auf dem Markt. Außerdem würden die Niederländer sagen: Es ist wenig "gebackene Luft" in der Bilanz. KPN hat anders als die Konkurrenz die Mobilfunktöchter und UMTS-Lizenzen stark abgewertet - Scheepbouwer ist Realist.

Mit seinem von den Banken geschätzten kühlen, strategischen Verstand baut er keine Luftschlösser, sondern beschäftigt sich stattdessen mit solide erreichbaren Zielen. Das soll auch Basis sein für eine bessere Marktposition der deutschen Mobilfunktochter E-Plus. Sobald sich Gelegenheiten bieten, will KPN zudem kleinere Wettbewerber übernehmen.

Knallharter Sanierer

Der als knallharter Verhandler und Sanierer geltende Scheepbouwer genießt großes Vertrauen in der Finanzwelt, selbst wenn er als vormaliger Aufsichtsrat die Beschlüsse mittrug, mit denen sich KPN übernahm: den Kauf von E-Plus, die teuren UMTS-Lizenzen, den ausgesetzten Börsengang von KPN Mobile. Er stand dazu: "KPN wird zu Unrecht durch den Dreck gezogen", sagte er vergangenes Jahr.

Heute gilt KPN wieder als attraktiv. "Ich poliere das Unternehmen aber nicht auf, um es zu verkaufen", betont der Chef. Zurzeit hätte auch kein Wettbewerber das nötige Geld. Der Niederländer kann sich also voll auf die weitere finanzielle und betriebliche Sanierung konzentrieren. Dann spielt KPN bei der Konsolidierung der europäischen Branche vielleicht doch noch eine wichtige Rolle. Das ist das langfristige Ziel des 58-Jährigen mit der bemerkenswerten Karriere.

Scheepbouwer hat als einer der wenigen Konzernchefs des Landes nie studiert. Für den Erfolg mit TPG erntete er viele Komplimente aus Vorstandskreisen. Der von Mitarbeitern als tüchtig und gründlich beschriebene Mann wird den hohen Erwartungen gerecht. Auch wenn der Manager zuweilen als langweilig gilt - die Anleger vertrauen ihm.

Das Betriebsklima habe sich verbessert, berichten Mitarbeiter. Und das trotz scharfer Einschnitte und eines Chefs, der als traditioneller, hierarchisch denkender Boss gilt. Er bleibt am liebsten in der Chefetage und spricht noch immer eher ungern zu größeren Gruppen. Manch einer frage sich, ob er überhaupt wisse, wie ein Postsortierer arbeite, heißt es. Gewerkschaftsvertreter äußern sich aber positiv. Ganz auf Freizeit, die der verheiratete Vater dreier Kinder für sehr wichtig hält, verzichtet der als Workaholic beschriebene Scheepbouwer aber nicht. Am liebsten golft er am Wochenende gleich morgens um sieben Uhr (Handicap 21), gärtnert leidenschaftlich oder fährt mit seinem Jaguar durch die Gegend. Und er sammelt - wie könnte es anders sein - Briefmarken. Aber nicht die seltenen, sondern nur die misslungenen. Denn wer so viele Erfolge vorzuweisen hat, kann sich anscheinend auch mal für die Missgeschicke auf dieser Welt begeistern.

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