Der 58-Jährige verdient Millionen mit Musik- und Filmrechten
Haim Saban: König Midas der Medienwelt

Drei Konsortien bieten für Kirch Media - darunter auch einer der unbekanntesten Größten der Medienwelt: Haim Saban. Kinderserien fürs Fernsehen machten ihn milliardenschwer.

Wer 1,5 Milliarden Dollar auf die Bank bringt, der hat mit einem Mal eine Schar neuer Freunde. "Oh, mein lieber bester Freund Haim", sei einer der häufigsten Floskeln gewesen, als er vor einem Jahr das Geschäft seines Lebens gemacht habe, unkt Fernsehproduzent Haim Saban.

Der Israel-Amerikaner ist einer der reichsten und zugleich einer der unbekanntesten Fernsehproduzenten der USA. Ins Licht der Öffentlichkeit tritt er nun im Bieterstreit um die insolvente Kirch Media. Drei Konsortien sind noch im Rennen - darunter Milliardär Saban im Verbund mit dem französischen Sender TF 1.

Weil er seinen Reichtum mit Comics erzielte, nennt sich der 58-Jährige heute noch gerne "Cartoon-Schlepper" - Comic-Vertreter. Den Geldsegen bescherte ihm eine TV-Sendung für Kinder, die er von Japan in die USA holte: die "Mighty Morphin Power Rangers" - die über Lizenzen am besten verkaufte Serie der neunziger Jahre. Bei den Power Rangers werden Teenager zu Karatehelden, schlagen wild mit Armen und Beinen um sich und rufen dazu lautstark "Hai-ya".

Der Nerv der Zeit

Kein Wunder, dass Pädagogen verzweifelt ihre Hände über dem Kopf zusammenschlugen. Das angebliche Kinderprogramm sei Gewalt verherrlichend, warfen sie dem Fernsehproduzenten vor. Doch bei den jugendlichen Zuschauern traf Saban den Nerv der Zeit: Ihnen gefielen die Karatehelden, welche die Fox Family Worldwide Inc. vertrieb - ein Joint Venture, an dem Saban als Partner der News Corp. mit 50 Prozent beteiligt war.

Im vergangenen Jahr kaufte Konkurrent Disney für 2,9 Milliarden Dollar das Unternehmen und übernahm auch den Schuldenberg von 2,4 Milliarden Dollar. Saban hatte damit wohl Glück. "Denn als Manager machte er seinen Job nicht besonders gut", urteilt Branchenanalyst Christopher Dixon. "Er verpasste es, die Zielgruppe für Fox zu erweitern."

Kritik wie diese prallt an dem milliardenschweren Selfmademan allerdings ab. In der Öffentlichkeit äußert er sich nicht zu Vorwürfen. So kennen ihn selbst in den USA nur wenige, obwohl der König Midas der Medienwelt scheinbar alles, was er anfasst, in Gold verwandelt.

Ein amerikanischer Traum

Sein Leben entspricht dem amerikanischen Traum: In ärmlichen Verhältnissen in Ägypten als Sohn eines Verkäufers für Büromaterialien und einer Schneiderin geboren, zieht er im Alter von zwölf Jahren mit seiner Familie nach Israel. Jahre später fliegt er dort vom agrarwissenschaftlichen College - der geborene Anstifter hat zu viele Protestaktionen angezettelt.

Saban wird erfolgreicher Konzertagent, bis der Jom-Kippur-Krieg 1973 seinen Aufstieg stoppt. Eine japanische Truppe, die er für teures Geld nach Israel geholt hat, tritt vor fast leeren Sälen auf. Den Israelis steht damals der Sinn nicht nach Unterhaltung.

So zieht Saban mit einem riesigen Schuldenberg nach Paris und schafft einen Neubeginn. Nach zehn Jahren als Musikproduzent bringt er es dort immerhin zu einem Vermögen von 500 000 Dollar. Dann lockt Hollywood: Von der französischen Hauptstadt zieht es ihn nach Los Angeles.

Selbst als Mäzen will Saban immer der Größte sein

Eine ausgeklügelte Geschäftsidee verhilft ihm dort schließlich zum Durchbruch. Zum Teil kostenlos vergibt er selbst geschriebene Musik für Zeichentrickfilme an TV-Studios und verlangt nur Honorare, wenn die Stücke verwendet werden. Das Geschäft boomt, Saban wird zum größten Vertreiber von Fernsehmusik. Von seinen Erlösen erwirbt er die Rechte für Kinder-Fernsehsendungen, darunter auch den Erfolgsschlager Power Rangers. Fox zeigt Interesse, es kommt 1995 zum Joint Venture. Zur amerikanischen Traumkarriere gehört für den selbst ernannten Comic-Vertreter neben dem Geschäft auch das Mäzenatentum. Viele Millionen spendet er der demokratischen Partei, und Ex-US-Präsident Bill Clinton bezeichnet ihn als einen "echten Freund". Auf der Empfängerliste Sabans stehen auch die Universität von Tel Aviv, Kliniken und Bildungseinrichtungen.

"Ich habe eine Leidenschaft für das, was in der Welt vorgeht", sagt der Milliardär. "Wo immer ich helfen kann, will ich helfen."Aber ganz so selbstlos, wie es sich anhört, ist es nicht gemeint. Selbst als Mäzen will der Selfmademan immer der Größte sein. Als ihn ein Mitspender bei einer Sammelaktion der Demokraten um 250 000 Dollar übertrifft, schickt ihm Saban einen Scheck über ebendiese Summe und heftet eine Dollar-Note daran. Seine einzige Sorge: "Ich hoffe nur, der Kerl schickt jetzt nicht zwei Dollar zurück."

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VITA
Haim Saban wird 1944 im ägyptischen Alexandria geboren und zieht im Alter von zwölf Jahren nach Israel. Dort macht er als Konzertagent Karriere, bis der Jom-Kippur-Krieg 1973 den Israelis die Lust auf Unterhaltung vergällt. Mit einem Schuldenberg zieht Saban nach Paris, wo er Musik produziert. 1983 geht er nach Los Angeles, wo ihm elf Jahre später der große Coup gelingt: Er ergattert die Lizenz für die TV-Kinderserie "Power Rangers" und gründet dazu 1995 ein Joint Venture mit Fox Family. Die Anteile verkauft er später für 1,5 Milliarden Dollar.

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