Der 59-Jährige ist Vorstandschef der Voestalpine AG
Franz Struzl: Der heimliche Terminator

Nach dem Tod seines Vorgängers übernahm Struzl vor drei Monaten den Chefposten beim österreichischen Stahlkonzern. Er geht die Aufgabe entschlossen an.

Das Markenzeichen "Steirische Eiche" will und kann er seinem Landsmann, Terminator Arnold Schwarzenegger, nicht streitig machen. Doch für seine Verdienste um den Voest-Alpine-Stahlkonzern hätte Franz Struzl diesen Titel verdient. Denn er hat großen Anteil daran, dass es den österreichischen Konzern, der sich jetzt Voestalpine nennt, überhaupt noch gibt.

Die maroden Betriebe im obersteirischen Stahlrevier bedrohten Ende der achtziger Jahre den Fortbestand der gesamten Gruppe. Auf dem Höhepunkt der Krise hieß es, der Verlust wäre geringer, würde man die Belegschaft dafür bezahlen, nicht zur Arbeit zu kommen.

Franz Struzl gelang damals die kaum für möglich gehaltene Rettung. Allerdings blieb nur ein Drittel der ursprünglich 12 000 Arbeitsplätze erhalten. Besonders schwer war der Sanierungsjob für Struzl, weil er mitten in der Krisenregion wohnte. Heute zählt der Standort Donawitz auch dank des neuen Kompaktstahlwerks nicht mehr zu den Sorgenkindern. In der Verarbeitung sind die steirischen Langstahlbetriebe in der Eisenbahntechnik Weltmarktführer, die Bereiche Draht und Ölfeldrohre liefern verlässlich Gewinne ab.

Erst ein tödlicher Unfall machte den Weg an die Spitze frei

Während im Fußball dem Mann fürs Grobe, dem Ausputzer, die Rolle des Spielmachers für immer versperrt ist, kam für Struzl doch noch die Chance. Der 59-Jährige hatte sich schon damit abgefunden, seine Karriere 2004 als Nummer zwei hinter seinem langjährigen Freund und Weggefährten Peter Strahammer zu beenden, da verunglückte der Voestalpine-Chef Ende August beim Bergwandern tödlich.

Für den von Strahammer als Kronprinzen aufgebauten Wolfgang Eder, 49, war die Zeit noch nicht reif. Alles lief deshalb auf Struzl zu. Der Aufsichtsrat benötigte für seine Berufung "nur eine Minute". In seinem ersten öffentlichen Auftritt als Vorstandschef präsentierte sich Struzl wie man ihn kennt: gewinnend, aber bestimmt. Die "Agonie nach dem Tod Strahammers" sei überwunden, jetzt gelte es, konsequent die Strategie von Wachstum und Wertsteigerung umzusetzen, verkündete er.

Daran lässt auch der für Struzl typische leichte Anflug eines Lächelns nicht zweifeln: "Nicht dass wir uns für das Wort Stahl schämen würden - aber wir wollen ein Verarbeitungskonzern sein."

Voest will von Outsourcing der Autokonzerne profitieren

Beim Wettlauf um schiere Größe will Struzl, der auch Russisch und Französisch spricht, nicht mitmachen. Vielmehr will er den von UBS Warburg verliehenen Titel des "profitabelsten Stahlunternehmens Europas" verteidigen.

Als Autozulieferer will die Voest in Zukunft nicht nur Karosserien pressen, sondern von der Auslagerung von Produktionsteilen durch die Autohersteller profitieren. "Uns interessiert nur die Außenhaut, nicht das ganze Auto." 2007 will man dabei in Europa die Nummer eins sein und insgesamt 1,7 Milliarden Euro in Sachanlagen und Zukäufe investieren. Schon vier Tage nach der Ankündigung meldete Struzl die "bisher größte Übernahme der Konzerngeschichte", den Kauf der holländischen Polynorm.

Neben dem Auto setzt Struzl auf sein Lieblingskind, die Schiene. Ziel ist es, Systemanbieter bei den europäischen Bahngesellschaften zu werden. Aktuelles Referenzprojekt ist die Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln-Frankfurt, die Voest als Generalunternehmer errichtet.

Die neue Strategie soll der Aktie zum Höhenflug verhelfen. Ein Wiener Analyst gesteht offen, selten einen Manager erlebt zu haben, der Spaß an Road-Shows habe. Struzl, der Terminator für die Voest-Aktie.

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