Der 59-Jährige steuert den TÜV Rheinland/Berlin Brandenburg
Bruno O. Braun: Chefprüfer mit Visionen

Er will alle TÜV in Deutschland vereinen. Dagegen gibt es viele Widerstände. Aber Bruno O. Braun, dessen Vertrag gerade verlängert wurde, gibt nicht auf.

KÖLN. Sein Büro im Kölner TÜV-Tower bietet eine tolle Aussicht. Bei klarem Wetter kann Bruno O. Braun im Norden bis Düsseldorf und im Süden bis Bonn sehen. Der Chef des TÜV Rheinland/Berlin Brandenburg lässt den Blick gerne in die Ferne schweifen. Der 59-Jährige mit dem üppigen Schnurrbart gilt bei den Technischen Überwachungsvereinen als Mann mit der großen Vision: Alle acht TÜV in Deutschland will er zu einem einzigen Überwachungsverein zusammenschließen.

Bislang ist das allerdings ein Wunschtraum geblieben. Seit acht Jahren lenkt Braun das Geschäft des TÜV Rheinlands. Aber erst mit einem Konkurrenten ist ihm der Zusammenschluss gelungen. Vor vier Jahren fusionierte der TÜV Rheinland mit dem TÜV Berlin Brandenburg.

Noch bleibt Braun aber Zeit, um die TÜV Deutschland AG zu verwirklichen. Zwar läuft sein Vertrag als Vorstandschef nur bis Oktober kommenden Jahres. Aber gerade hat der Aufsichtsrat einer Verlängerung bis Herbst 2007 zugestimmt - und zwar einstimmig. Und darauf ist er besonders stolz.

Braun, der klassische Musik und moderne Malerei liebt, ist gewohnt, seine Ziele hartnäckig zu verfolgen. Vielleicht liegt es an der Industrieerfahrung, die der promovierte Ingenieur bis 1993 als Vorstand in deutschen Konzernen wie den Deutschen Babcock-Werken und der Lentjes AG sammelte.

Deshalb macht er immer wieder Dampf, um seine Vision von einem TÜV Deutschland zu verwirklichen. Er weiß: Die Welt der Überwachungsvereine, die über Jahrzehnte von Monopol, Gebühren und artigen Kunden bestimmt wurde, ändert sich selbst unter dem Druck von Deregulierung und zunehmender Konkurrenz nur langsam.

"Nicht jeder von uns begreift den Wandel als Chance. Da ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten", ist der Chef des zweitgrößten TÜV in Deutschland und zugleich Vorsitzender des Verbandes der Technischen Überwachungs-Vereine (VdTÜV) sicher. Für die meisten Kunden sei TÜV eben TÜV. Nur die Vereine wollten dies nicht wahrhaben und verteidigten ihre Fürstentümer, auch wenn dies Marktanteile koste.

Immerhin: Mit der Fusion zum TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg hat der habilitierte Maschinenbauer bereits den Hauptstadt-TÜV für eine Fusion gewonnen. Aber der RWTÜV Essen, der sich Cubis AG nennt, hat sich Brauns Werbeversuchen (bislang) heftig widersetzt.

Manchem Kollegen macht der gebürtige Schwabe einfach zu viel Druck. So setzt Braun auf professionelle Öffentlichkeitsarbeit und leistet sich sogar einen Vorstand für Marketing und Vertrieb. Damit nicht genug. In den vergangenen Jahren hat er das Auslandsgeschäft kräftig ausgebaut. Jenseits der deutschen Grenzen ist der Honorarkonsul der Republik Lettland mit seinem TÜV heute die Nummer eins unter den Technischen Überwachungsvereinen. Vor kurzem eröffnete er Auslandsstützpunkt Nummer 152 in Vietnam.

Die von ihm schon früh begonnene Expansion ins Ausland zahlt sich heute aus: Dort erzielt die Gruppe in ihren 36 Geschäftsbereichen inzwischen höhere Gewinne als in Deutschland. So ist der TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg von der angepeilten Umsatzrendite von mindestens fünf Prozent im Inland noch weit entfernt. Zurzeit liegt sie nur bei einem Prozent.

Ursache für das schlechte Abschneiden ist das Kerngeschäft "Mobilität und Verkehr". Die Sparte vergibt die begehrten Plaketten für die Auto-Nummernschilder. Sie trägt zwar knapp ein Viertel zum Gesamtumsatz von knapp 1,3 Milliarden Mark bei, schreibt aber rote Zahlen. Braun baut deshalb Personal ab und stellt die Kfz-Prüfstellen selbst auf den Prüfstand.

Als schwäbischer Sparkommissar macht sich der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne aber im eigenen Haus kaum Freunde. Mitunter stöhnen die 7 500 Mitarbeiter der Firmengruppe, weil er so vieles gleichzeitig vorantreibt: Er ordnet Firmenstrukturen neu, führt leistungsorientierte Gehälter ein und forciert das Auslandsgeschäft. Bruno O. Braun versteht sich eben nicht als Behördenleiter, sondern als Konzernmanager, von dem Weitblick erwartet wird.

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