Der 59-Jährige wird Chef von Vivendi Universal
Barry Diller: Kein Mann für eine Nebenrolle

Vivendi-Chef Jean-Marie Messier holt sich mit Barry Diller einen eigenwilligen Hollywood-Veteranen ins Haus. Der 59-jährige Amerikaner ist jemand, der sich ungern etwas sagen lässt.

Sein Spitzname heißt Killer Diller. Den hat Barry Diller, der neue Chef von Vivendi Universal Entertainment, dem Unterhaltungsgeschäft von Vivendi, seinem Temperament und seinem einschüchternden Management-Stil zu verdanken.

Der Hollywood-Veteran bestimmt gerne, wo es langgeht. Als der französische Medienkonzern Vivendi Anfang der Woche in New York offiziell die Übernahme der Unterhaltungssparte von USA Networks verkündete, gab Diller, bisheriger Chef des US-Konzerns, die Regie-Anweisungen. "Wir werden hier nett nebeneinander stehen", erklärte er den Fotografen im Vorfeld. Auf die üblichen Handschlag-Fotos müssten sie aber verzichten. Und selbst seinem neuen Vorgesetzten, Vivendi-Chef Jean-Marie Messier, sagte er, was er zu tun habe: "Okay, du fängst an, ich komme dann dazu."

Viele Hollywood-Kenner fragen sich, wie Diller mit einem Vorgesetzten zurechtkommen wird. Der große, gestählte Mann mit Halbglatze und Vorliebe für dunkle Nadelstreifenanzüge mag es eigentlich nicht, jemanden über sich zu haben.

Anerkennung als Kaufmann erarbeitet

Ein Beispiel: Als der damalige Chairman des TV-Senders Fox 1992 bei seinem Chef Rupert Murdoch mit dem Wunsch nach einer Firmenbeteiligung scheiterte, trat er überraschend zurück. Diller schwor sich, er wolle nie wieder einen Vorgesetzten haben. Er übernahm Chefposten bei kleineren Unterhaltungsunternehmen und baute schließlich mit USA Networks Inc. seine eigene Mediengruppe auf. Dazu zählen der TV-Kanal Sci-Fi und das Home Shopping Network.

Diller verstand Fernsehen und Internet vor allem als Verkaufskanäle. Der gewiefte Geschäftsmann wollte weder zu sehr von den schwankenden Werbeeinnahmen abhängig sein wie sein Konkurrent Viacom noch von Abo-Gebühren wie etwa AOL Time Warner. Im vergangenen Jahr setzte seine Gruppe zwei Drittel des Gesamtumsatzes von 4,7 Milliarden Dollar mit dem Verkauf von Diätbüchern, Kosmetik und Eintrittskarten für Football-Spiele um.

Der Manager, der Wert darauf legt, dass er noch 59 und nicht schon 60 Jahre alt ist, gewann so bei den Anlegern auch als Kaufmann Anerkennung. Er wird auch nach dem Verkauf der Unterhaltungssparte von USA Networks deren Chef für das Internetgeschäft bleiben. Von seiner Doppelrolle beim US-Konzern und bei Vivendi sind nicht alle Aktionäre begeistert.

Seine Karriere verdankt er vor allem seinem Gefühl für die richtige Auswahl von Filmen und Serien. Als der Studienabbrecher der University of California Los Angeles (UCLA) bei ABC anheuerte, entwickelte er das erfolgreiche Konzept des "Films der Woche". Bald war er für den Einkauf von Filmen verantwortlich. Später bei Fox gab er dem Sender mit Comic-Serien wie den "Simpsons" ein eigenes Profil.

Diller kann nun seinen Expansionsdrang ausleben

Seine Studios von USA Networks produzieren derzeit die erfolgreiche TV-Serie "Law and Order". Auch der Oscar-gekrönte Kinofilm "Traffic" stammt aus seinen Studios. Er entspricht dem Idealbild eines Diller-Films: Er ist finanziell und bei den Kritikern ein Erfolg, aber die Gage des Stars ist nicht überzogen.

Der Mann, der in einem seiner Kinostreifen gut einen Geheimagenten mimen könnte, kritisiert offen die hohen Gagen der Hollywood-Stars. So würden Filmproduktionen zu immer größeren finanziellen Risiken für die Studios. Er hält nichts davon, dass Schauspieler und Produzenten immer häufiger das letzte Wort bei der Endversion eines Films haben.

In seiner neuen Rolle als Chef von Vivendi Universal Entertainment könnte Diller, der als zäher Verhandlungspartner bekannt ist, die Spielregeln wieder zu seinen Gunsten beeinflussen. Marktbeobachter rechnen damit, dass er seinen Expansionsdrang - nach den gescheiterten Versuchen, CBS und NBC zu kaufen - jetzt in vollen Zügen ausleben wird.

Es ist offen, wie stark er sich von seinem neuen Chef reinreden lässt. Auf die Frage, wem gegenüber er verantwortlich sei, antwortete er auf der Pressekonferenz in New York nur: "Ihm" - und zeigte auf Messier.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%