Der 60-Jährige ist Chef der Knorr Bremse AG
Heinz H. Thiele: Immer seiner Zeit voraus

Heinz Hermann Thiele hat aus einem verträumten Familienunternehmen einen erfolgreichen und weltweit agierenden Spezialisten für Bremssysteme gemacht.

Seit 32 Jahren immer bei ein und demselben Unternehmen, das klingt nicht sonderlich spannend. Tatsächlich aber hat Heinz Hermann Thiele eine atemberaubende Karriere gemacht.

1969 heuert er als Sachbearbeiter bei Knorr Bremse in München an. Zehn Jahre später rückt er in die Geschäftsführung auf. Seit 1985 ist er nicht nur angestellter Manager, sondern auch Eigentümer des Unternehmens. Und jetzt hat er den Weltmarktführer bei Bremssystemen für Schienenfahrzeuge auch noch zur Nummer eins bei Lkw-Bremsen gemacht.

Keine Frage: Für die weltweit rund 10 000 Mitarbeiter von Knorr Bremse ist der stattliche Mann mit den buschigen Augenbrauen ein Held. Ohne den Mut, ohne den Weitblick des 60-jährigen Thiele gäbe es das traditionsreiche Familienunternehmen vielleicht nicht mehr, dessen Gründer Georg Knorr 1918 die Druckluftbremse erfand.

"Wir leben und sterben mit der Bremse", hatte Thiele schon vor Jahren erkannt, jedenfalls lange bevor Unternehmensberater - freilich mit weniger Pathos formuliert - ihrer zu stark diversifizierten Klientel die "Konzentration auf das Kerngeschäft" predigten. Ebenso früh setzte der Technikfan auf Forschung und Entwicklung und machte Knorr zu einem Systemzulieferer, lange bevor dieser Begriff in Mode kam.

Im vierten Anlauf endlich ein Übernahme-Erfolg

Aber Thiele wollte nicht nur in einem Bereich - bei Schienenfahrzeugen - Spitze sein. Auf der Suche nach geigneten Übernahmeobjekten lag er seit Jahren auf der Lauer. Im Januar, nach drei fehlgeschlagenen Versuchen, klappte es endlich: Knorr übernahm vom US-Konzern Honeywell den Hersteller von Lkw-Bremsen, Bendix.

Wenn Thiele sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann gibt er keine Ruhe, bis er sein Ziel erreicht hat. Auch von seinen Mitarbeitern verlangt der immer freundliche, etwas barock wirkende Firmenpatriarch viel. Einen Handheld-Computer, ohne den manch moderner Manager aufgeschmissen wäre, braucht er nicht. "Ich habe", kokettiert Thiele, "die besten Erfahrungen mit meinem eigenen Kopf gemacht."

Nein, Heinz Hermann Thiele passt in kein Klischee. Als junger Mann - damals rannte er die 100 Meter in 10,8 Sekunden, wollte er eigentlich Ingenieur werden. Doch schließlich studierte er Jura, wie der Vater, der es als Anwalt in Berlin zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatte. Im Krieg habe die Familie dann aber alles wieder verloren.

Wieder bei null anfangen zu müssen hat ihn geprägt. Dass ihm heute ein Unternehmen gehört, verdankt der Oberleutnant der Reserve seinem diplomatischen Geschick und einer Verkettung glücklicher Umstände.

Aller Anfang war schwer

Ein erbitterter Streit zwischen den Haupteigentümern Joachim Vielmetter und Jens von Bandemer (beide hielten 46 Prozent der Anteile) hatte Knorr Anfang der 80er-Jahre in eine schwere Krise gestürzt. Thiele erwarb 1984 vier Prozent der Anteile und verhalf von Bandemer zur Mehrheit. Der überließ Thiele ihm die operative Führung und kurze Zeit später das gesamte Unternehmen. Allerdings nur mit Hilfe von Alfred Herrhausen, der damalige Chef der Deutschen Bank, konnte Thiele die Übernahme der Anteile finanzieren.

An seine Anfänge als Unternehmer erinnert er sich nicht gern: "Hier stimmte gar nichts." Geld war keins vorhanden, er musste mit der vorhandenen Mannschaft auskommen, die ganze Verantwortung lastete auf ihm.

"There is no free lunch" - es gibt nichts umsonst, sagt er im Rückblick. Heute würde er es anders machen. Seine Frau und seine beiden inzwischen erwachsenen Kinder bekamen ihn damals kaum zu Gesicht.

Noch immer ist Thiele an 140 Tagen im Jahr auf Achse, um Kontakte zu Kunden in aller Welt zu pflegen. Ewig will er sich das nicht antun, Hotelzimmer findet er "zum Kotzen". 2005, sagt er, soll endgültig Schluss sein. Dann wird Knorr Bremse 100 Jahre. Bleiben also noch gut drei Jahre, um einen Nachfolger aufzubauen. Aus dem Aufsichtsrat will er aber weiter mitlenken, "schließlich gehört mir die Firma ja".

Kürzer treten? Wohl kaum. Thiele wandert gern in den Bergen und fährt im Winter Ski. Seine Liebe gehört aber Südafrika. Dort besitzt er eine Mangofarm - sozusagen sein eigenes Entwicklungshilfeprojekt - und eine Wildfarm. Dort steht der Morgenmuffel um halb sechs auf, um den Sonnenaufgang zu erleben und das Großwild zu fotografieren. Zudem gehört ihm eine Bootsmotorenfabrik in Brasilien.

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