Der 60-Jährige ist Vorstandschef der Wall AG
Hans Wall: Der Stadtmöblierer

Er hat sich mit werbefinanzierten Wartehäuschen und Citytoiletten einen Namen gemacht. Aber große Konzerne bedrängen den Mittelständler Wall.

BERLIN. Er ist überall präsent. An Wartehäuschen von Bus- und Straßenbahnhaltestellen, an Kiosken, an öffentlichen Toiletten und an Litfaßsäulen - an allen Ecken und Plätzen in Berlin und vielen anderen deutschen Städten taucht der Name "Wall" auf. Damit ihn auch wirklich niemand übersieht, wird er noch durch zwei dicke Quadrate hervorgehoben, die wie eine Krone über dem Schriftzug schweben.

Wall steht für Hans Wall. Und der sieht sich als der ungekrönte König der Stadtmöblierer. "In deutschen Städten haben wir die meisten Stadtmöbel wie Haltestellenhäuschen und Toiletten mit beleuchteten Plakatflächen aufgestellt", sagt der eher kleine, etwas gedrungene Mann, der seinen Gast im Sommeranzug und offenen Hemd empfängt. Klar, Hamburg zum Beispiel fehle ihm noch, räumt er in der Berliner Zentrale der Wall AG ein. Aber das werde sich mit der kommenden Ausschreibung der Hansestadt ändern, davon ist er felsenfest überzeugt.

Der 60-Jährige mit dem leicht ergrauten Haar scheint nur so vor Energie zu strotzen. "Wenn ich etwas will, dann setze ich das in meinem Unternehmen durch", verkündet der Vorstandschef. Und das nimmt man ihm sofort ab. Wall ist der Typ des gestandenen Mittelständlers, dem niemand etwas vormachen kann. Und der will unbedingt "die Nummer eins der Außenwerber in Deutschland werden".

Auch in Boston kennt man Wall

Von diesem Ziel ist der Stadtmöblierer aber noch weit entfernt. Unter den Außenwerbern in Deutschland rangierte er im vergangenen Jahr mit 77 Millionen Euro Bruttoleistung allenfalls auf Platz sechs hinter Branchenriesen wie der Deutsche Städte Medien (DSM), Ströer und der französischen JC Decaux. Er hat deshalb Interesse an der DSM bekundet, die sich in öffentlicher Hand befindet und im Oktober verkauft werden soll. Darauf spekulieren aber auch die großen Konkurrenten.

Wall ist bislang stark in einer Marktnische, in die der studierte Maschinenbautechniker 1976 als Seiteneinsteiger eindrang. Er baut Toiletten, Wartehäuschen und Kioske in einer eigenen Fabrik am Rande Berlins in einem speziellen Design für jede Stadt und stellt sie den Kommunen kostenlos zur Verfügung, einschließlich Wartung und Pflege. Er vermarktet die beleuchteten Werbeflächen an den Objekten. So deckt er seine Kosten, streicht einen Gewinn ein - 2001 vor Steuern und Abschreibungen nach eigenen Angaben rund 18 Millionen Euro - und lässt die Städte mitverdienen.

Am liebsten möchte Wall, der 1984 mit einem Auftrag für die Stadt Berlin groß wurde, die ganze Welt mit seinen Möbeln beglücken. Immerhin hat er seinen Konkurrenten in der US-Metropole Boston "schon gezeigt, wo es langgeht", wie er sich selbst lobt. Seine Vision: "Produkte von Wall aus Germany in allen Städten der Welt". Er spricht das G von Germany wie "sch" aus. Seine Heimat Baden-Württemberg kann er nicht leugnen, obwohl er sich als Berliner fühlt "mit Haut und Haaren".

Ausbau mit aller Macht

Aber der Wettbewerb mit seinen weitaus größeren Konkurrenten Clear Channel/USA und JC Decaux/Frankreich ist so hart, dass der Mittelständler beide an seinem Unternehmen beteiligen musste. Clear Channel (20 Prozent) holte er im vergangenen Jahr selbst ins Haus. Die Franzosen wurden über Nacht, zu seiner eigenen unangenehmen Überraschung, neue Eigentümer, weil Walls Hausbank ein Aktienpaket von 11,1 Prozent an Decaux weiterreichte. Aber noch bleibt die Familie mit Hans Wall (52,9 Prozent) und Sohn Daniel (16) Mehrheitsaktionär.

Auch im Vorstand achtet er darauf, dass die Familie das Sagen hat. Sohn Daniel, einer von drei Kindern aus erster Ehe, kümmert sich ums Marketing. Der 36-Jährige soll den Vater einmal als Chef ablösen. Hans Walls zweite, 27 Jahre jüngere Frau ist seine "rechte Hand".

Wall treibt den Ausbau des Unternehmens mit aller Macht voran. In der Branche ist zu hören, dass er bei seinen Ankündigungen schon mal über das Ziel hinausschießt. Er kann auch lospoltern, wenn etwas nicht in seinem Sinne läuft. Andererseits erhöht er das Gehalt eines Mitarbeiters, als der seine Miete nicht mehr zahlen kann.

Wall ist deshalb überzeugt, dass ihm die Belegschaft seinen Erfolg gönnt. "Wenn ich mit meinem dicken Mercedes an einem Wartehäuschen vorbeifahre, grüßen mich die Putzer freundlich", erzählt er und strahlt.

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VITA

Hans Wall wird am 17. März 1942 in Künzelsau/Baden-Württemberg geboren. Er studiert auf dem zweiten Bildungsweg Maschinenbau, bricht sein Studium aber nach dem Vordiplom ab und nennt sich seitdem Maschinenbautechniker. Zehn Jahre arbeitet er als Projektleiter für die Trinkwasserversorgung in Ettlingen bei Karlsruhe. Dann steigt er aus und wechselt in die Werbebranche. Mit 34 Jahren gründet er seine Firma für werbefinanzierte Stadtmöbel wie Wartehäuschen für Haltestellen. 1984 verlegt er sie von Ettlingen nach Berlin, als er eine Ausschreibung des Senats für Wartehallen der Berliner Verkehrsbetriebe gewinnt. 1988 startet er in den Niederlanden das Auslandsgeschäft. Anfang 1999 wandelt er sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und übernimmt den Vorstandsvorsitz.

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