Der 61-Jährige ist Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien
Der nimmermüde Provokateur

Eine Karriere als Journalist kam für ihn nie in Frage. Viel lieber macht Wolf-Dieter Ring Medienpolitik. Er provoziert gern mit eigenwilligen Ideen - ab Mittwoch wieder auf den Münchener Medientagen.

MÜNCHEN. Die großen Limousinen vor der Tür der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien fallen auf. Inmitten der tristen Hochhaus-Blöcke von Neuperlach stehen sonst eher Opel und Renaults denn Dienstwagen der Marken Audi und BMW. Doch Wolf-Dieter Ring hat an der ungewöhnlichen Lage und dem damit verbundenen Abstand zu den Zentren der Macht in der feinen Münchener Innenstadt nichts auszusetzen.

Im Gegenteil: Der oberste Medienwächter Bayerns fühlt sich wohl in dem Arbeiterbezirk im Südosten Münchens. Hier kann der 61-Jährige außerhalb des Blickfelds der Ministerialbürokratie ungestört seine kontroversen Ideen ausbrüten.

Ring ist bekannt dafür, immer wieder anzuecken. "Ich bin nicht dazu da, das Harmoniebedürfnis anderer zu befriedigen", betont er selbstbewusst. So befürwortete er in den vergangenen Monaten in einem Frontalangriff auf deutsche Medienpolitiker und Verleger einen Einstieg von Ausländern bei Kirch Media: "Wir brauchen ausländische Investoren, wenn wir eine totale Machtballung vermeiden wollen." Die mit dem Kirch-Verkauf entstandene Wagenburg-Mentalität der Branche ist ihm völlig zuwider.

Der stets korrekt in Anzug und Krawatte gekleidete Medienfunktionär geht gerne in die Offensive, weil er weiß, dass seine Worte Gewicht haben. Dem Musikkanal MTV hat der umtriebige Jurist jüngst die Ausstrahlung der Sendung "Freakshow" verboten, da sie jugendgefährdend sei. "Für den Jugendschutz müssen wir internationale Spielregeln aufstellen", fordert Ring - und lässt damit bei den Sendern die Alarmglocken läuten. Denn neue Gesetze sind das Letzte, was die wirtschaftlich angeschlagene Branche will.

Doch Ring lässt nicht locker. "Wir müssen darüber reden. Ich will keine Stammtischdiskussionen, sondern qualifizierte Debatten." In Diskussionsrunden, wie sie ab morgen auf den Münchener Medientagen stattfinden, macht sich Ring stark dafür, auch das Internet zu überwachen - und erntet dafür Prügel von allen Seiten. Er liebt diese Auseinandersetzungen.

Ring redet gerne, und auf Veranstaltungen wie den Medientagen kann er präsentieren, was sich seine Leute so ausgedacht haben. Die "konzeptuelle Grundlagenarbeit" seiner 60 Mitarbeiter lobt der vor Ideen nur so sprudelnde Jurist in den höchsten Tönen. Für viele seiner Vorschläge wird er von Journalisten und Medienmanagern zwar gerne als der Bürokrat aus dem Elfenbeinturm belächelt. Doch an Ring kommt in Bayern niemand vorbei, der Fernsehen oder Radio machen will. So müssen sich auch große Anbieter wie die Pro-Sieben-Gruppe mit ihm arrangieren.

Der Behördenleiter haut zwar gerne und oft in die Tasten. Doch: "Selbst Journalist zu werden war nie mein Ziel", sagt der gebürtige Wiener, der im Alter von vier Jahren mit seinen Eltern nach München kam. Wenn er schreibt, dann meistens über Medienrecht oder den Rundfunkstaatsvertrag. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo beim Bayerischen Rundfunk hat der eloquente Mann nie in einem Medienunternehmen gearbeitet.

Den Umgang mit Journalisten hat er beim Übervater der CSU, Franz-Josef Strauß, gelernt. Sieben Jahre diente er dem Ministerpräsidenten in der bayerischen Staatskanzlei als Leiter des Referats Medienpolitik. Seither liest er jeden Morgen als Erstes die Bild-Zeitung: "Man muss wissen, was die Leute beschäftigt."

Richtig abschalten kann Ring nie - nicht einmal, wenn er unterwegs ist. In seinen Dienstwagen hat er einen Fernseher einbauen lassen, um das TV-Geschehen im Blick zu behalten. Denn sonst hat der Medienwächter "wenig Zeit zum Fernsehen".

Ring bezeichnet sich selbst als Menschen, der gerne feiert. In München geht denn auch keine Medienparty ohne ihn über die Bühne. Auch auf dem Oktoberfest gibt es nur wenige Tage, an denen er nicht mit Stars und Sternchen anstößt. Den Tennisplatz nutzt er sonntags abends oft, um sich mit der lokalen Film- und Fernsehprominenz zu messen. Und fast jedes Wochenende steht der verheiratete Vater zweier Kinder vor einer Tafel und unterrichtet: als Studienleiter der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing, an der Bayerischen Akademie für Fernsehen und an der Universität München.

Viele Medienmacher halten Ring für einen Berufsoptimisten. Solche Leute sind rar geworden in Zeiten, in denen viele nur noch schwarz sehen.

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VITA

Wolf-Dieter Ring wird in Wien geboren. Er zieht aber mit seinen Eltern im Alter von vier Jahren nach München um, wo er später Jura studiert. Nach der Promotion arbeitet er beim Verein der Bayerischen Chemischen Industrie, von 1975 bis 1978 für den Bayerischen Rundfunk und dann unter Franz Josef Strauß in der bayerischen Staatskanzlei. Seit 1985 ist Ring bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und seit 1990 deren Präsident.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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