Der 63-Jährige gab der UNO ihre Glaubwürdigkeit zurück
Kofi Annan: Der Ghanae mit der entschlossenen Höflichkeit

Seine Stimme ist so leise, dass man sie kaum vernimmt - trotzdem oder gerade deshalb wird Kofi Annan gehört, wenn er etwas zu sagen hat. Der UN-Generalsekretär, der am Freitag den Friedensnobelpreis zugesprochen bekam, überzeugt durch Höflichkeit und Zurückhaltung.

afp NEW YORK. Und mit diesem Auftreten hat er die UNO nach einhelliger Einschätzung von Diplomaten, Politikern und Mitarbeitern wieder zu einer respektierten Organisation gemacht. Denn bei aller äußeren Sanftheit hat der 63-jährige Ghanaer nie einen Zweifel an seiner Entschlossenheit und seinen Prioritäten gelassen.

Besonders deutlich wurde dies bei einer Aktion, die als sein größter Erfolg gilt. Annan war 1997 als "Mann der Amerikaner" in das Amt des Generlsekretärs gewählt worden - aber schon ein Jahr später reiste er gegen den Willen Washingtons zu einer Vermittlungsmission nach Bagdad und verhinderte so einen weiteren Golfkrieg. Auch in anderen Bereichen hat Annan seine Prioritäten durchgesetzt: Er erklärte die Immunschwächekrankheit Aids zu einer Bedrohung der Weltsicherheit und somit zu einer wichtigen Aufgabe der Vereinten Nationen. Er leitete Strukturreformen der Organisation ein, um überflüssige Bürokratie abzubauen und die UNO den Menschen näher zu bringen.

Annan spart nicht mit Selbstkritik

Nach seiner Wahl für eine zweite Amtszeit, bei der Annan nicht nur die afrikanischen, sondern auch die asiatischen Staaten und die Großmächte hinter sich hatte, erklärte er sein Ziel für die nächsten fünf Jahre: "Dass sich alles, was wir tun, immer um die Menschen dreht." Wo das nicht gelingt, spart der Diplomat auch nicht mit Selbstkritik: Die Debakel der UNO in Bosnien und Ruanda hat er offen eingestanden und für die Friedensmissionen die Konsequenzen gezogen - sie konzentrieren sich wieder mehr auf den Schutz der Zivilbevölkerung.

"Er ist ausnahmslos der beste Generalsekretär in der Geschichte der Vereinten Nationen», sagt der frühere UN-Botschafter der USA, Richard Holbrooke. Jedenfalls hat Annan die UNO sozusagen von der Pike auf gelernt: Er steht seit 1962 im Dienst der Organisation. Er arbeitete unter anderem für die Wirtschaftskommission für Afrika, die Weltgesundheitsorganisation und das Flüchtlingshilfswerk UNHCR. 1987 kam er in die Zentrale nach New York und arbeitete sich bis zum stellvertretenden Generalsekretär hoch. Vor seiner Wahl zum Generalsekretär leitete er die UN-Friedensmissionen.

Geschickt auf der politischen Bühne

Auch politisch hat der Ghanaer gelernt, mögliche Klippen geschickt zu umschiffen. So hält er sich mit Kritik an den USA und vor allem an deren Irak-Politik neuerdings sehr zurück. Und auch die Angriffe auf Afghanistan hat der Generalsekretär gebilligt, allerdings dazu aufgerufen, auf Zivilisten Rücksicht zu nehmen.

Geboren wurde Annan am 8. April 1938 im ghanaischen Kumasi. In seiner Heimatstadt studierte er an der Universität für Wissenschaft und Technologie, sein Grundstudium der Wirtschaftswissenschaften schloss er in St.Paul im US-Bundesstaat Minnesota ab. Annan ist seit 1984 mit der Schwedin Nane Annan verheiratet und hat drei Kinder.

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