Der 64-Jährige war schon einmal Regierungschef
Silvio Berlusconi: Der eitle Medienmogul scheidet die Geister

Für seine Kritiker ist Silvio Berlusconi der ewige Latin Lover, ein grinsender Nachtclubsänger mit falscher Sonnenbräune und einer bewegten Vergangenheit. Seine Bewunderer sehen in dem Spitzenkandidaten des Mitte-Rechts-Bündnisses Haus der Freiheit den unternehmerischen Atem, der frischen Wind in die muffigen Regierungsbüros bringen könnte.

Reuters ROM. Er selbst scheint sich für unwiderstehlich und den Traum aller Frauen zu halten. Stolz auf seinen Geschäftssinn, hat der Medien-Magnat keine Probleme mit dem Ruf, er mache aus dem Privatfernsehen eine billige Massenware.

Berlusconi, der 1994 sieben Monate lang Regierungschef war, ist einer der reichsten Männer Italiens. Sein erklärtes Jahreseinkommen liegt bei umgerechnet 15 Millionen Mark. Sein Vermögen wird auf 24 Milliarden Mark geschätzt, womit er zu den 25 reichsten Menschen der Welt gehören dürfte.

Zu seinem Familien-Firmenimperium gehören unter anderem drei landesweite Fernsehsender, die größte Werbeagentur des Landes, ein Warenhauskonzern, eine Film-Produktions- und Verleihfirma, Immobilien und der Fußballclub AC Mailand.

Justiz ermittelte nicht erst einmal gegen Berlusconi

Berlusconi ist in der Vergangenheit einige Male ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten, vor allem wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung. Die Ermittlungen führten bislang nicht zu Strafverfahren, und Berlusconi verstand es, sie werbewirksam zu seinem Vorteil umzumünzen. Die Italiener bewundern traditionell jene Landsleute, die Vorschriften in ihrem Sinne umgehen. Berlusconi konnte sich daher in ihren Augen als Kämpfer gegen penetrante Ermittler und Bürokraten darstellen.

Dynamisch und optisch verjüngt lächelt Berlusconi von den Plakaten zur Parlamentswahl am Sonntag - das Erscheinungsbild eines Mannes Mitte 50; tatsächlich ist er 64 Jahre alt.

Geboren wurde Silvio Berlusconi als Sohn eines Bankangestellten und einer Hausfrau am 26. September 1936 in Mailand. Seinen Geschäftssinn entwickelte er bereits früh. In der Internatsschule organisierte er ein Hausaufgaben-Netzwerk, mit dem er gegen geringe Gebühr die Hausarbeiten-Probleme weniger begnadeter Mitschüler löste.

Ein Mann mit vielen Talenten

Er studierte dann Jura an der Mailänder Universität, wo er Bettino Craxi kennen lernte. Der sozialistische Politiker wurde später Pate einer Berlusconi-Tochter sowie einer der machtvollsten und wohl auch korruptesten Ministerpräsidenten des Landes.

Als Sänger schmalziger Schlager tingelte Berlusconi im weißen Smoking auf Kreuzfahrschiffen und sicherte sich so sein Auskommen während des Studiums. Auch als Staubsauger-Vertreter versuchte er sich kurzzeitig. Mit 23 Jahren war er bereits General-Manager eines Bauunternehmens, mit dem er erfolgreich auf der Welle des Immobilienbooms im Mailand der 60er Jahre ritt.

In den 70er Jahren profitierte Berlusconi von der staatlichen Deregulierung des Fernsehmarktes. Er begann mit einem kleinen Einkaufskanal in Mailand. Bis 1986 brachte er rund 80 Prozent des italienischen Privatfernsehens unter seine Kontrolle.

Berlusconi gilt als extrem eitel

Berlusconi hat mit seiner ersten Frau zwei Kinder. 1985 ließ er sich scheiden und heiratete später die Schaupielerin Veronica Lario, mit der er drei Kinder hat. Er wird als extrem eitel beschrieben und führt einen fast feudalen Lebensstil mit Palästen und Villen im ganzen Land. In einer Talkshow pries Berlusconi sich kürzlich selbst in den höchsten Tönen und forderte den Moderator schließlich auf, den Duft seines parfümierten Handgelenks zu schnuppern. "Wissen Sie, was das ist?", fragte er mit einem vielsagenden Lächeln und antwortete selbst: "Göttlichkeit". Niemand war sich sicher, ob er einen Witz machte.

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