Der 66-Jährige ist wieder Chef des US-Konzerns Honeywell International
Lawrence Bossidy: Neuer Einsatz für alten Haudegen

Honeywell steht nach der geplatzten Fusion mit General Electric vor einem Scherbenhaufen. Jetzt soll der 66-jährige Lawrence Bossidy den US-Konzern für neue Partner fit machen.

Ein Kämpfer war er schon als Schuljunge. Lawrence Bossidy ist neuer Chef bei Honeywell International. Nun braucht er sein Durchsetzungsvermögen, um den angeschlagenen Mischkonzern mit Sitz in Morristown im US-Bundesstaat New Jersey wieder auf Kurs zu bringen. Bossidy ersetzt den glücklosen Michael Bonsignore. Der musste zurücktreten, kurz nachdem die europäischen Wettbewerbshüter die Übernahme von Honeywell durch General Electric (GE) mit einem Veto blockiert hatten.

Die Probleme, die auf den 66 Jahre alten Bossidy zukommen, hat er sich nach Einschätzung von Analysten größtenteils selbst eingebrockt. Vor etwa zwei Jahren fädelte er als Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Autozulieferers Allied Signal eine Fusion mit Honeywell ein. Die beiden Unternehmenskulturen erwiesen sich aber als zu unterschiedlich. Bossidy gab schon vier Monate später den Vorsitz bei Honeywell wieder auf.

Jetzt, gut ein Jahr später, muss "The Terror of Western Massachusetts" (Der Schrecken aus dem Westen Massachusetts), wie er von seinen Mitschülern wegen seiner kompromisslosen Kämpfernatur genannt wurde, Honeywell ins Fahrwasser zurückführen.

Top-Manager wandern ab

Das ist nicht leicht: Der Konzern musste in diesem Jahr schon die vierte Gewinnwarnung herausgeben, allein im ersten Quartal lagen die Gewinneinbußen bei 92 Prozent. Und Topmanager haben den Konzern wegen der Fusionsgespräche mit GE bereits verlassen - oder stehen kurz davor.

"Eine meiner wichtigsten Aufgaben wird es sein, diese Leute zu halten", kündigte Bossidy unmittelbar nach seiner Benennung an. Immerhin hat er sich schon auf seine neue Aufgabe vorbereitet, denn vor drei Wochen führte er erste Gespräche mit dem Aufsichtsrat. Da hoffte sein Vorgänger Bonsignore noch auf ein glückliches Ende der Fusionspläne mit GE.

Bereits einmal hat Bossidy ein Unternehmen mit harter Hand wieder auf Kurs gebracht. Als er vor zehn Jahren bei Allied Signal begann, trennte er sich von 27 000 Mitarbeitern und verkaufte Verlust bringende Geschäftsbereiche. Zahlreiche Manager, die Bossidy für unfähig hielt, ihn als Vorstandschef zu beerben, schickte er gleich hinterher.

Den Aktionären hingegen lieferte er mit seinen Sparprogrammen hohe Renditen - und verdiente selbst ganz gut mit: Er kassierte mehr als fünf Millionen Dollar in seinen letzten Jahren als Vorstandschef. Gleich zweimal wurde er zum Manager des Jahres gekürt.

Bossidys Karriere dreht sich quasi im Kreis

Bossidys Karriere dreht sich seit seinem Studienabschluss vor 44 Jahren quasi im Kreise. Als Trainee hat er bei GE begonnen und sich bis zum stellvertretenden Chairman hochgearbeitet. Mit dem GE-Boss Jack Welch verbindet ihn seither eine enge Freundschaft.

Diese könnte aber auf eine harte Probe gestellt werden. Denn als Chef von Honeywell zieht Bossidy nun rechtliche Schritte gegen GE in Erwägung. Im Fusionsvertrag war eine Klausel enthalten, die "größtmögliche Bemühungen" zur Durchsetzung der Fusion fordert. Um die Interessen der eigenen Aktionäre zu wahren, hat Honeywell den Staranwalt David Boies engagiert. Der soll jetzt prüfen soll, ob GE nicht etwas zu früh die Lust an der Fusion verloren hat.

"Ich bin mit Herz und Seele bei Honeywell verwurzelt", sagt Bossidy über seinen alten und neuen Arbeitgeber. Allerdings strebt er dort nach eigenen Worten keine erneute Karriere an. Vielmehr möchte er dem Konzern innerhalb eines Jahres - länger läuft sein Vertrag nicht - die alte Stabilität zurückgeben. Danach denkt er daran, Honeywell vielleicht zu verkaufen.

Das wird für Lawrence Bossidy nicht einfach. Nicholas Heymann, Analyst bei Prudential Securities, beschreibt die große Herausforderung sportlich: "Es ist so, als würde man Lawrence Tennisschuhe in die Hand drücken und ihm danach alles Gute beim Besteigen des Mount Everest wünschen."

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