Der 68-Jährige ist Chef von Deutschlands größter Spielzeugfabrik
Horst Brandstätter: Der König von Playmobil hat sein Reich bestellt

Mit den unverwüstlichen bunten Plastikfiguren schuf Brandstätter während der Ölkrise 1974 das erfolgreichste deutsche Spielzeug. Allmählich will der 68-Jährige abdanken.

Seine kleinen bunten Plastikfiguren kennt in Deutschland jedes Kind, er ist Chef der größten deutschen Spielwarenfabrik. Doch mit Kunststoff-Sandaletten an den Füßen, einem schlichten Polo-Shirt mit Playmobil-Logo und einem Aktenkoffer aus Pappe sieht Horst Brandstätter nicht gerade aus wie ein millionenschwerer Unternehmer. Lediglich das Modell seiner Yacht, die im Mittelmeer vor Anker liegt, signalisiert einen gewissen Wohlstand.

Nur ein paar seiner Kinderzimmerhelden verlieren sich in dem geräumigen Büro, das sich Brandstätter mit seinem Berner Sennenhund teilt.

Eine zierliche, etwas schüchtern wirkende Frau sitzt an diesem Tag vor dem riesigen Schreibtisch des Patriarchen. Die Beine übereinander geschlagen, das Notizbuch in der Hand, hört Angelika Schauer dem freundlichen, älteren Herrn fast andächtig zu. Vom Altersunterschied her - Brandstätter ist 68 , Schauer 42 - könnte sie seine Tochter sein. Seine frühere Marketing-Leiterin hat Brandstätter auserkoren, einmal seine Nachfolgerin zu werden. "Eine tolle Frau", lobt der Playmobil-Chef und fährt minutenlang fort, Schauers Stärken zu preisen.

Brandstätter ist sichtlich froh, die Leitung des Unternehmens künftig in andere Hände geben zu können. Seit elf Jahren schon verbringt der Erbe der 125 Jahre alten Firma Geobra Brandstätter die Winter im sonnigen Florida - und steuert das Unternehmen von dort mit seitenlangen Fax-Anweisungen. Der Dauer-Urlaub, sagt er, diene auch einem pädagogischen Zweck: "Der wichtigste Effekt meiner halbjährigen Abwesenheit ist, die Firma reif zu machen für eine Zukunft ohne mich."

Playmobil ohne Brandstätter kaum vorstellbar

Dennoch: Playmobil ohne Brandstätter ist für die meisten Beobachter der Spielwarenbranche nicht vorstellbar. Vor 27 Jahren hat der gelernte Formenbauer zusammen mit seinem Entwickler Hans Beck das erfolgreichste deutsche Spielzeug der vergangenen Jahre entwickelt. "Aus einer Zwangslage heraus", wie er heute aus dem Gefühl des Erfolgs zugibt, weil die schwere Ölkrise Anfang der siebziger Jahre das Plastik verarbeitende Unternehmen in den Ruin zu treiben drohte.

Mit den unverwüstlichen, bunten Kinder-Figuren schufen die beiden Männer eine renditestarke und - wie sich mit den Jahren zeigte - konjunkturunempfindliche Einnahmequelle. Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz der Geobra Brandstätter GmbH um vier Prozent auf 534,4 Millionen Mark und übertraf damit sogar den bisherigen Rekord aus dem Jahr 1998.

Um die Existenz des Unternehmens muss Brandstätter jedenfalls nicht mehr kämpfen. Im Gegenteil: Playmobil wächst und wächst und mit ihm die Gelassenheit des Firmenchefs. "Wir haben uns immer relativ bescheiden verhalten", verrät Brandstätter sein Erfolgsgeheimnis. Der Stolz auf die eigene Leistung ist freilich nicht zu überhören. "Meine Leute haben noch keine Entlassungen miterleben müssen", benennt der stets braun gebrannte Mann den Unterschied zu den meisten anderen Spielzeugfabriken hier zu Lande. Überhaupt sei es ihm ein Anliegen, "meinen Mitarbeitern optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen."

In der Tat: Die Firmenzentrale in Zirndorf in der Nähe von Nürnberg ist ein Prachtstück von Bürobau - weitläufig, offen, modern. "Fast immer"weit offen stehe auch die Tür zu Brandstätters Büro, betonen seine Mitarbeiter.

Brandstätter weiß die angenehmen Seiten des Lebens zu genießen

Die langen Aufenthalte in Florida, die schicke Yacht im Mittelmeer, der Playmobil-Chef weiß die angenehmen Seiten des Lebens zu genießen. Auch wenn er in Franken ist, sitzt Brandstätter nur noch morgens am Schreibtisch. Jeden Mittag steht er mit dem Schläger in der Hand auf dem Golfplatz.

Doch das Unternehmen kommt dabei nicht zu kurz: Derzeit investiert Brandstätter Millionen aus seiner Privatschatulle in sein Lieblingsprojekt - den so genannten Fun-Park, ein riesiges Playmobil-Kindergelände gleich neben der Firmenzentrale. "Keine Karussels, nur Sachen, die die Sinne anregen", will er dort realisieren.

Das ist aber nicht die einzige Zukunftsvorsorge, die Brandstääter betriebt: Damit Playmobil nicht völlig vom stagnierenden Spielwaren-Markt abhängig ist, baut er gerade eine Fabrik zur Produktion von Pflanzenkübeln aus Plastik.

Die riesigen Stapel im Lager lassen allerdings befürchten, dass die gelernte Marketing-Expertin Schauer viel Phantasie braucht, um das neue Spielzeug ihres Chefs an den Mann zu bringen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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