Der 74-Jährige ist Chef der gleichnamigen Schuhfilialkette
Heinz-Horst Deichmann: Der Schuh-Verkäufer mit dem mildtätigen Herzen

Er gehört zu den Exoten unter den Firmenchefs: Heinz-Horst Deichmann ist Missionar und Unternehmer. Mit Millionenbeträgen unterstützt er Hilfsprojekte in Entwicklungsländern. Das Geld verdient er mit seinem wachsenden Imperium für Billigschuhe.

"Gott liebt diese Welt, Jesus löst den Fluch auf, segnet uns aus der gnädigen Macht der Liebe des Gottes, um dessen Segen wir wieder und wieder bitten dürfen." Diese Worte stammen nicht etwa aus einer Sonntagspredigt. So spricht vielmehr der Chef und Inhaber von Europas größter Schuhkette Deichman zu seinen Mitarbeitern in der Hauszeitschrift "intern".

Heinz-Horst Deichmann ist ein Exot in Deutschlands Führungsetagen. Der 74-Jährige mit dem weißen, zurückgekämmten Haar ist Missionar und Schuhverkäufer in einer Person. Am liebsten redet der Mann mit der leisen, fast ein wenig schüchternen Stimme über seine Entwicklungshilfeprojekte. "Es geht darum, in der Nachfolge Christi den Armen Brot zu geben und Kranke zu heilen", erläutert Deichmann seine Mission bei einem Gespräch in der Essener Firmenzentrale und strahlt seinen Besucher an, als wolle er ihn gleich bekehren.

Eine Gesellschaft für gute Taten

Für seine guten Taten hat Deichmann eine Gesellschaft gegründet, die Wort & Tat Allgemeine Missions e.V., -Gesellschaft Essen. Sie habe in den vergangenen 25 Jahren "rund 100 Millionen Mark" in Schulen und Krankenhäuser in Indien und Afrika investiert, schätzt der spendable Firmenchef, der mit seiner Gattin Ruth regelmäßig nach Indien reist.

Der Missionar ist die eine Seite von Heinz-Horst Deichmann. Die andere ist der Großunternehmer, der das Geld für seine mildtätigen Projekte mit seinem Schuh-Imperium verdient. Dazu gehören die Billigläden von Deichmann und die Markenschuh-Kette Roland in Deutschland, Ochsner in Österreich, Dosenbach in der Schweiz, Van Haren in den Niederlanden und Rack Room Shoes in den USA. Die Gruppe machte voriges Jahr mit über 19 000 Mitarbeitern mehr als 3,8 Milliarden Mark Umsatz.

Und der Gewinn? Da hält sich Deichmann bedeckt. "Wir sind ganz gut zufrieden", merkt er an. "Da ich kein gelernter Kaufmann bin", kokettiert der Erfolgsunternehmer, "bezeichne ich das Ergebnis als betriebsnotwendigen Gewinn".

Von Krediten hält Deichmann nichts

Der ist anscheinend hoch genug, damit das 88 Jahre alte Familienunternehmen aus eigener Kraft wachsen kann. Denn von großen Krediten hält er nicht viel: "Ich bin da etwas altertümlich." Im Herbst will er die ersten elf Läden in Großbritannien eröffnen.

Ursprünglich hatte Deichmann mit Schuhen nicht viel im Sinn. Als junger Mann will er Arzt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg studiert er in Bonn und Düsseldorf Medizin und Theologie. Nebenbei hilft er der Mutter, die das vom Vater gegründete Schuhgeschäft in Essen führt, die zwei ersten Filialen in Düsseldorf zu beliefern.

Doch 1956 entscheidet sich der angehende Facharzt für Orthopädie für eine Karriere als Unternehmer. Er macht aus dem kleinen Schuhhändler einen internationalen Konzern, der heute in Deutschland rund 900 Filialen unterhält. Seine Strategie: Billigschuhe für das Massenpublikum. "Ich habe einen fast missionarischen Eifer, möglichst vielen Menschen gute Schuhe zu günstigen Preisen anzubieten", verrät er. Mit seiner aggressiven Preispolitik macht er den Einzelhändlern das Leben schwer und hat Erfolg. Deichmann hat seinen Umsatz dieses Jahr gesteigert, aber der Gesamtmarkt stagniert.

An den Ruhestand denkt der Firmenchef noch nicht

Immer wieder tauchen Vorwürfe auf, der Aldi der Schuhbranche lasse seine Ware in asiatischen Fabriken unter fragwürdigen Bedingungen fertigen. Deichmann versichert, dass es immer schon Schutzklauseln gegeben habe. Außerdem hat er vor drei Jahren begonnen, mit Partnern Sozial- und Umweltstandards für die Werke in Indien zu formulieren und umzusetzen.

Denkt der Firmenpatriarch noch nicht an den Ruhestand? "Nein, mir macht meine Arbeit immer noch viel Freude", sagt Deichmann. Er gilt als jemand, der seine Filialen mit harter Hand führt, aber seinen Mitarbeitern viele außertarifliche Sozialleistungen wie einen Gesundheitsurlaub gewährt.

Aber den Großteil des Tagesgeschäfts hat der Senior bereits in die Hände seines 38-jährigen Sohnes Heinrich und von fünf familienfremden Managern gelegt; die anderen drei Kinder sind nicht im Unternehmen tätig.

Heinz-Horst Deichmann, der früher einmal in einem Streichquartett gespielt hat, findet so mehr Zeit zum Bergwandern und Skifahren. Und er hat genug Muße für den Bibelkreis, zu dem er die freikirchlich-evangelische Gemeinde einmal pro Woche in sein Haus nach Velbert bei Düsseldorf einlädt.

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