Der älteste italienische Hersteller von Füllfederhaltern ist Kult in Kennerkreisen
Ein mythisches Schreibgerät

Montegrappa – das ist mehr als ein Füller. Es ist ein Mythos. Der älteste italienische Hersteller von Füllfederhaltern ist Kult in Kennerkreisen.

BASSANO DEL GRAPPA. 950 000 Euro für einen Stift? Diese stolze Summe wird hinblättern müssen, wer ein bei Harrods angepriesenes Schreibgerät der Marke Montegrappa erwerben will. Was in London über den Ladentisch gehen soll, ist allerdings auch alles andere als ein gewöhnliches Schreibinstrument: Der "Friedensfüller" trägt 859 Diamanten mit einem Gewicht von 48 Karat.

Montegrappa - das ist mehr als ein Füller. Es ist ein Mythos. "Ich bin ein Junge aus dem Veneto - vom Piave." So schrieb Ernest Hemingway einst während des ersten Weltkriegs aus Italien. Hier, am Fluss, direkt hinter der Fabrik, an diesem hart umkämpften Ort der italienisch-österreichischen Front.

Wie viele seiner Kameraden dürfte der Schriftsteller seine Gedanken und Gefühle mit einem Stift aus jener Manufaktur zu Papier gebracht haben, die damals noch Elmo hieß und 1947 in Montegrappa umfirmierte. Deshalb grüßt heute ein Hemingway mit Bart und melancholischen Augen auf einem überdimensionalen Foto in der Eingangshalle die Besucher der Firma.

"Wahrer Luxus hat Geschichte", raunt Sergio De Bon, Geschäftsführer des vielleicht edelsten Schreibgeräteherstellers der Welt. Auch wenn die Hemingway-Geschichte nicht belegt ist - auf jeden Fall ist Montegrappa die älteste italienische Fabrik für Füllfederhalter und Stifte.

Da alles Exklusive auch rar sein muss, werden pro Jahr nur rund 20 000 Füllfederhalter und ebenso viele Kugelschreiber hergestellt. Während die Basislinie mit ihren klassischen Designs bei Preisen zwischen 200 und 700 Euro mit Produkten von Montblanc oder Omas im Wettbewerb stehen, ist die Spitze der Produktion - die limitierten Editionen mit höchstens 8 000 Stück pro Jahr - eine Klasse für sich.

So gab es zum Heiligen Jahr einen Füllfederhalter, auf dem originalgetreu die Alabasterfenster im Chor der Peterskirche in Rom nachgebildet sind; als Clip fungiert der Schlüssel Petri, das Symbol des Vatikans. Zur Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 2002 hat Montegrappa einen Füller herausgegeben, auf dem in Gold und Brillanten die Euro-Zone abgebildet ist.

"Ich bin nicht größenwahnsinnig, aber richtige Konkurrenz kennen wir nicht", sagt De Bon selbstbewusst mit einem Blick in die Fertigung, die er von seinem Büro durch ein Fenster beobachten kann. Diese als Fabrik zu bezeichnen, wäre indes irreführend. Sie erinnert vielmehr an eine Manufaktur aus längst vergangenen Zeiten.

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