Der äußere Druck verstärkt den inneren
Die schwachen Nerven der Stars

Viele Favoriten haben in Athen bisher enttäuscht - sie können mit den hohen Erwartungen nicht umgehen.

ATHEN. Jeder Schlag eine kraftvolle Demonstration. Oberkörper vor, die muskulösen Beine gegen das Brett stemmen, Skulls durchziehen, auspendeln. Elegant und schnell glitt das Boot übers Wasser. Im Ziel streckte Marcel Hacker seine Fäuste in die Höhe, aber eher so, als würde er lässig winken. Der Ruderer hatte einfach zu souverän am Donnerstagmorgen dieses Einer-Finale gewonnen. Nur eines störte: Es war das B-Finale.

Ins A-Finale hatte es der WM-Zweite von 2002 am Tag zuvor nicht geschafft. Im Halbfinale blamierte er sich mit Platz drei. "Mein Kopf hat nicht mitgemacht. Ich war fest wie Beton", hatte er nach dem Rennen gesagt. Bei vielen hat der Kopf nicht mitgemacht. Astrid Kumbernuss, die dreimalige Weltmeisterin im Kugelstoßen: ausgeschieden im Vorkampf. Hannah Stockbauer, fünfmalige Weltmeisterin im Schwimmen: gestern wieder im Vorlauf gescheitert, Franziska van Almsick: nur Fünfte über 200 m Freistil.

Warum glänzen Athleten bei Weltmeisterschaften und versagen bei Olympia? "Weil Olympische Spiele etwas ganz anderes sind", sagt Petra Dallmann, Staffel-Weltmeisterin und-Europameisterin im Schwimmen. "Der Druck ist viel größer. Du spürst eine ganz andere Aufmerksamkeit." Zu Hause, in Heidelberg, gibt sie ab und zu der Lokalzeitung ein Interview. "Hier hatte ich bereits fünf Zeitungs- und zwei Fernsehinterviews."

Der äußere Druck verstärkt den inneren. Dallmann hatte ihr Medizinstudium für Athen unterbrochen. Vor der WM 2003 in Barcelona hatte sie noch normal weiterstudiert. "Ich habe so viele Partys um Mitternacht verlassen, ich habe auf so vieles verzichtet, ich habe mich so sehr auf jede Trainingseinheit konzentriert, da möchtest Du einfach eine Gegenleistung." Und dann droht die Verkrampfung.

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