Der Aktienhandel wird freier und fairer
Neue Euro-Stoxx-Gewichtung trifft deutsche Traditionsunternehmen hart

Börsenexperten sind sich einig: Im Sinne einer modernen und freien Aktienkultur haben die Aktienindex-Entwickler Stoxx Limited in Europa und der US-amerikanische Wirtschaftsverlag Dow Jones richtig entschieden. Die Gewichtung der von ihnen betreuten Indizes künftig nach der freien Handelbarkeit der Aktien auszurichten ist gerecht. Ganz im Sinne des Shareholder-Value-Gedankens profitieren die Unternehmen, deren Aktien im freien Markt täglich handelbar sind. Denn nur diese Firmen geben sich dem Risiko der Marktkräfte bis hin zu einer feindlichen Übernahme hin.

Ungerecht ist die bisherige Lösung, allein die Marktkapitalisierung als Richtlinie für eine Gewichtung in einem Index zu nehmen. Dadurch sind die kapitalstarken Fonds gezwungen, viele Aktien der Deutschen Telekom oder der Allianz in ihrem Depot zu halten. Die entsprechenden Werte verteuern sich überproportional, da auf dem Markt nur verhältnismäßig wenige Aktien gehandelt werden, solange ein Großteil im festen Besitz des Staates oder einzelner Großbanken liegt. Weil sich immer mehr Anleger für indexorientierte Fonds entscheiden und dementsprechend immer mehr Geld an die Börse geführt wird, droht sich die Spirale weiter fortzusetzen.

Die nationalen Börsen haben noch nicht entschieden, welches System sie favorisieren. Die Vor- und Nachteile beider Systeme sprechen aber dafür, dass auch die Deutsche Börse dem Beispiel von Dow Jones und Stoxx Limited folgen wird. Für eine Umstellung spricht auch die Haltung der großen institutionellen Investoren. Als wichtigste Kunden der Indexbetreiber drängen sie seit langem auf eine Reform. Nicht unwesentlich bei der Entscheidungsfindung ist schließlich, dass Stoxx Limited ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse AG, der Dow-Jones-Company sowie der Börsen Schweiz und Paris ist. Es ist kaum vorstellbar, dass Frankfurt einen Sonderweg einschlägt und das alte Modell beibehält.

Dass sich die Deutschen noch bedeckt halten, verwundert nicht. Keinesfalls möchte die Deutsche Börse den Eindruck erwecken, blind den Kollegen zu folgen. Jetzt gilt es, die Großen wie Allianz und Münchener Rück oder Deutsche und Dresdner Bank zu besänftigen. Sie leiden unter einer Umstellung, da sich ihre vielen Überkreuzbeteiligungen im Wert verringern.

Sollte Frankfurt aber, wie von allen Börsenexperten erwartet, die Gewichtung des Deutschen Aktienindexes (Dax) nach dem neuen Prinzip ausrichten, werden gestern noch verschonte Unternehmen Kursverluste hinnehmen müssen: Firmen, die nicht in den Stoxx-Indizes, aber im Dax notiert sind. Die 46-prozentige Beteiligung der Quandt-Familie wird BMW das Leben ebenso schwer machen wie der 20-prozentige Anteil des Landes Niedersachsen an VW.



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