"Der Aktienmarkt ist übernervös"
Zitterpartie an den deutschen Börsen - Nemax 50 leichter

Der deutsche Aktienindex Dax kletterte um 0,49 % auf 6 696,91 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verloren um 1,18 % auf 3 562,97 Zähler.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Zitterpartie an den deutschen Börsen geht weiter: Nach ansehnlichen Gewinnen im frühen Handel am Montag, verloren die Anleger wieder ihre Nerven. "Der Aktienmarkt ist übernervös", sagte ein Händler. Ein kleiner Anstoß reiche aus, um die Unsicherheit wieder aufflackern zu lassen.

Konnte zunächst die Meldung vom Erfolg des Präsidentschaftskandidaten George W. Bush in Florida den internationalen Börsen Auftrieb geben, so sorgten Kursabgaben im späten amerikanischen Handel für überstürzte Verkäufe. "Die Anleger versuchen nach den schlechten Erfahrungen in den vergangenen Wochen ihre Gewinne so schnell wie möglich zu sichern", erläuterte der Händler.

Der deutsche Aktienindex Dax kletterte um 0,49 % auf 6 696,91 Zähler. Im MDax stiegen die Nebenwerte um 0,22 % auf 4 779,52 Punkte. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verloren um 1,18 % auf 3 562,97 Zähler. Der Dow Jones zog in New York um 0,90 % an, während die NASDAQ zuletzt um 0,53 % auf 2 888,90 Zähler verlor.

Für Aufregung sorgten am Neuen Markt Gerüchte über den Medienwert EM.TV. Am Wachstumsmarkt kursierten Spekulationen, die Boulevardzeitung Bild werde in ihrer Dienstagsausgabe die Insolvenz des Unternehmens melden. Die Bild-Zeitung dementierte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa-AFX einen entsprechenden Bericht. "Auch EM.TV hat bestätigt, dass an dem Gerücht nichts dran ist", sagte ein Händler. Er schloss nicht aus, dass die Spekulationen gezielt gestreut wurden. "Am Neuen Markt ist zur Zeit Märchenstunde", fügte er hinzu. Dennoch hatten die Märchen Wirkung: Die Spekulationen über EM.TV seien ein gewichtiger Grund für die Verluste im späten Handel gewesen, sagte ein anderer Händler. EM.TV verloren um 7,70 % auf 22,43 Euro.

Ruhiger ging es im Dax-Handel zu: Auf der Gewinnerseite standen Technologietitel. Zu den Top-Werten gehörten Infineon mit einem Gewinn von 3,85 % auf 51,20 Euro. Zu den Verlierern gehörten dagegen Schering mit minus 2,03 % auf 67,89 Euro. Die Investmentbank Commerzbank Securities hatte das Papier des Unternehmens auf "halten" abgestuft. Nach einer sehr guten Kursentwicklung in diesem Jahr sei nunmehr Vorsicht angebracht, begründen die Analysten.

Autowerte notierten überwiegend fest. Volkswagen schafften mit einem Gewinn von 4,55 % auf 57,95 Euro in den letzten Handelsminuten den Sprung an die Dax-Spitze. BMW legten um 1,63 % auf 35,53 Euro zu. Dagegen gaben Daimler-Chrysler erneut ab und fielen um 1,62 % auf 47,29 Euro.

Unter Druck gerieten nach Vorlage von Unternehmenszahlen auch Karstadt-Quelle . Das Papier des Einzelhandelskonzerns gab um 0,62 % auf 38,25 Euro ab. Ein Analyst nannte Gewinnmitnahmen nach den Quartalszahlen als Auslöser. Die Zahlen seien "gar nicht so schlecht" ausgefallen, sie seien aber noch nicht der Beweis dafür, dass das im Oktober vom neuen Vorstandschef Wolfgang Urban angekündigte Sparprogramm bereits wirke.

Die europäischen Börsen notierten überwiegend fester, so auch London und Paris. Der EuroStoxx50 stieg um 0,1 % auf 4 945,34 Zähler.

Der Rentenmarkt tendierte höher. Der Bund-Future zehnjähriger Staatsanleihen kletterte um 0,1 % auf 106,44 Punkten. Der Rentenindex REX stieg ebenfalls um 0,1 % auf 110,69 Zähler. Die Deutsche Bundesbank stellte die Umlaufrendite bei 5,17 % (Vortag: 5,15) fest.

Der Euro schaffte den Sprung über die 85 US-Cent-Marke und kostete 0,8524 $. Der $ lag bei 2,2952 DM.

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