Der angeschlagenen Finanzkonzern benötigt laut Vorstandschef Vetter keine weitere Kapitalspritze vom Land
Bankgesellschaft wird nur im Ganzen verkauft

Der seit gut einem drei Viertel Jahr amtierende Vorstandschef der maroden Bankgesellschaft Berlin, Hans-Jörg Vetter, geht davon aus, dass "die Sparkasse oder Teile des Konzerns isoliert" verkauft werden. Das sagte er der Berliner Zeitung. Bis zum Herbst will das Land Berlin entscheiden, wer den Zuschlag für die vom Land gehaltenen 81 % an der Bankgesellschaft erhält.

po FRANKFURT/M. Für das Paket liegen nach Ablauf der Bieterfrist in der vergangenen Woche drei "indikative" Angebote vor. Diese stammen von der Investorengruppe BGB Capital Partner, in der sich die beiden einstigen Rivalen Texas Pacific Group - eine US-amerikanische Investorengruppe - und Christopher Flowers zusammengeschlossen haben, vom Pensionsfonds Lone Star sowie dem US-Investor Wilbur Ross. Aber auch der Sparkassensektor, der lediglich eine Interessenbekundung abgegeben hatte, werde bei der Entscheidung, wer den Zuschlag erhalten solle, berücksichtigt werden, hatte Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin vergangene Woche nach Ablauf der Bieterfrist angekündigt. Bis Ende diesen Jahres wolle das Land Berlin entscheiden, wer den Zuschlag bekommen soll.

Bei der Umstrukturierung liege die Bankgesellschaft voll im Plan, erklärte Vetter. Das gelte sowohl für Personal- und Sachkosten als auch die Abschmelzung von Beständen in einzelnen Geschäftsfeldern. Von den bis Jahresende notwendigen 2 000 Auflösungsverträgen seien bereits 1 340 abgeschlossen, sagte er. Darüber hinaus werde es rund 300 betriebsbedingte Kündigungen geben. Insgesamt sollen die Personalkosten bis zum AJhr 2005 um 300 Mill. Euro vermindert werden.

Auch das kritische Volumen an Derivaten sei erheblich verringert worden: "Wir hatten im Herbst letzten Jahres ein Derivatevolumen in der Größenordnung von 1,2 Bill. Euro im Bestand. Uns ist es gelungen, dieses Volumen auf etwa 750 Mrd. Euro zu reduzieren," erklärte Vetter. In den kommenden 18 Monaten soll eine weitere gravierende Reduzierung erreicht werden.

Zusätzliche Risiken wollte Vetter aber nicht ausschließen: "Angesichts des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes ist nicht auszuschließen, dass der eine oder andere Kreditnehmer kurzfristig in Schwierigkeiten gerät. Aber aus heutiger Sicht gibt es keine Erkenntnis, dass an irgendeiner Stelle etwas Unvorhergesehenes droht." Bis Jahresende, so hofft Vetter, werde er einen Überblick über die vollständigen Ausfallrisiken im Kundengeschäft haben. Für die kommenden drei Jahre sei von erhöhten Risikokosten auszugehen. Im laufenden Jahr rechnet der Konzern mit einem Risikoaufwand von unter 500 Mill. Euro. "Aber der Betrag ist für eine Bank unserer Größenordnung immer noch entschieden zu hoch und langfristig nicht tolerabel", sagte Vetter. Ziel müsse es ein, die Risiken stärker zu streuen, um nciht mehr so stark vom Schicksal einzelner großer Kunden zu sein, wie in der Vergangenheit.

Im laufenden Jahr hat sich der Verlust nach Risikovorsorge bereits spürbar verringert. Für das Gesamtjahr 2002 wird zwar weiterhin mit einem Verlust gerechnet, doch schon im kommenden Jahr will die Bankgesellschaft wieder ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen.

Im Zusammenhang mit der Beinahe-Pleite der Bankgesellschaft laufende Ermittlungen gegen 59 bekannte Personen und gegen weitere derzeit noch nicht bekannte Personen sowie 50 Unternehmen", sagte Berlins Justizsenatorin Karin Schuber Anfang Juli gegenüber dem Handelsblatt.

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