Der Appell des Kanzlers auf der IAA
Schröder: "Wir lassen uns nicht unterkriegen!"

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Verbraucher aufgefordert, auf die Terroranschläge in den USA nicht mit Kaufzurückhaltung zu reagieren. Zwar stünden schwierige Zeiten sowie harte politische und militärische Entscheidungen bevor, aber die Terroristen dürften die Weltwirtschaft nicht gefährden, sagte Schröder auf der IAA.

dpa FRANKFURT/MAIN. "Wir lassen uns nicht unterkriegen, schon gar nicht von blindwütigen Terroristen", mahnte der Bundeskanzler. Nicht nur die Politik, sondern auch Wirtschaft und Kultur müssten sich dem Terrorismus entgegen stellen. Wenn sich alle Beteiligten in der Wirtschaft vernünftig verhielten, werde es auch nicht zu einer Rezession in Deutschland und der Welt kommen.

Vor allem an die Konsumenten richtete der SPD-Politiker den Appell: "Es gibt keinen Grund für Kaufzurückhaltung." Insbesondere in der Wirtschaft dürfe der Optimismus nicht verloren gehen. Dann brauche auch niemand Angst um seinen Arbeitsplatz zu haben. Dieses Signal habe er bewusst auf der Frankfurter IAA geben wollen.

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hatte Schröder zuvor demonstrativ an den Messeständen von Volkswagen, Mercedes, Ford, BMW, Porsche sowie Audi und Opel die Modellneuheiten besichtigt. Ursprünglich wollte der Kanzler am vergangenen Donnerstag die 59. IAA für Pkw in Frankfurt eröffnen. Nach den Anschlägen in New York und Washington waren jedoch alle Feierlichkeiten und Shows abgesagt worden.

Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) als Veranstalter wünschte der Bundeskanzler trotz der tragischen Ereignisse großen Erfolg für die IAA. Die Automobilwirtschaft als Schlüsselindustrie vor allem in Deutschland sei unvermindert ein wichtiger Motor für die Konjunktur.

VDA-Präsident Bernd Gottschalk wertete den Kanzler-Besuch als wichtiges Signal für die Branche. "Als Schlüsselindustrie in Deutschland sind wir dazu verpflichtet, auch nach den schrecklichen Terroranschlägen in den USA mitzuwirken, dass die Weltwirtschaft nicht in eine Krise stürzt", betonte Gottschalk in einem dpa- Gespräch.

Der Auftritt von Schröder - aber auch einer Reihe von Bundesministern und führenden Unionspolitikern - unterstütze die Entscheidung, die weltgrößte Autoschau als "leise IAA" fortzusetzen. Der VDA sieht darin einen Vertrauensbeweis und den Auftrag, "sich durch Terrorakte nicht das Gesetz des Handelns abnehmen zu lassen". Ohne Ausnahme hätten die Aussteller - auch die amerikanischen - den Kurs des VDA begrüßt, die Autoausstellung ohne spektakuläre Shows und laute Musik fortzuführen, sagte Gottschalk.

"Eine Halbzeit-Bilanz lässt sich nach den tragischen Ereignissen nicht mit den üblichen Erfolgskriterien wie Besucherzahlen und Ausstellerrekorden aufmachen", betonte der VDA-Präsident. Dennoch sei er positiv überrascht, dass an den ersten fünf Messetagen mehr als 350 000 Fachbesucher und Autointeressierte nach Frankfurt gekommen sind. "Wir hatten sogar mit dramatischen Rückgängen gerechnet." Auch die hohe Zahl von Geschäftsabschlüssen selbst amerikanischer Firmen unterstrichen die hohe Bedeutung der IAA für die Autoindustrie.

Für die gesamte Messedauer hatte der Veranstalter ursprünglich mit mehr als einer Million Besucher gerechnet. Darüber hinaus waren vor allem die deutschen Aussteller davon ausgegangen, von der Autoschau könnten auch Impulse für die schleppende Inlandsnachfrage ausgehen. Seit einer Woche steht die IAA, zu der mehr als 10 000 Journalisten angereist waren, aber völlig im Schatten der Weltpolitik.

Über mögliche wirtschaftliche Folgen der Terroranschläge für die Automobilwirtschaft sind nach Meinung von Gottschalk noch keine realistischen Einschätzungen möglich. "Dafür ist es noch zu früh." Vor allem müsse abgewartet werden, wie die US-Bürger auf den Schock reagieren. Angesichts der flauen Nachfrage in Europa war der nordamerikanische Markt für die meisten deutschen Autoproduzenten bislang der entscheidende Motor für die Branchenkonjunktur.

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