Der Arbeitskreis Aktienindizes tat am Dienstag niemandem so richtig weh
Ein Abend mit vielen Gewinnern

Es war ein Austausch mit Ansage. Dass die Deutsche Börse zum 23. Dezember Epcos aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) nimmt, verwundert eigentlich niemand.

FRANKFURT/M. Zu sehr war die Marktkapitalisierung des Produzenten elektronischer Bauelemente in den letzten Monaten abgesackt, zu stark hatte sich die Deutsche Börse gerade in diesem Kriterium als Aufstiegskandidat aufgedrängt. Zur Erinnerung: Bei der letzten Umstellung im September, als Degussa für Altana weichen musste, waren die Verhältnisse längst nicht so eindeutig.

Als Indiz für diesen Wechsel galt vielen Beobachtern auch, dass die Deutsche Börse in weiser Voraussicht bereits im Vorfeld die endgültige Entscheidungsgewalt in dieser Frage an den Arbeitskreis Aktienindizes übertragen hat. Normalerweise hat der nur beratende Wirkung, das letzte Wort bei Indexentscheidungen hat die Börse selbst. Der Eindruck, die Deutsche Börse hieve sich selbst in ihren eigenen Leitindex, sollte somit tunlichst vermieden werden. Allerdings wollte die Börse auch nicht, dass ihr aus der Tatsache, dass sie nun mal Betreiber des Dax ist, ein Nachteil entsteht. Deshalb ließ Börsen-Vorstand Christoph Lammersdorf verlauten, dass die Regeln für alle Unternehmen gelten, "egal wie sie heißen".

Und Epcos? Man muss nun sicher nicht um die Siemens-Tochter fürchten, auch wenn sie in den MDax abrutscht. Das Unternehmen signalisierte gestern, dass sich die Investoren seit langem auf diese Situation eingestellt hatten. Zudem hilft die Aussicht, dass Epcos nach vorläufigem Stand ab Ende März eines der größten Unternehmen im neuen TecDax sein wird, so dass der Schaden nicht allzu groß ausfällt. Frei nach dem Motto: Lieber ganz vorne in der zweiten Liga als ganz hinten in der ersten.

Auch sonst gab es am Dienstag Abend nur Gewinner. Capital Stage, SM Wirtschaftsberatung, TFG Venture Capital und Vogt Electronic wollten sowieso das in Auflösung begriffene Kleinwerte-Segment Smax verlassen. Dass sie damit zwangsläufig aus dem SDax fliegen, verwundert also nicht. Für Autania, Medisana, Surteco und Washtec ist die Aufnahme dort allerdings bestenfalls eine lobenden Anerkennung. Zu unscheinbar ist der SDax inzwischen geworden.

Gleiches gilt für den Nemax 50, in den Repower Systems aufsteigt. Beim Hamburger Windenergie-Unternehmen dürfte man sich indes mehr gefreut haben, nach vorläufigem Szenario künftig im TecDax vertreten zu sein. Senator Film, den künftigen Absteiger aus dem Nemax 50, plagen sowieso andere Sorgen. Der Berliner Filmproduzent musste gestern mitteilen, dass für das laufende Jahr bestenfalls die Hälfte der geplanten Umsätze erwartet werden.

Unabhängig von aktuellen Indexfragen dürfen sich aber auch die Fresenius-Familie und CE Consumer als Sieger fühlen. Beide hatten sich über ihre Zuordnung innerhalb der neuen Indexssystematik beklagt. Fresenius wollte nicht zu den Tech-Unternehmen zählen, CE Consumer hingegen schon. Das führte nun zu unterschiedlichen Konsequenzen: Fresenius wie auch Fresenius Medical Care zählen nicht mehr zu den Tech-Unternehmen, sondern werden dem Industrie-Bereich Healthcare und somit den klassischen Branchen zugeordnet.

Zumindest in sich gehen will die Deutsche Börse noch mal bei CE Consumer. Der Chiphändler - einer der ältesten Werte am Neuen Markt - wurde dem klassischen Bereich zugerechnet, weil sein Geschäftsinhalt weniger die Produktion, sondern viel mehr der Handel ist, quasi vergleichbar mit Hornbach-Baumärkten oder der Parfümerie Douglas. Das stieß CE-Chef Erich Lejeune sauer auf. Weitere Meinungen von Investoren und Emittenten sollen nun eingeholt werden. Vielleicht kommt sich ja auch hier zum positiven Ende für CE. Dann hätte der Arbeitskreis wirklich fast alle glücklich gemacht.

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