Der Argentino kommt
Argentinien will Bankeinlagen der Bevölkerung nicht anrühren

Bei der Bewältigung der schweren Finanzkrise Argentiniens will die neue Übergangsregierung nach eigenen Angaben die Bankeneinlagen von privaten Sparern nicht antasten. Finanzstaatssekretär Rodolfo Frigeri sagte am Mittwoch im Fernsehen, die Regierung wolle weder den Peso abwerten, noch die Bankeinlagen der Bevölkerung antasten.

Reuters BUENOS AIRES. Die Sparer müssten sich keine Sorgen über eine künftige Abwertung machen. Das Gesetz für die neue Landeswährung "Argentino", die dritte neben dem Peso und dem Dollar, solle bis zum Wochenende ausgearbeitet sein. Die neue Währung soll die Zahlungsfähigkeit Argentiniens sicher stellen.

Übergangspräsident Adolfo Rodriguez Saa hatte am Sonntag angekündigt, die Zahlungen von Zinsen auf Auslandsschulden sowie deren Tilgung auszusetzen. Mit der Einführung einer dritten Währung Argentino will die Übergangsregierung eine Abwertung der derzeitigen Landeswährung Peso vermeiden, die bei der bloßen Abkopplung des Peso vom Dollar zu befürchten wäre. Mill. von Argentiniern, die in Dollar verschuldet sind, würden bei einer Abwertung in den Bankrott getrieben werden. Zudem soll so der Ausstieg aus dem System der Bindung des Peso an den Dollar bewältigt werden.

Frigeri zufolge soll die neue Währung Anfang Januar herausgegeben werden, obwohl es Probleme mit der Kapazität beim Druck der neuen Noten gebe. Experten befürchten, dass die Regierung das neue Geld in unbegrenzter Menge druckt und damit die Währung entwertet. Wie Frigeri am Mittwoch ebenfalls mitteilte, wird das Steuereinkommen des Landes im Dezember voraussichtlich um 23 % unter dem Vorjahreswert liegen. Sinkende Einnahmen hatten zuvor den früheren Wirtschaftsminister Domingo Cavallo dazu veranlasst, Gehälter und Pensionen um bis zu 13 % zu kürzen.

Argentinien kämpft mit einem Schuldenberg von 132 Mrd. $ (etwa 289 Mrd. DM). Die Arbeitslosenquote ist in vier Rezessionsjahren auf 18,3 % gestiegen. Der bisherige Präsident Fernando de la Rua war am Donnerstag nach gewaltsamen Protesten der Bevölkerung gegen seine Sparpolitik und Plünderungen in den Städten zurückgetreten.

Übergangspräsident Rodriguez Saa nutzte die Weihnachtstage, um mit Politikern und Wirtschaftsexperten einen Krisenplan auszuarbeiten. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Vorlage eines realistischen und ausbalancierten Haushalts für das kommende Jahr. Davon dürfte auch die Unterstützung der ausländischen Gläubiger für Argentinien abhängen. Saa soll das Land bis zu den Präsidentschaftswahlen am 3. März 2002 regieren.

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