Der Aufsichtsratsvorsitzende der Klingelnberg GmbH im Porträt
Diether Klingelnberg: Der Polterer aus dem Mittelstand

Im Hof des Unternehmens hängt feuchte Luft: Es riecht nach saftiger Wiese, nach Kuh. Den Standort des Werkzeugmaschinenherstellers Klingelnberg GmbH umweht aber auch ein Hauch Industriegeschichte: Hier im Bergischen Land unweit von Solingen und Remscheid machte die Industrialisierung erste Hüpfer. Das Unternehmen reicht bis in das Jahr 1817 zurück: sechs Generationen Klingelnberg - seit 1969 ist Diether dran.

HÜCKESWAGEN. Der ist außerdem Präsident des VDMA, des Verbands der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer. Seit Montag hat der 58-Jährige noch einen Job. Er ist einer von neun Vizepräsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Klingelnberg ist Unternehmer und Lobbyist. Einer, der gegen die Bundesregierung wettert, was das Zeug hält: Steuern runter, Sozialabgaben runter, Mittelstand stärken. Der aber einen Draht zu Schröder hat, am Kamin bei Rotwein. Der in Belgien wohnt, um keine Erbschaftsteuer zahlen zu müssen, und den Hauptsitz der Firma in die Schweiz verlegt hat. Der wegen seiner Größe immer ein wenig gebeugt geht, so, als ob er sich nicht das mit schütterem Haar bedeckte Haupt stoßen wollte - oder vielleicht auch, um jemanden zu rammen.

Diether Klingelnberg gilt als Mann mit Ecken und Kanten, als markig. Formulierungen wie "kompletter Unsinn" und "Das ist doch alles Quatsch" können ihm schon mal rausrutschen. Diplomatisch klingt er dann trotz des leichten Dialekts seiner Heimat nicht. Seine größte Schwäche sei seine Ungeduld, sagt er selbst, obwohl er sich geduldig in die Familientradition gefügt hat. Als er noch jung ist, stirbt sein Vater. Noch vor seinem Examen als Wirtschaftsingenieur steigt er bei Klingelnberg Söhne ein und wird nicht das, was er eigentlich immer wollte: Banker. Seine Leidenschaft sind Aktien, "weil man damit so viel machen kann".

Jetzt bereitet er, der drei Tage pro Woche mit Verbandsarbeit verbringt, die siebte Generation auf das Erbe vor. Sein einziges leibliches Kind, Sohn Jan, 31 Jahre alt, arbeitet bereits im Unternehmen. Sein alter Herr will ihm das Ruder im Jahr 2004 überlassen. Zurzeit verstehen sich Vater und Sohn gut, heißt es - trotz ihrer Dickköpfigkeit.

Der Vater liebt es einfach und kernig. Am liebsten würde er sich auch nur um die "Kernaufgaben" eines Unternehmers kümmern: verkaufen, entwickeln, produzieren. Vielleicht noch finanzieren. Auch wenn er von sich redet, ist immer Platz für einen Halbsatz Politik: In Deutschland wirtschaftet es sich nicht einfach, obwohl wir doch könnten, so wie in den USA.

Seine Firma hat er über den großen Teich geführt. Dort hat er auch nach dem Verkauf des US-Geschäfts 1996 sein Vermögen gemacht - inzwischen ist das Unternehmen wieder in den USA tätig. Und er hat sich seinen Ferrari Maranello 550 finanziert.

Wenn die Ferrari-Konstrukteure bei Klingelnberg anrufen, können sie auf seine Hilfe zählen. Da kann es schon mal sein, dass sie ein spezielles Zahnrad für ein neues Schumi-Getriebe brauchen. Bei der Klingelnberg GmbH, die unter anderem Spiralkegelrad-Verzahnungsmaschinen, Verzahnungsmessgeräte und Gewindeschleifmaschinen produziert, stecken dann die Tüftler die Köpfe zusammen, um ein Rädchen zu bauen, das den Schumi besser antreibt.

Rot wie ein Ferrari sind zurzeit auch die Zahlen des Unternehmens. Den Aufsichtsratschef kratzt das schon. Auf dem Weltmarkt für Zahnräder, den seine Firma beherrscht, tobt ein Konsolidierungskampf. Umbauten und Investitionen waren nötig. Doch die Firma hat eine Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent - eine Seltenheit in der Branche. Im nächsten Jahr erwartet er wieder schwarze Zahlen.

Den Zahnrad-Unternehmer treiben zwei Dinge an: Das eine ist die Firma. An ihr feilt er, aber nur im Groben. Er mag keine Details, dafür Strategien. Das andere ist die Politik. 1972 tritt er in die CDU ein, unter Kohl tritt er wieder aus, weil der zu viel vom Euro und zu wenig vom Mittelstand redet. Dabei sei er kein politischer Mensch, sagt er. Die Politik liegt ihm eigentlich nicht, weil sie ein Handeln erfordert, das nicht immer vernunftgesteuert ist. Oder wirtschaftlich. Bei den Verbänden ist das anders: Da stehen alle Mitglieder hinter ihm, da muss er sich nicht verbiegen, kann sagen, was er denkt. Klare Verhältnisse eben.

Das hat er auch zur Kunst, vor allem der modernen, die sein Privathaus und den Firmensitz in Hückeswagen schmückt. Er war früher nicht so für den "modernen Kram". Dann hat er einen Künstler kennen gelernt. Jetzt sammelt er Kunst, weil er sie nett findet.

Was ist, wenn er bei der Klingelnberg GmbH einmal aufhört? Er will einem seiner Hobbys nachgehen: sich um seine Beteiligung an einer Pharmafirma kümmern. Die macht Medikamente auf Heilkräuterbasis. Er will sie sanieren.

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