Der Aukstaitija-Nationalpark lässt sich auf zwei Autorouten einfach und stressfrei erkunden
Biber, Bäche und Beschaulichkeit

Wie über Katzenbuckel schlängelt sich die Straße zum Aukstaitija-Nationalpark. Kiefern und Birken säumen das schmale Asphaltband im Osten Litauens. Endlos scheint der Wald zu sein.

VILNIUS. Pfifferlinge sprießen aus dem Moosboden, dazwischen reifen Heidelbeeren. Hier eine Waldlichtung, auf der einsam eine angepflockte Kuh grast. Dort ein gelbes Holzhaus, vor dem Astern und Margeriten blühen. Ein wenig weiter klappert ein Storch in seinem Nest, springt ein Eichhörnchen von Baum zu Baum. Und zwischen den Stämmen blitzen immer wieder glasklare Seen hervor - eine Landschaft, die an Skandinavien erinnert.

"Hier gibt es 126 Seen", brummt der kräftige Angler mit dem wettergegerbten Gesicht. Am Ortsrand von Vaisniunai legt er Angelrute und Kescher ins Boot, dann rudert er auf den Dringis-See hinaus. Ein Junge kommt vom See und bringt einen Eimer voller Wasser, gießt es in ein Metallfass über dem Feuer. Shampoo-Flaschen und Schwämme liegen daneben auf einer niedrigen Holzbank. In zwei, drei Stunden kann das Dampfbad in der Banja beginnen.

Zeit? Hektik? Stress? Was solche Begriffe bedeuten, vergessen Besuchern schnell im Aukstaitija-Nationalpark, der mit seinen 406 Quadratkilometern fast so groß wie die Insel Usedom ist. Dafür erleben sie, wie sich Einsamkeit anfühlt. Etwa in einem der tief in den Wäldern gelegenen Dörfer, die oft aus nur wenigen gelben oder dunkelroten Holzhäusern bestehen. Aus Holz sind auch die Kirchen gezimmert, wie jene in Paluse mit ihrem achteckigen Glockenturm neben dem Kirchenschiff. Der Anblick täuscht: Der Barockaltar drinnen ist reich vergoldet.

Insgesamt leben kaum 2 000 Menschen in dem Nationalpark. Zwei Autorouten, 70 und 45 Kilometer lang, erschließen ihn für Touristen. Wälder bedecken mehr als zwei Drittel der Nationalparkfläche. Er ist ein Refugium seltener Vögel, Pflanzen und Pilze. Biologen haben im Park 628 Pilzarten nachgewiesen. In Vollmondnächten heulen die Wölfe. Elche und Hirsche ziehen auf uralten Wildwechseln umher. Biber bauen ihre Burgen in Bächen und Flüssen.

Die Wasserläufe verbinden große und kleine Seen. Kanufahrer nutzen das für ausgedehnte Touren. Um den wilden Kanal der Wassermühle von Ginuciai machen viele einen Bogen, tragen ihre Kanus über die Straße. Nur Mutige wagen sich in die tosenden Strömungen - und sei es, um sich abzukühlen. Weniger Mutige erfrischen sich gegenüber, auf der Terrasse eines Imbisslokals.

Die Holzfassade frisch gestrichen, das Dach erneuert, und ein Schild lädt ein: "Ferienhaus zu vermieten". Etliche Hauseigentümer im Aukstaitija-Nationalpark und im angrenzenden Labanoras-Regionalpark haben die Chance erkannt, die ihnen der Tourismus bietet. So auch in Labanoras, wo die alte Dorfschule seit diesem Sommer ein Hotel mit sechs Gästezimmern beherbergt. "Wir haben alle Möbel antik gekauft", sagt Kellner Tomas Mikeska auf Englisch. Das frühere Klassenzimmer dient nun als Restaurant. Jagdfotos schmücken die rot-weiß tapezierten Wände. Die Gäste kommen Mikeska zufolge zurzeit vor allem aus dem 100 Kilometer entfernten Vilnius. Doch in Zukunft könnten sich darunter auch Westeuropäer mischen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%