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Der Ausblick ist für VW nur auf dem Papier rosig

Nun ist er also amtlich, der Gewinnrekord von VW. Nachdem man ihn ziemlich genau ein Jahr lang in verschiedenen Tonlagen angekündigt hat, musste er schon etwas deutlicher ausfallen, um das Publikum noch zum Hinsehen zu bewegen. Das ist geglückt, der Kurs ist gestiegen.

Gleichzeitig lenkt der Konzern die Blicke gleich noch ein Stückchen höher. Die Umsatzrendite von 6,5 Prozent vor Steuern - noch etwas öfter angekündigt als der Rekordgewinn - sei quasi schon erreicht, heißt es intern. Man habe sie nur noch nicht gezeigt, das will man sich wohl für den Abschied von Vorstandschef Ferdinand Piëch im Frühjahr 2002 aufheben.

Was VW zeigt oder nicht, folgt seit Jahren dem Prinzip der Glättung. Diesmal hat das Unternehmen sogar ein wenig nach unten geglättet, indem es sich ohne Not schon einmal Rückstellungen für das Autorecycling leistete. Im kommenden Jahr wird es vielleicht nach oben glätten, um dem Chef einen schönen Abgang zu verschaffen.

Das könnte durchaus nötig sein, denn so golden sind die Perspektiven nicht. VWs eigener vorsichtiger Ausblick sagt da noch nicht viel, er klingt immer ähnlich. Die Fakten allerdings haben es durchaus in sich. Das vergangene Jahr war ein US-Jahr mit rauschenden Verkaufserfolgen in Nordamerika und einem gnädigen Dollarkurs. Die US-Verkäufe haben auch im VW-Konzern zum Jahresanfang stärker gelitten als erwartet, und auf das Dollarhoch sollte man sich nicht mehr verlassen. Dazu kommt ein wahrscheinlich schrumpfender Markt in Europa und eine zähe Erholung in Deutschland. An den gestern veröffentlichten Zahlen ist nicht abzulesen, wo, außer in den USA, der Konzern sein Geld verdient hat.

Gleichzeitig fährt VW die Produktion in Wolfsburg wieder hoch, obwohl in der eigenen Prognose nur von "begrenzten Impulsen" auf der Nachfrageseite die Rede ist. Die Befürchtung liegt nahe, dass VW wie eh und je "Menge machen" will, um die Beschäftigung der vorerst unkündbaren Belegschaft zu sichern. Muss diese Menge gegen den Nachfragetrend in den Markt gedrückt werden, wird auch die vorerst nur selbst ernannte Luxusmarke VW nicht von Preiseinbußen verschont bleiben.

Das alles wird VW nicht in tiefe Krisen stürzen, aber um unter diesen Bedingungen die versprochene Rendite zu zeigen, braucht es schon einen Griff in die Trickkiste. Dort liegen neben der vorgezogenen Altautorückstellung und Immobilienreserven noch der Umstieg auf IAS-Bilanzierung und die Kostenentlastung durch die Einführung von Pensionsfonds statt Betriebsrente.

Sich dieser Mittel zu bedienen, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wäre das mehr als ein Griff in die stillen Reserven, es spräche durchaus für einen Sinneswandel des Konzerns im Sinne der Kapitalmärkte. Andererseits verdeckt es aber den operativen Zustand des Autoherstellers. Dessen organisatorische Schwächen in Produktion und Management sind unübersehbar. Aber stehen die Zeichen in diesen Bereichen auf Veränderung? Ein Rekordgewinn im Rücken, beträchtliche Reserven im Sinn und ein Führungswechsel vor Augen - das fördert nicht gerade den Tatendrang. Es wird noch einmal den ganzen Piëch brauchen, um aus dieser Mischung nicht Lethargie werden zu lassen.



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