Der „Ausverkauf“ scheint überwunden
Chartanalyse: Nasdaq hat viel Luft nach oben

Die jüngste Rally macht Mut: Auch gestern legten die Kurse weiter zu. Charttechnisch hat die US-Wachstumsbörse Nasdaq noch weiteres Aufwärtspotenzial. Die Indikatoren signalisieren, dass es den lange erwarteten "Sell-out" (Ausverkauf) gegeben hat.

DÜSSELDORF. Die Terrorattentate am 11. September haben den deutlichen Abwärtstrend bei den Technologiewerten noch einmal verstärkt. Nach den handelsfreien Tagen stürzte das Börsenbarometer bis zum 21. September auf 1 387 Punkten ab. Damit verlor die weltgrößte Wachstumsbörse seit dem 10. März 2000 fast 75 % an Wert. Das ist beispiellos in der 30-jährigen Nasdaq-Geschichte.

Ohne dass die Attentäter bislang gefasst oder sich die konjunkturelle Lage geändert hat, stieg der Index seit dem Tief um rund 20 %. Inzwischen hat die Nasdaq das Niveau vom ersten Handelstag nach den Attentaten wieder erreicht. "Wichtig ist, dass wir jetzt rasch und per Schlusskurs das Hoch vom 4. Oktober (1 641 Punkte) überwinden. Wird diese Überwindung am nächsten Handelstag positiv bestätigt, haben wir gute Chancen in Richtung 1 800 Punkte zu laufen", meint Uwe Wagner von der Deutschen Bank. Doch auch in diesem Bereich, der sich aus den Kursen von Ende August ergibt, sieht der Charttechniker wenig Widerstand, so dass der weitere Weg "nach oben offen" sei.

Bullische Umhüllung

Holger Struck von M.M.Warburg sieht zwar kurzfristigen Konsolidierungsbedarf nach unten, ist aber mittelfristig ebenfalls optimistisch: "Auf dem niedrigen Niveau sind leicht weitere 20 % drin." Möglicherweise komme es aber gar nicht zu der kurzfristigen Korrektur. Grund dafür ist ein "bullish engulving" (bullische Umhüllung). Dies ist in der Technik der japanischen Candle-Sticks (siehe Chart unten) eine wichtige bullische Formation: Am 10. Oktober war die Handelsspanne sehr groß, und der Index schloss über dem Niveau des Vortages (große weiße Kerze). Ein "bullish engulving" signalisiert demnach eine sehr rege Kauf- und Verkaufsneigung, wobei sich der Optimismus (höherer Schlusskurs) durchsetzt. Diese Kombination führt in der Regel zu einem Kursaufschwung in den folgenden Tagen.

Starker Widerstand bei 2000 Punkten

Widerstände auf dem Weg nach oben sieht Struck zunächst bei 1 620 Punkten - auch wenn diese Marke bereits knapp überwunden ist. Sie ergibt sich aus dem Frühjahr, als der Nasdaq Composite am 4. April kurzzeitig auf dieses Niveau gerutscht war. Ein weiteres Hindernis auf dem Weg nach oben ist das "Gap": die Kurslücke zwischen dem Schlusskurs vor den Attentaten und dem Eröffnungskurs nach Wiederaufnahme des Handels. Die Abstand beträgt 40 Punkte - zwischen 1 629 und 1669 Zählern. "Wichtig ist, dass die Obergrenze des Gaps überwunden wird", sagt Struck. Danach sei der Weg frei bis 1 728 Punkten. Hier verläuft derzeit der Abwärtstrend, der sich aus der Talfahrt seit September 2000 ergibt. "Danach kann der Markt in Richtung 2 000 Punkte durchstarten. Hier türmen sich dann riesige Widerstandsbereiche" blickt Stuck in die Zukunft.

"Den Sell-out haben wir definitiv gehabt", ist sich der M.M.-Warburg-Spezialist sicher. Dafür sprächen viele Indizien: die extrem hohen Tageshandelsspannen und Umsätze, die deutlich verschlechterte Stimmung, die hohe Volatilität und die Zwangsauflösung vieler Wertpapierkonten. Hinzu komme die erwähnte Kurslücke im September - ein solches Gap sei typisch im Ausverkauf. "Wir testen keine neuen Tiefs mehr", ist sich Struck sicher.

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