Der Bau großer Windparks wird Milliarden erfordern
Mutige Finanziers gesucht

Die Diskussion über die Errichtung und Finanzierung von Offshore-Windparks gibt es schon seit Jahren", sagt Birgit Krümpelbeck, verantwortlich für die Finanzierung von Umweltprojekten bei der Deutschen Ausgleichsbank, "dafür existieren keine Lösungen, die schon in der Schublade liegen."

DÜSSELDRORF. Das bundeseigene Bankhaus hat Erfahrung in der Windenergie. Das Kreditinstitut vergibt neben eigenen zinsgünstigen Mitteln zinsverbilligte Darlehen aus dem Umwelt- und Energiesparprogramm des Europäischen Aufbau Programms (ERP). Mit diesen Programmen kann ein Investor heute für einen Windpark an Land bis zu 100 % seiner Investitionen finanzieren. "Bei den geplanten Dimensionen der Offshore-Projekte wird das für einen kompletten Park kaum noch zu leisten sein", erwartet Frau Krümpelbeck. Schließlich geht es um Investitionen in Milliardenhöhe. Das Fremdkapital für große Offshore-Parks dürfte deshalb nur über ein Konsortium verschiedener Kreditinstitute aufzubringen sein. Doch noch hält sich die Finanzwirtschaft zurück.

Es gebe, moniert etwa Claus Burghardt, Leiter Erneuerbare Energien bei der zur Deutsche Bank AG zählenden Deutsche Erneuerbare Energien GmbH, im Offshore-Markt "zu viele Kostenfaktoren, die keiner überblicken kann. Niemand kann derzeit einen Offshore-Park in der Nordsee in 30 Meter Tiefe kalkulieren".

Eine wichtige Rolle werde die Kostenfrage spielen

Ähnlich sieht die Haltung in der deutschen Versicherungswirtschaft aus. Auch wenn die Allianz mittlerweile von ihrem früheren klaren "Nein" in Sachen Versicherung von Offshore-Windparks abgerückt ist. Eine Entscheidung pro maritimer Windparks ist in den Versicherungsetagen noch längst nicht gefallen. Diese Zurückhaltung will der Frankfurter Versicherungsmakler Marsh nutzen, eine Tochter des New Yorker Beratungs- und Finanzdienstleisters Marsh & MCLennan. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Vereins und Westbank - und der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers will Marsh in einem "Finanzzirkel Offshore" das künftige Versicherungsgeschäft für die Off- shore-Parks in Deutschland ausloten.

An diesem runden Tisch sollen zukünftig die Unternehmen der Branche mit denen der Versicherungs- und Kreditwirtschaft zusammengeführt werden, erklärt Marsh-Sprecherin Katja Kamphans. Eine wichtige Rolle werde dabei die Kostenfrage spielen. Für Thomas Weber, Geschäftsführer der Eon Energy Projects GmbH, sind Logistik und Fundamentierung die größten unwägbaren Kostenfaktoren. "Damit hat noch keiner Erfahrung", sagt der Eon-Manager, der für das Offshore-Geschäft des Energieriesen verantwortlich zeichnet.

"Wir machen das nur, wenn es sich rechnet"

Im Verlauf des nächsten Jahres will Eon diese Kosten beziffern können. "2004 wollen wir 40 Anlagen in der Ostsee bauen", sagt Weber. Weitere 72 Maschinen in Nähe der Nordseeinsel Amrum sollen ab 2005 folgen. "Wir machen das nur, wenn es sich rechnet", sagt Weber.

Für einen kapitalkräftigen Konzern wie Eon ist die Finanzierung eines Offshore-Parks kein großes Problem. Anders sieht die Situation für die vielen eher mittelständischen Planungsbüros aus, die sich derzeit um eine Baugenehmigung bemühen. "Ohne einen strategischen Partner wird die Finanzierung kaum zu schaffen sein", glaubt Achim Ernst, Planungsleiter Offshore bei der Winkra Energie aus Hannover, die je einen maritimen Windpark in der Ost- und Nordsee plant.

Klar ist: Mit den an Land so erfolgreichen Fondsmodellen wird das notwendige Eigenkapital für den Bau von Offshore-Windparks kaum aufzubringen sein.

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