Der Bayer ist Leiter der Sparte Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank
Herbert Walter: Ein charmanter Perfektionist

Mit seiner Liebe zum Detail kann er seine Mitarbeiter auch schon einmal nerven. Aber der Erfolg gibt Walter Recht: Der Analytiker verhalf dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank zu neuen Ehren.

FRANKFURT. Sein Tag beginnt früh. Spätestens um halb acht sitzt Herbert Walter in seinem Büro im vierten Stock in der Ulmenstrasse - im Schatten der beiden großen blauen Türme. Doch die Karriere des Leiters der Sparte Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank verläuft alles andere als im Schatten. Er ist Mitglied jener Top-zwölf-Manager des größten deutschen Kreditinstituts, die im Group Executive Committee alle wichtigen Entscheidungen fällen. Und vor allem: Er hat dem Privatkundengeschäft der Bank zu neuen Ehren verholfen.

Da können die mächtigen Frankfurter Türme der Deutschen Bank stehen, wo sie wollen. Die Sparte, die innerhalb der Fusionsgespräche mit der Dresdner Bank lediglich Verhandlungsmasse war und an die Allianz gehen sollte, wurde unter dem neuen Vorstandschef Josef Ackermann zum Hoffnungsträger. Die Krise an den Kapitalmärkten hält schließlich weiter an, während im Geschäft mit der privaten Altersvorsorge ein riesiges Potenzial ausgeschöpft werden kann. Zudem schaffte es Walter in nur drei Jahren, dass die Retailsparte Deutsche Bank 24 schwarze Zahlen schreibt - ein Erfolg, den ihm zuvor nur wenige zugetraut hatten.

Der meist smart lächelnde, jugendlich aussehende Bayer hat im blauen Haus fast alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Aber hinter dem Erfolg steckt viel Systematik und Fleiß. Der kühle Analytiker, der kaum einmal eine Zahl nicht parat hat und sie nachschlagen muss, fordert viel von sich und seinen Mitarbeitern. "Er will nicht, dass nur abgearbeitet wird, sondern fordert echtes Engagement", weiß ein Deutsch-Banker. Erst kürzlich machte Walter seinen Anspruch in einem Interview mit dem Mitarbeiterblatt Forum wieder deutlich. "Ein gemeinsames Selbstverständnis und ein grundsätzlicher Konsens über zentrale Unternehmensziele müssen tief verankert sein in den Herzen und den Köpfen von uns allen, die wir die Deutsche Bank verkörpern", predigt er gerne.

Mit seiner Liebe zum Detail kann er seine Mitarbeiter auch schon einmal nerven. Dennoch stehen sie hinter ihm. Der Erfolg gibt Walter Recht. "Sicher ist er manchmal anstrengend, aber er findet immer den wunden Punkt", sagt ein Mitarbeiter. Walter ist bekannt dafür, dass er nicht eher lockerlässt, bis auch die letzten Ungereimtheiten ausgeräumt sind. Er macht deutlich, was er will. Doch wie in Pressekonferenzen wird er auch intern genau zuhören und auf die Zwischentöne achten. Er fordert Feed-Back und will überzeugen. "Teamorientierte Mitarbeiterführung spielt eine entscheidende Rolle", betont Walter. Denn die endgültige Entscheidung soll von allen getragen werden. Stillstand ist für den Perfektionisten ein Rückschritt. "Wer Marktführer sein will, muss Wandlungsführer sein", sagte er kürzlich in einem Interview.

Daran gemessen, ist die Deutsche Bank im Privatkundengeschäft sicherlich Marktführer: In kaum einem anderen Haus wird so gerne und so zahlreich umstrukturiert. Walter, der 1998 das Projekt Deutsche Bank 24 übernahm und dort ein Jahr später nach der Ausgründung Vorstandschef wurde, hat dies aber nicht alles zu verantworten. Viele Umstrukturierungen resultierten aus den Gedankenspielen der Konzernspitze.

In der neuen Aufstellung Privat- und Geschäftskunden sieht Walter sein Haus den europäischen Bankwettbewerbern voraus, und er will auch in schwierigen Zeiten stabile Erträge erwirtschaften. "Carpe diem" könnte der Wahlspruch des dreifachen Familienvaters lauten. "Er verschwendet keine Zeit, lebt unheimlich bewusst", urteilt ein Mitarbeiter. "Kunden- und Marktforschungsstudien liest er wie andere Leute Comics", sagt ein Mitarbeiter. Allerdings lese er nur so schnell, nicht so oberflächlich. Denn was er liest, hat er stets parat. Er entwickelt die Bank konsequent am Markt und dem Kundenverhalten weiter.

Kritische Fragen, die es angesichts der zahlreichen Umstrukturierungen im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank durchaus gibt, fürchtet Walter nicht. Der studierte Politikwissenschaftler ist rhetorisch gewandt genug, alle Klippen zu umschiffen. Ohne Zahlen und Fakten tut er sich allerdings schwer, wie jüngst auf der Pressekonferenz zum erneuten Strategiewechsel zu beobachten war.

Statt beim stilvollen Lunch im Restaurant trifft man den Banker eher bei einem Bummel über die Frankfurter "Fressgass" oder dem Spaziergang im nahen Grüneburgpark. Auch in seinen freien Stunden liebt er es ergebnisorientiert. Da dreht er leidenschaftlich gerne seine Runden auf dem Mountain-Bike-sein Ziel immer vor Augen.

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