Der Bayer war Wunschkandidat bei Bayer
„Auge" will Unmögliches möglich machen

Das Personalchaos beim abstiegsbedrohten deutschen Vize-Meister Bayer Leverkusen hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Nur 86 Tage nach seinem Amtsantritt als Chefcoach wurde Thomas Hörster entlassen. Nachfolger wurde Klaus Augenthaler, der erst Ende April beim Tabellen-Vorletzten 1. FC Nürnberg gehen musste.

HB/dpa DÜSSELDORF/LEVERKUSEN. "Ich bin überzeugt, dass ich das Unmögliche möglich machen und sechs Punkte aus zwei Spielen holen kann", sagte der 45-Jährige am Dienstag bei seiner Vorstellung. "Wir wollten Augenthaler sowieso für die neue Saison verpflichten. Jetzt machen wir den Schnitt etwas früher", erklärte Bayer-Manager Reiner Calmund die Umstände des achten Trainer-Wechsels der laufenden Bundesliga-Saison.

Calmund und Co. hatten das Engagement von Augenthaler, der einen auch für die 2. Liga geltenden Vertrag bis zum 30. Juni 2004 erhält, schon vor Wochen angebahnt. "Er war unser Wunschkandidat", sagte Bayer-Sportdirektor Jürgen Kohler, der 1990 mit ihm Weltmeister geworden war. "Klaus ist erfolgshungrig und hat Ziele." Mit dem Amtsantritt in Leverkusen wurde auch der Streit mit Nürnbergs Präsident Michael A. Roth, der die Freigabe erteilte, beigelegt. "Ich werde dem Club nicht weiter auf der Tasche liegen", erklärte Augenthaler, der von der Qualität seiner neuen Mannschaft überzeugt ist: "Das Team muss man nicht stark reden, es ist stark."

Hörster war erst am 17. Februar Nachfolger von Klaus Toppmöller geworden, der vor fast genau einem Jahr mit Leverkusen im Champions- League-Finale gestanden hatte. Letzter Auslöser für den Rauswurf Hörsters war ein Fernsehinterview nach dem 1:4 beim Hamburger SV. Darin hatte er resigniert gesagt, die auf Tabellenrang 16 stehende Bayer-Mannschaft im Kampf um den Klassenverblieb "aufgegeben" zu haben. Calmund teilte Hörster daraufhin am Montagabend in einem klärenden Gespräch die Trennung und Rückversetzung in die Amateurabteilung mit. "Da sieht man, wie brutal das Fußball-Geschäft ist", kommentierte der verletzte Bayer-Kapitän Jens Nowotny den Wechsel distanziert.

Paradox erscheint, dass ausgerechnet der mit den Franken in die Abstiegszone gerutschte Augenthaler Bayer vor der Zweitklassigkeit retten soll. "Ruhe bewahren und die Pferde nicht scheu machen", nennt Augenthaler sein Motto in dieser prekären Lage. Brisant ist, dass er am letzten Spieltag mit Leverkusen nach Nürnberg zur vielleicht entscheidenden Partie um den Klassenverbleib reisen muss. Dort hatten die Rheinländer im übrigen am 27. April 2002 den Titelgewinn mit einer 0:1-Niederlage verspielt. "Natürlich ist das pikant, aber man kann es sich nicht aussuchen. Ich schaue jedoch nicht nach Nürnberg, sondern konzentriere mich auf 1860 München am Samstag", sagte er.

Dass Hörster mit der Aufgabe, den Sturz in die 2. Liga zu vermeiden, überfordert war, zeichnete sich schnell ab. Der vom Regionalliga-Trainer zum Chefcoach der Werkself aufgestiegene Ex- Nationalspieler scheiterte nicht an seiner Sachkompetenz, sondern an seiner wenig charismatischen Art. Immer wieder tappte der wortkarge Hörster ("ein Höllenkommando") ins Fettnäpfchen. So hatte ihn bereits sein Mitte April publik gewordenes Angebot, freiwillig zurückzutreten, viel Kredit gekostet.

Schwer gelitten hat auch der Ruf von Reiner Calmund. Einer der vermeintlich cleversten und populärsten Manager der Liga blickt nun auf einen Scherbenhaufen verfehlter Personalpolitik. Über 20 Millionen Euro investierte er in neue Spieler wie den Brasilianer Franca und Jan Simak, die zu teuren Flops wurden. Zu lange ließ er Toppmöller gewähren, bevor er mit Hörster einen weiteren Fehlgriff tat. Calmunds Coup, "Fußball-Gott" Kohler zum Sportdirektor zu bestellen, verpuffte zudem durch den blamablen Versuch, den früheren Meistermacher Udo Lattek zum Retter in der Not zu machen. "Ich habe keine großen Fehler gemacht, sondern punktuell nur einige kleine", zeigte Calmund jüngst in einem Interview bedingt Selbstkritik.

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