Der Berliner Wagnisfinanzierer bmp hat keinen Betriebsrat und erforscht mit Umfragen die Stimmung unter den Mitarbeitern
Aktien für alle sorgen für hohe Arbeitszufriedenheit

Die Beschäftigten bei bmp profitieren von der guten Konjunktur für Venture-Capital-Gesellschaften. Manch einer der jungen Team-Manager verdient dank Erfolgshonorar mehr als die Vorstände des Unternehmens. Für einen Betriebsrat hat sich die erfolgsverwöhnte Belegschaft bisher nicht interessiert.

HB BERLIN. "Eigentlich", beginnt Andreas van Bon seine Ausführung zum Thema Betriebsrat, halte er eine Arbeitnehmervertretung für eine legitime und gute Sache. "Aber solange sich die Arbeitnehmer durch die Geschäftsführung vernünftig vertreten fühlen, gibt es dafür keinen Grund", fährt der Finanzvorstand der Berliner Venture Capital-Gesellschaft bmp AG fort. Zumindest habe noch keiner der knapp 120 Beschäftigten die Gründung eines Betriebsrats vorgeschlagen.

Die turbulenten vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass bmp auch gut ohne institutionalisierte Arbeitnehmervertretung auskomme. Was im übrigen aus der Perspektive van Bons auch für die Mitgliedschaft in Arbeitgeberverbänden und damit für die Unterordnung unter Tarifregelungen gilt: Tarifverträge hätten sicher ihre Notwendigkeit, weil sie gerade auch kleineren Firmen bei der Gehaltsbestimmung helfen würden, sagt er. Aber für Firmen wie bmp, die stark erfolgsabhängig bezahlten, sei das in Zeiten boomender Konjunktur kein Thema.

Finanzvorstand van Bon bezweifelt, "dass wir überhaupt einen passenden Arbeitgeberverband finden würden". Bei der Frage, welche Gewerkschaft denn der passende Gegenüber für seine Venture-Capital-Gesellschaft wäre, muss er zunächst ebenfalls passen. Dann schlägt er vor: "Vielleicht die DAG?"

Doch bei bmp seien solche Fragen kein Thema. Das mag an der homogenen Struktur der Beschäftigten liegen, die van Bon in operative Mitarbeiter und deren "Support" unterteilt. Das Durchschnittsalter liege um die 30 Jahre, die meisten Berater und Venture-Manager hätten ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit MBA absolviert und arbeiteten gerne und viel.



Treueprämie für die Altgedienten

Dass sich in den schicken Büros unweit vom Checkpoint Charlie "schätzungsweise 95 Prozent der Leute duzen", scheint da als schiere Selbstverständlichkeit. Die große Arbeitszufriedenheit bei bmp führt van Bon vor allem auf zwei Komponenten zurück: Marktgerechte Bezahlung und interessante Tätigkeiten in einem möglichst angenehmen Umfeld, wobei der Markterfolg ein zentraler Entgelt-Bestandteil sei.

Außerdem, ergänzt der Finanzchef ohne Illusionen: Wohl niemand fange bei bmp mit der Erwartung an, hier bis zum Ende seines Arbeitslebens zu bleiben. Die meisten, schätzt der Personalchef, würden nach fünf Jahren die Koffer packen und zu neuen Ufern aufbrechen, um andere Dinge auszuprobieren. Dennoch - oder gerade deshalb - denkt van Bon über die Einführung einer Treueprämie für lang gediente Mitarbeiter nach.

"Natürlich" gäbe es bei bmp weder Urlaubs- und Weihnachtsgeld, und "natürlich" auch keinen freien Tag für Hochzeit, Beerdigung oder für den Umzug: "Das regeln wir flexibel", sagt der Mitdreißiger van Bon.

Das vereinbarte Jahresgehalt wird in zwölf gleichen Raten ausgezahlt. Hinzu kommen Erfolgsbeteiligungen. Team-Manager etwa, die bmp neue Beteiligungen an Startup-Gesellschaften zuführen, werden danach bewertet, um wie viel Prozent sie den inneren Wert der Beteiligung (Net Asset Value) im Jahr gesteigert haben. Ab Werten über 100 % gibt es Prämien. Die führen dann schon mal dazu, dass ein Manager mehr verdient als ein Vorstand. Das findet Personalvorstand van Bon aber auch "ganz in Ordnung".

Weitere Anreize sollen die Leistungsbereitschaft wecken: Optionen auf eigene Aktien der im vergangenen Sommer an die Börse gegangenen AG - bei der sich kürzlich die Beratungsgesellschaft Roland Berger mit 10 % eingekauft hat - gibt es für alle Mitarbeiter. Vor der Ausübung muss der Aktienkurs um 20 % gestiegen sein und sich zudem besser entwickelt haben als der Neue-Markt-Index Nemax. Die weit überwiegende Mehrzahl der Angestellten nutzt die Option auf die Optionen. Für die Consultants, die das Vermögen und den Gewinn der Gesellschaft im Beteiligungsgeschäft mehren sollen, erwägt der Vorstand derzeit eine weitere Belohnung. Sie sollen sich künftig selbst an den Beteiligungen beteiligen dürfen. Beim Verkauf klingelt es dann in ihrer Kasse doppelt kräftig.



Gehalt deckt auch Überstunden ab

Natürlich gilt auch bei bmp das Arbeitszeitgesetz. "Die Basiarbeitszeit liegt zwischen 9 und 18 Uhr, einschließlich einer Stunde Mittagspause", sagt van Bon. Aber auch er weiß, dass sich das tatsächliche Arbeitsende nicht nach dem Ende der betrieblichen Basiarbeitszeit richtet. Da sind die Consultants frei. Allerdings gilt: "Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten."

Dennoch haben die Beschäftigten bei einer Befragung erst kürzlich flexiblere Gleitzeitregelungen verlangt. Also bastelt bmp jetzt an einem modernen, softwaregesteuerten Stechuhr-Modell. Es dürfte vor allem den 50 % unter den Mitarbeitern zu Gute kommen, die dem "Support" zugerechnet werden, etwa Sekretariaten und Empfang. Und noch etwas hat die Belegschafts-Befragung erbracht: 85 % der Beschäftigten glauben, dass sie bei bmp einen sicheren Arbeitsplatz haben. Dieses Ergebnis führt van Bon einerseits auf die gute wirtschaftliche Lage seiner Branche zurück, andererseits mit ein wenig Stolz auf die Unternehmensführung: "Wir veranstalten hier ja kein hire and fire."



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%